Zerspanungswerkzeug auf Schleifmaschine

Zerspanungswerkzeuge können durch Nachschleifen oder andere Arten der Wiederaufbereitung sehr häufig mehrere Leben erhalten. - Bild: Pixel_B - stock.adobe.com

Was tun Sie, wenn die Schneiden ihres Werkzeugs stumpf sind? Wegwerfen und ein neues kaufen? Hoffentlich nicht sofort. Klar gibt es Werkzeuge, bei denen das tatsächlich die einzig sinnvolle Lösung ist. Das ist aber nur selten der Fall.

Meistens kann noch etwas getan werden. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern sehr oft auch wirtschaftlicher. Warum Sie immer über die Wiederaufbereitung Ihrer Zerspanungswerkzeuge nachdenken sollten, hat PRODUKTION für Sie recherchiert.

Wie oft wird die Wiederaufbereitung bisher genutzt?

„Wenn Sie mich fragen, natürlich zu wenig“, ist die Antwort von Tobias Friedrich, Leiter des Technology Centers Nürnberg bei der Hoffmann Group auf die Frage, wie viele Werkzeuge ungefähr wiederaufbereitet werden. „Aktuell werden weniger als zehn Prozent der Werkzeuge nachgeschliffen.“ Die Tendenz sei allerdings steigend, unter anderem da die neuen Generationen von Hochleistungszerspanungswerkzeugen nicht als Einwegprodukte konzipiert werden.

Allgemeine Statistiken gibt es zu dem Thema nicht. Die Hersteller können nicht genau sagen, wie vielen der von ihnen verkauften Werkzeuge weitere Leben geschenkt werden, denn nicht nur die Hersteller selbst bieten eine Wiederaufbereitung an, auch viele Dienstleister haben einen Nachschleif- oder Wiederaufbereitungsservice im Angebot.

Doch warum sollten Zerspaner diesen Service noch viel häufiger nutzen? „Zum einen spart man sehr wertvolle Ressourcen und Rohstoffe, zum andern hat der Anwender mit einem gut wiederaufbereiten Werkzeug ein sehr großes Sparpotential bei den Werkzeugkosten“, fasst Friedrich zusammen. Wir möchten uns aber in diesem Artikel die Gründe, die für einen Nachschliff oder eine Reparatur sprechen noch genauer anschauen.

Was bringt mir die Wiederaufbereitung von Präzisionswerkzeugen?

Fragt man Werkzeug-Hersteller und Nachschleifservice-Anbieter, nennen sie viele verschiedene Aspekte, die für die Wiederaufbereitung von Zerspanungswerkzeugen sprechen. Im Vordergrund stehen die Schonung von Ressourcen, zeitliche Vorteile im Vergleich zu Neubestellungen und die Reduktion von Werkzeugkosten.

Kosten fürs Nachschleifen und Reparaturen sind geringer als die für Neuwerkzeuge

Die Wiederaufbereitung ist es eine Möglichkeit die Werkzeugkosten insgesamt zu senken. „Wenn ich ein Werkzeug habe, das hochwertig ist, dann kostet das auch ein gewisses Geld – dann wäre es schade, das wegen einfacher Abnutzung wegzuschmeißen“, erzählt Achim Kopp, Geschäftsführer der Kopp Schleiftechnik GmbH, die unter anderem einen Nachschleifservice anbietet, im Gespräch mit PRODUKTION. Gerade bei den momentan häufig angeboten modularen Werkzeugsystemen und Aufsteckwerkzeugen ließen sich die Kosten auf diese Weise enorm senken.

