Systematisch zum zertifizierten Energie-Management-System (EnMS): Das Online-Tool ‚mod.EEM‘

Systematisch zum zertifizierten Energie-Management-System (EnMS): Das Online-Tool ‚mod.EEM‘ hilft Schritt für Schritt bei der Einführung. Den aktuellen Bearbeitungsstand zeigt der ‚Tacho‘ an (Bild: fotokalle - Fotolia).

von Michaela Neuner

LANDSBERG (ks). „Wenn das nicht vorgeschrieben wird, werden wir es nicht tun“, stellt Norbert Gerling kategorisch fest, wenn das Gespräch auf Energie-Management-Systeme (EnMS) und deren Zertifizierung kommt. Trotzdem ist der Leiter der Betriebstechnik der Schmitz-Werke im nordrhein-westfälischen Emsdetten dabei, ein normgerechtes EnMS aufzubauen. „Wir bereiten das so vor, dass wir jederzeit eine Zertifizierung machen lassen können, wenn die Vorschrift kommt“, erklärt er.
Ab 2013 ändern sich die Spielregeln für Strom- und Energiesteuervorteile wie die reduzierte EEG-Abgabe oder den Spitzenausgleich zur Entlastung der rentenversicherungspflichtigen Arbeitsentgelte. Mit dem Ablauf des Jahres 2012 endet die von der EU eingeräumte Übergangsfrist und in den Genuss dieser Vergünstigungen kommen dann nur noch Unternehmen, die nachweislich Energie einsparen. „Der Nachweis kann durch die zertifizierte Protokollierung in Energie-Management-Systemen oder durch andere, gleichwertige Maßnahmen erfolgen“, berichtet Thomas Gentzow von der Energieagentur NRW. Die Details werden derzeit noch diskutiert.
„Ein Unternehmen, das noch keine Strukturen wie ein Umweltmanagement nach ISO 14001 hat, wird ein Jahr brauchen, um ein Energie-Management-System einzuführen“, schätzt der Energieberater. Der Emsdettener Textilhersteller Schmitz ist bereits nach ISO 14001 zertifiziert. Trotzdem rechnet Betriebstechnikleiter Gerling damit, dass es etwa ein Jahr dauern wird, das EnMS auch organisatorisch umzusetzen. „Wir haben niemanden abgestellt, der das ausschließlich macht und von daher ist der Zeitraum natürlich etwas größer, als wenn ich direkt jemanden dran setze“, erklärt er.
Der Aufwand dafür lohnt sich in seinen Augen jedoch selbst dann, wenn das EnMS am Ende nicht zertifiziert wird: „Wir haben schon bei der ISO 14001 festgestellt: Man wird auf Punkte aufmerksam gemacht, die man sonst vielleicht so nicht sieht und das ist sehr positiv“, findet Gerling.
Zum Aufbau des Energie-Management-Systems nutzt er ein kostenloses Online-Tool der Energieagentur NRW, das ‚Modulare Energie-Effizienz-Modell (mod.EEM)’. In der Pilot-Phase war es auf Nordrhein-Westfalen beschränkt. Mittlerweile steht ‚mod.EEM‘ jedoch Unternehmen in ganz Deutschland zur Verfügung. Die Online-Plattform unterstützt bei der stufenweisen Einführung, Dokumentation und Aufrechterhaltung von Energie-Management. Schritt für Schritt führt es zum Aufbau eines EnMS nach DIN EN 16001 bzw. ISO 50001. Es ist so ausgelegt, dass es in bestehende Managementsysteme wie die ISO 9001, die ISO 14001 oder EMAS integriert werden kann.
Auch die Kiekert AG in Heiligenhaus arbeitet seit 2010 mit ‚mod.EEM’. Ihr EnMS soll bis Mai 2012 stehen, eine Zertifizierung nach ISO 50001 ist geplant. Kiekert fertigt Schlösser für Fahrzeuge. Die Kunden aus der Automobilindustrie fordern zwar noch kein Energie-Management nach Norm. „Aber das wird kommen“, glaubt Stephan Reetz, Leiter der Instandhaltung bei Kiekert.
Rund 100 Unternehmen arbeiten bislang über die ‚mod.EEM’-Plattform an der Einführung eines normgerechten EnMS und täglich gehen neue Anfragen bei der Energie-Agentur dazu ein. „Das Interesse ist sehr groß. Es ist aber nach wie vor sehr unbefriedigend, dass die Politik nicht sagt, welche Anforderungen in Bezug auf Energie-Steuer und Spitzenausgleich künftig zu erfüllen sind“, ärgert sich Energieberater Thomas Gentzow.

aus Produktion Nr. 48-49, 2011

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