DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Das Unternehmen aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal will nun sein Geschäftsmodell umstellen, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde.
Roth & Rau steigerte die Erlöse im abgelaufenen Jahr um knapp 36% auf 268,9 Mio Euro. Ursprünglich hatte das auf die Solarindustrie spezialisierte Unternehmen den Umsatz auf 285 Mio Euro steigern wollen, war wegen der Insolvenz eines Kunden in den USA aber von diesem Ziel kurz vor Silvester abgerückt. Diese hat auch das Ergebnis belastet, weshalb zuletzt auch die unterjährig gesenkte Gewinnprognose nicht mehr galt.
Insgesamt, also mit den durch Probleme bei schlüsselfertigen Anlagen verursachten Wertberichtigungen, summierten sich die einmaligen Belastungen der Mitteilung zufolge auf über 51 Mio Euro. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) fiel somit ein Fehlbetrag von 25,9 Mio Euro an. Im Jahr 2009 hatte Roth & Rau ein EBIT von 16,1 Mio Euro erzielt. Ein Teil der Sonderkosten, den das Unternehmen auf gut 8 Mio Euro bezifferte, fällt erst unterhalb des EBIT im Finanzergebnis an. Zum gesamten Jahresergebnis machte das Unternehmen keine Angaben und verwies auf den 31. März, den Tag der Bilanzvorlage.
Roth & Rau will nun umsteuern und ändert das Geschäftsmodell. Wegen der Nachfrageverschiebung hin zu Einzelanlagen will sich das Unternehmen nun auf diesen Bereich konzentrieren, hieß es. Dagegen soll das Geschäft mit schlüsselfertigen Produktionslinien, der so genannte Turnkey-Bereich, “an die geänderten Markterfordernisse angepasst” werden. Das Unternehmen will demnach künftig in diesem Bereich sein Know-How als Berater anbieten.
Damit reagiert die Roth & Rau AG auf die Probleme, die im vergangenen Jahr auftraten. Wegen des Ausfalls von Großprojekten in Indien und Spanien mussten Ende September 8,5 Mio Euro abgeschrieben werden, die drohende Zahlungsunfähigkeit des US-amerikanischen Kunden SpectraWatt kostete 12,5 Mio Euro. Nun kamen weitere Wertberichtigungen in Höhe von 11 Mio Euro für laufende Großprojekte hinzu sowie Rückstellungen für drohende Verluste aus solchen Vorhaben im Umfang von fast 10 Mio Euro.
Die neue strategische Ausrichtung kostet den Angaben zufolge weitere 3 Mio Euro für die Abwertung eingestellter Produktlinien und Entwicklungsprojekte. Umsätze mit den von Roth & Rau stark beworbenen SiNA-Anlagen werden bilanziell nun anders bewertet, was zu weiteren Belastungen von 6,5 Mio Euro führte.
Die Auftragslage war im gesamten Jahr besser als im Jahr davor. Neue Order gingen für 399 Mio Euro ein nach knapp 200 Mio Euro im Jahr 2009, der Auftragsbestand summierte sich Ende Dezember auf 335 Mio Euro. Damit hat sich das Geschäft zum Jahresende abgekühlt. Nach neun Monaten hatte Roth & Rau Neuaufträge von 392 Mio Euro gemeldet sowie einen Orderbestand von 365 Mio Euro.