Wie viel konkret gespart werden kann, berichtet Carsten Lehmann, Managing Director Vertrieb, Produktmanagement und Entwicklung im Mapal Kompetenzzentrum für PKD-Werkzeuge in Pforzheim: „Um ein PKD-Werkzeug nachschleifen zu lassen, fallen etwa 20 Prozent der Kosten für ein Neuwerkzeug an. Eine Wiederaufbereitung ist kostenintensiver. In Abhängigkeit von Aufwand und Komplexitätsgrad der Aufbereitung werden dafür etwa 65-70 Prozent der Kosten eines Neuwerkzeuges fällig.“

Carsten Lehmann von Mapal
Carsten Lehmann ist Managing Director Vertrieb, Produktmanagement und Entwicklung im Mapal Kompetenzzentrum für PKD-Werkzeuge in Pforzheim. - Bild: Mapal

Wiederaufbereitung geht häufig schneller als Neuanschaffung

Lehmann sieht außerdem einen zeitlichen Vorteil, der mit der Wiederaufbereitung einhergeht. „Der fertigungstechnisch aufwendige Werkzeuggrundkörper ist vorhanden und eine Wiederaufbereitung kann häufig dezentral in örtlicher Nähe durchgeführt werden“, erklärt er. Das hat zur Folge, dass wiederaufbereitete Werkzeuge den Anwendern deutlich schneller wieder für den Einsatz zur Verfügung stehen. Neue Werkzeuge zu produzieren ist um einiges zeitaufwendiger.

Ressourcen sparen dank aufbereiteter Werkzeuge

Für Kopp ist auch die Schonung von Ressourcen ein wichtiger Aspekt, der für das Nachschleifen von Zerspanungswerkzeugen spricht. „Wenn ich ein Werkzeug ein paar Mal verwenden kann und es erst dann wieder dem Kreislauf zuführe, dann geht das auch nicht so stark auf Kosten der Umwelt“, erläutert er.

Außerdem können dank mehrmaligem Aufarbeiten der Werkzeuge seltene Rohstoffe geschont werden. Gerade bei Werkzeugen, die aus umkämpften Werkstoffen wie beispielsweise Kobalt bestehen, ist die Möglichkeit ihnen ein zweites, drittes oder sogar viertes Leben zu verleihen also durchaus sinnvoll.

Qualität der Werkzeuge wird nicht beeinträchtigt

„Da ist außerdem der Qualitätsfaktor“, berichtet Lehmann. „Ein wiederaufbereitetes Werkzeug ist qualitativ mit einem Neuwerkzeug vergleichbar. Neubestückt ist es tatsächlich von den Abmessungen her identisch zum Neuwerkzeug, während sich bei einem Nachschliff die Abmessungen minimal unterscheiden.“

Portrait von Achim Kopp, Geschäftsführung Kopp Schleiftechnik
Achim Kopp ist Geschäftsführer von Kopp Schleiftechnik. - Bild: Kopp Schleiftechnik

Manchmal ist die Qualität des Nachschliffs oder einer neuen Beschichtung sogar besser als die Originalqualität des Werkzeugs. Daher hat Kopp Schleiftechnik auch Kunden, die Neuwerkzeuge zum Nachschleifen schicken. „Zum Beispiel bekommen wir neue Hartmetallbohrer geschickt, bei denen wir den ersten Anschliff machen“, erläutert der Geschäftsführer. „Wir verpassen dem Werkzeug die optimale Geometrie für den Einsatzzweck, entgraten die Schleifkanten und geben es zum Beschichten.“

Wann ist eine Wiederaufbereitung überhaupt möglich?

Es gibt also viele Gründe, warum Sie ihre Werkzeuge nicht nach dem ersten Nutzungszyklus wegwerfen sollten. Doch welche Werkzeuge können überhaupt nachgeschliffen werden?

Die Kurzfassung hat Lehmann parat: „Prinzipiell können alle Werkzeuge nachgeschliffen oder wiederaufbereitet werden. Je komplexer das Werkzeug ist, umso sinnvoller ist eine Wiederaufbereitung.“

Es gibt aber auch Ausnahmen. Was die Voraussetzungen sind, dass Werkzeuge nachgeschliffen oder neu bestückt werden können, lesen Sie im Artikel „Wie die Wiederaufbereitung von Zerspanungswerkzeugen funktioniert“. Außerdem lesen Sie darin, welche Möglichkeiten es gibt, um Werkzeuge aufzubereiten und wie so ein Prozess typischerweise abläuft.

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?