VDW Standard Schnittstelle Roboter

Mit einem jetzt vom VDW formulierten Standard sollen Roboter und andere Maschinen besser zusammenarbeiten. - Bild: Wikipedia

| von Stefan Weinzierl

Industrie 4.0 ist in aller Munde, aber an der praktischen Umsetzung hapert es noch. Das liegt unter anderem auch an fehlenden Standards für die Verbindung der digitalen Maschinen untereinander. Das will der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in Frankfurt am Main nun ändern. Er hat nach eigener Aussage erstmals einen umfassenden und doch flexibel anwendbaren Standard formuliert, mit dem Roboter oder andere Werkstück-Trägersysteme einfacher in ein Fertigungssystem integriert werden können.

Dieser Standard soll in den kommenden Wochen auch dem zuständigen technischen Komitee der Internationalen Organisation für Standardisierung ISO vorgelegt werden, teilte der Verband mit. "Damit leiten wir eine erste weltweit gültige Norm für Schnittstellen in automatisierten Fertigungssystemen in die Wege", freut sich Dr. Hartmuth Müller, Vorsitzender der VDW- Arbeitsgruppe "Schnittstelle Werkzeugmaschine – Automation", die den Standard erarbeitet hat.

Umprogrammierung entfällt

Größere Produktionsanlagen werden laut VDW meist montiert, ohne vorher testen zu können, ob die Maschinen über die unterschiedlichen Schnittstellen tatsächlich miteinander kommunizieren können. Die einzelnen Maschinen seien häufig zu groß und komplex, um sie in eine Testumgebung zu transportieren. Daher würden die einzelnen Schnittstellen – also die Verbindungen, über die die Daten der verschiedenen Maschinen miteinander ausgetauscht werden – im Vorfeld von Systemintegratoren auf Basis zahlreicher Dokumente besprochen und abgestimmt.

Dann komme der große Moment, wenn die Anlage eingeschaltet wird – und nur zu oft funktioniere nichts. Der finanzielle und zeitliche Aufwand, der die Umprogrammierung der Schnittstellen mit sich bringe, lässt sich laut Verband vermeiden – wenn alle Schnittstellen von vorneherein einer Norm entsprächen – so wie sie der neue Standard nun vorgibt. "Das wird der Digitalisierung der Produktion einen deutlichen Schub geben und ist ein wichtiger Schritt hin zu Industrie 4.0", ist sich Müller sicher.

Hartmuth Müller VDW
Dr. Hartmuth Müller, Vorsitzender der VDW- Arbeitsgruppe Schnittstelle Werkzeugmaschine–Automation. - Bild: VDW

Norm ist flexibel anwendbar

Der neu erstellte Standard ist laut VDW modular anwendbar, um unterschiedlichsten Anforderungen gerecht zu werden – überall dort, wo bestimmte Werkstücke von transportierenden Maschinen zu bearbeitenden Maschinen gebracht werden müssen. Dabei kann es sich um die einfache Entnahme von Teilen eines Produktes drehen oder eine vollständige komplexe Produktionsanlagen etwa in der Autoproduktion, in denen die Werkstücke an verschiedenen Maschinen bearbeitet werden, so die Mitteilung.

Insgesamt könne zwischen drei Stufen und verschiedenen Optionen gewählt werden, um die Standards projektspezifisch auszulegen. So könnten bestimmte steuerungstechnische Signale hinzugefügt oder weggelassen werden, beispielsweise abhängig davon, ob die bearbeitende Maschine eine den Bearbeitungsbereich schützende Ladetür besitzt oder nicht. Auch die wichtigsten sicherheitstechnischen Aspekte seien in einer speziellen Sicherheitsschnittstelle festgelegt.

Um eine einfache Anwendbarkeit zu garantieren, haben die Experten vom VDW nach eigener Aussage den Standard in einer Excel-Datei beschrieben, mit der die Signale zu den verschiedenen Stufen und Optionen leicht gefiltert werden können.

Die formale Prozedur bei ISO startet mit einer Umfrage, ob das Standardisierungsvorhaben von internationaler Bedeutung ist, so der Verband. Dazu müssten mindestens vier Länder das Projekt für normungswürdig halten. Sollte das der Fall sein, wird die Arbeit zur internationalen Standardisierung gestartet. Dass das noch in diesem Jahr so kommen wird, daran zweifeln die Experten nicht.

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