von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (ks)–Während beim einstmals weltgrößten Solarzellenhersteller Q-Cells Verluste nichts Neues sind und nur immer wieder das Ausmaß der Schwierigkeiten überrascht, ist nun auch Solarworld im Abwärtstrend gefangen. Die Bonner wiesen am Montag den ersten Quartalsverlust seit Ende 2009 aus.
Solarworld hatte sich bisher erfolgreich im harten Wettbewerb behauptet. Mit einem Geschäftsmodell, das alle Wertschöpfungsstufen vom Silizium bis zum Modul bearbeitet, gelang es dem TecDAX-Unternehmen lange Zeit, profitabel zu wirtschaften. Die operative Marge vor Zinsen und Steuern (EBIT) war noch zweistellig, als andere schon rote Zahlen schrieben.
Doch der stetige Preisdruck zeigt nun Wirkung. Einen Umsatzeinbruch um über 30% im dritten Quartal steckt kaum ein Unternehmen locker weg. Solarworld wies bei Erlösen von 238 Mio Euro ein EBIT von 20,6 Mio Euro aus, was einer Marge von 8,7% entspricht. Unter dem Strich kam so ein Verlust von 9 Mio Euro zustande. Die Analysten hatten das nicht so drastisch erwartet. Im frühen Handel geben die Aktien um über 10% nach.
Dabei ist es nicht so, dass die Kunden keine Solaranlagen mehr kauften. Im Gegenteil: Solarworld setzte von Juli bis September sogar etwas mehr ab als ein Jahr zuvor. Doch dies ging auf das Konto der Auslandsmärkte, während das Unternehmen sein Markenimage in Deutschland nicht in entsprechende Erträge ummünzen konnte. Hierzulande brach die Nachfrage nach den wiederholten Fördersenkungen durch die Politik in den ersten neun Monaten um 37% ein.
Hier wie im Rest der Welt drücken vornehmlich chinesische Hersteller mit ihren stark gewachsenen Produktionskapazitäten zu einem Ausmaß in den Markt, wovon der Vergleich von Umsatz- und Absatzzahlen eine Ahnung gibt. Solarworld rechnet nun nur noch mit einem Jahresumsatz von über 1 Mrd Euro und hält das Vorjahresniveau von 1,3 Mrd Euro nicht mehr für erreichbar. Ein Ergebnisziel setzt sich das Unternehmen weiterhin nicht.
Auch Q-Cells überraschte am Montag negativ, jedoch nicht im Vorzeichen, sondern nur im Betrag. Die professionellen Beobachter hatten Verluste erwartet, jedoch nicht so hohe. Unter dem Strich fiel im Sommervierteljahr ein Fehlbetrag von 57 Mio Euro an. Nach neun Monaten summieren sich schon wieder fast eine halbe Milliarde in rot, nachdem im August die nächste Runde im seit nun zwei Jahren andauernden Restrukturierungsprozess eingeläutet wurde. Der Stammsitz wird künftig nur noch zur Hälfte genutzt, was hohe Abschreibungen zur Folge hatte.
Die Thalheimer verzichteten teilweise von Juli bis September auf den verlustträchtigen Direktverkauf von Solarzellen, dem einstigen Kerngeschäft. Ein Jahr zuvor wurde die doppelte Menge der Komponenten abgesetzt. Stattdessen wurden mehr fertige Module verkauft. Der Umsatz brach dennoch um über 40% ein. Auf EBIT-Basis entstand ein neuerlicher Verlust von fast 50 Mio Euro und auch für das vierte Quartal sollen sich die Vorzeichen nicht ändern.
Der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen machte für das kommende Jahr wenig Hoffnung auf Besserung. “Wir erwarten für 2012 weiteren Preisdruck und Unsicherheit bei Einkaufspreisen”, sagte er. Zur Zeit überarbeitet Q-Cells die mittelfristige Geschäftsplanung, weshalb Cen auch keine Aussage darüber treffen wollte, ob mit der Konzentration auf die Fertigung in Asien samt beschlossenem Personalabbau im nächsten Jahr ein operativer Gewinn möglich ist.
Er kümmert sich künftig wieder selbst um die Finanzen des Unternehmens. Die erst im Sommer 2010 angetretene Marion Helmes legt ihr Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung nieder – laut Cen “im Zusammenhang” mit den Verhandlungen um die im Februar fällige Wandelanleihe im Umfang von 200 Mio Euro. Nähere Angaben machte er dazu allerdings nicht.
Die Anleihe ist jetzt Cens dringendstes Problem. Die Gläubiger haben bereits einen Vertreter bestimmt, der die Rückzahlung bis Ende 2012 stunden kann. Auf Basis der neuen Planzahlen sollen Verhandlungen über eine Umschuldung aufgenommen werden. Momentan summieren sich die liquiden Mittel auf 230 Mio Euro. Zum Jahresende sollen sie bei bis zu 300 Mio Euro liegen, was weniger ist als zuletzt erhofft. Dazu kommt, dass davon über 60 Mio Euro nicht zur freien Verfügung stehen. Weil für das operative Geschäft Barmittel nötig sind, warnte Cen erneut davor, dass eine unvollständige Rückzahlung der Anleihe nicht auszuschließen ist. Die Aktien brechen um etwa 20% ein.