Kabel an einem Server

Viele Digitalisierungsprojekte enttäuschen in der Umsetzung, weil die Zusammenarbeit zwischen OT und IT nicht reibungslos funktioniert. - Bild: Pixabay

| von Peter Lukesch, Ondeso

Woran scheitern IT-Projekte in der Produktion? Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen, vernetzte Produktionsanlagen, digitaler Zwilling und individuelle Unterstützung durch Roboter und künstliche Intelligenz: Die Digitalisierung der produzierenden Unternehmen in Deutschland schreitet eigentlich voran. Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom wollen rund 73 Prozent der deutschen Industrieunternehmen im Zuge von Industrie 4.0 nicht nur einzelne Prozesse verändern, sondern ganze Geschäftsmodelle.

Konzepte für die Smart Factory existieren also, und ebenso die notwendige Technologie um sie umzusetzen. Dennoch enttäuschen viele Digitalisierungsprojekte in der Umsetzung, weil die Zusammenarbeit zwischen OT und IT, also Produktionsverantwortlichen, IT-Abteilung und externen Dienstleistern nicht reibungslos funktioniert. Doch das muss nicht so sein.

Was ist Operational Technology (OT)?

Im Gegensatz zu IT ist OT (Operational Technology) ein recht neuer Begriff. Als OT gilt jene Hard- und Software, die eine direkte Überwachung oder Kontrolle von physikalischen Geräten und Prozessen im Unternehmen ermöglicht. Einfacher gesagt: OT beinhaltet die produktionsnahe Steuerung aller operativen Abläufe in der Smart Factory.

Das wiederum bedeutet, dass OT ganz klar im jeweiligen Fachbereich von Fertigung oder Produktion angesiedelt ist. Doch die Fabrik der Zukunft basiert auf unzähligen Sensordaten sowie deren Vernetzung, untereinander und mit Leitsystemen oder Cloud. Diese Vernetzung ist allerdings gleichzeitig eine Herausforderung für die zentrale IT-Abteilung, denn die Smart-IIoT-Devices generieren Daten im Terabyte-Bereich. Zudem gilt es, die Kommunikation, meist Machine to Machine (M2M) in Echtzeit abzusichern. Wenn dann noch die maschinennahe Auswertung der Daten per Edge-Computing und KI hinzu kommt, ist die IT wieder voll dabei.

Gegenseitiges Verständnis hilft Gräben zu überbrücken

Eine gute Kommunikation zwischen OT und IT tut also not. Allerdings kommt es hier immer wieder zu Missverständnissen, weil unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Wenn zum Beispiel das Wort „Sicherheit“ fällt, denken Produktioner und OT-Spezialisten an funktionale Maschinensicherheit, also Safety, während IT-Fachleute an Security und Firewalls denken. Außerdem: IT-Projekte laufen meistens in Form von Meetings ab – OT-Leute denken bei Projekten eher an physisches Arbeiten wie schweißen oder montieren.

Was sollte man also tun, um ein IT-Projekt im OT-Umfeld zum Erfolg zu machen? Die folgenden Praxistipps zeigen auf, wie die Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT-Spezialisten reibungslos laufen kann:

Das sollten Sie vor dem Projekt beachten

Bereits vor dem Projektstart können die Verantwortlichen viele Hürden aus dem Weg räumen, indem sie allen Beteiligten die Rahmenbedingungen klar machen. Folgende Punkte sind besonders wichtig:

  • Klären Sie vorab Zuständigkeiten: Was machen IT, Instandhaltung, Einkauf, Produktionsplanung?
  • Transparenz im Projektteam: Verteilen Sie allen Beteiligten relevante Kontaktdaten. Weisen Sie ggf. auf unterschiedliche Arbeitszeiten der Abteilungen hin.
  • Denken Sie daran, eine Testumgebung zu planen und bereitzustellen.
  • Falls Maschinen mit einbezogen werden müssen, planen Sie ein Wartungsfenster.
  • Kommunizieren Sie klar Ihre eigenen Anforderungen, um realistische Erwartungen zu erzeugen.
  • Fragen Sie die Anforderungen anderer Abteilungen oder externer Dienstleister ab: Was muss für den Softwareeinsatz erfüllt werden (Hardwareanforderungen, Portfreigaben, …). Weisen Sie auch auf Besonderheiten wie Schreibschutzfilter, Antiviren-Programme oder Firewalls hin.
  • Klären Sie ab, welche andere Zugänge gegebenenfalls nötig sind (z.B. VPN für Remote-Unterstützung)

Diese Hinweise helfen externen Dienstleistern

Falls Sie mit externen Dienstleistern arbeiten, können Sie den Projektstart erheblich angenehmer gestalten, wenn Sie auf folgende Sachverhalte achten:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gäste beim Werkschutz angemeldet sind.
  • Senden Sie den Besuchern Hinweise zur Anfahrt (welches Tor, Parkplätze, Besonderheiten) und erinnern Sie sie gegebenenfalls an gültige Ausweisdokumente.
  • Erwähnen Sie auch, falls nötig, Sicherheitskleidung (Helm, Schuhe, Warnweste…) und planen Sie ausreichend Zeit für eventuell vorgeschriebene Sicherheitsunterweisungen ein.

So sorgen Sie für einen flüssigen Projektablauf

Wenn das Projekt startet und Vertreter mehrerer Abteilungen sowie externer Dienstleister im Haus sind, gilt es, für einen sauberen Ablauf zu sorgen. Es hat sich bewährt, mit einer kurzen Werksführung zu starten. Das schafft Awareness für Herausforderungen, Probleme und Anforderungen in der jeweiligen Produktionsstätte.

Gleichen Sie zu Beginn die Erwartungen der Teilnehmer ab. Denn oft sind die operativ tätigen Personen nicht dieselben, die das Projekt in Stabsstellen angestoßen haben. Bei wechselnden Ansprechpartnern können sich Erwartungen ändern und Informationen verloren gehen.

Weisen Sie auch nochmals auf die jeweiligen Arbeitszeiten und Schichtwechsel der Ansprechpartner sowie auf Downtimes der Fertigung hin. Es ist ärgerlich, wenn der Schichtführer im Werk ab 6:00 Uhr arbeitet und der um 9:00 Uhr angereiste Consultant ab 15:00 Uhr keinen Ansprechpartner mehr hat. Womöglich sollte der Berater hier am Vorabend anreisen oder der OT-Spezialist seine Schicht tauschen.

Folgende Punkte sollten Sie nicht vergessen:

  • Definieren Sie einen Prozess für Übergabe, Dokumentation und Änderung von sicherheitsrelevanten Informationen wie Passwörter oder Usernamen.
  • Betonen Sie die für manchen IT-Fachmann ungewohnten IT-Schutzziele: Verfügbarkeit hat Vorrang, Produktion hat Vorrang!
  • Planen Sie Prozesse und Lösungen um die vorhandene Produktion herum. Klären Sie, was verändert werden darf und was nicht (auf Herstellerfreigaben achten).
  • Versuchen Sie, interne Ansprechpartner aus dem Tagesgeschäft herauszulösen. Womöglich lassen sich Schulungen oder Workshops auch außerhalb des Werks durchführen.
  • Denken Sie daran, gegen Ende einen Abnahmetest durchzuführen und die Ergebnisse zu dokumentieren.
  • Wichtig: Als Projektleiter sind Sie Mediator zwischen IT und Produktion/Instandhaltung: Es geht nicht darum, Probleme aufzuzeigen, sondern Lösungen

Die Projektnachbereitung

Wenn die heiße Projektphase beendet ist heißt es, einen Leistungsbericht aus den Abnahmedokumenten zu erstellen, umgesetzte Veränderungen an den Systemen zu dokumentieren und offene oder noch unklare Punkte im Zuge einer Nachbetreuung zu besprechen. In diesem Zuge sollte auch eine Projektfortsetzung oder -erweiterung diskutiert werden.

Wenn sich alle Beteiligten an diese Regeln halten, werden sich unvermeidliche Kultur- und Technologieunterschiede unterschiedlicher Abteilungen weitaus weniger auf die Zusammenarbeit auswirken. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, ein Projekt erfolgreich umzusetzen, erheblich. Denn wie wir eingangs erfahren haben: An den technischen Voraussetzungen liegt es in der Regel nicht.

Benötigen Sie Hilfe bei der Umsetzung?

Sie müssen das Rad nicht immer neu erfinden. Speziell entwickelte Softwarelösungen können Sie dabei unterstützen einzelne Prozesse oder ganze Arbeitsabläufe für ein optimales Zusammenspiel von IT und OT umzusetzen. Ein bewährtes und weltweit erprobtes Beispiel hierfür ist die Industrial IT Management-Plattform ondeso SR. Damit können Sie Aufgaben, wie zum Beispiel das Patchen von Clients, Erstellen von Backups und oder das Verteilen aktueller Software einfach konfigurieren und automatisiert ablaufen lassen. Die OT-Spezialisten unterstützen Sie darüber hinaus auch bei der Erstellung und Planung entsprechender Konzepte und helfen Ihnen bei der Implementierung sowie der nachhaltigen Integration in die laufenden Produktionsprozesse.

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