Auf der Husum WindEnergy hatten Aussteller und Besucher stets gut lachen. Doch der VDMA und die

Auf der Husum WindEnergy hatten Aussteller und Besucher stets gut lachen. Doch der VDMA und die Messe Hamburg planen für 2014 eine Konkurrenzveranstaltung (Bild: Messe Husum).

von Lothar Lochmaier

BERLIN (pd/ks). Seitdem der VDMA Hamburg als alternativen Messestandort in der Windenergie favorisiert, hat sich die Debatte um die Leitmessen im Bereich der erneuerbaren Energien verschärft. Das neue Format in der Hansestadt soll erstmals im Herbst 2014 an den Start gehen – unmittelbar vor der im Zweijahresrhythmus statt findenden Husum WindEnergy.
Nachdem die Initiative des VDMA laut Peter Becker, Geschäftsführer der Husumer Wirtschaftsgesellschaft, nicht ausreichend mit wichtigen Vertretern aus der Industrie abgesprochen war, nahm die Phalanx der Gegner gegenüber der Hamburger Initiative an Fahrt auf.
„Bei der Husum WindEnergy handelt es sich um ein einzigartiges Veranstaltungsformat, das sich nicht einfach an einen anderen Ort verlegen lässt“, betonte Becker. Der Betreiber der Husum Wind hält nach eigenem Bekunden am bislang bewährten Konzept fest.
Breite Rückendeckung erhält die „Wiege der deutschen Windmessen“ von den Verantwortlichen der Hannover Messe. „Unser Ziel besteht darin, dass Husum und Hannover den Bedarf der Windbranche komplett abdecken“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfram von Fritsch von der Deutschen Messe.
Von Fritsch fügte jedoch hinzu, dass man auch an der bislang guten Zusammenarbeit mit dem VDMA festhalte. Zusätzlichen Auftrieb soll die Kooperation beider Standorte nun durch konzertierte Auslandsveranstaltungen, neue Studien und Forschungsprojekte sowie eine Preisausschreibung für die beste Windtechnologie erhalten.
Trotz der Bemühungen um eine Kompromisslösung scheint ein gangbarer Kompromiss zwischen den Standorten nicht in Sicht. Denn Andreas Jesse, stellvertretender Präsident beim Bundesverband WindEnergie (BWE), sieht durch den unerwarteten Hamburger Vorstoß mit dem VDMA bereits heute viel Porzellan zerschlagen.
Im Gespräch mit Produktion äußerte er sein Unverständnis: „Die Initiative des VDMA richtet sich direkt gegen eine funktionierende Messeallianz.“ Aber nicht nur auf Verbandsebene, auch in den Reihen der großen Hersteller zeichnet sich aktuell ein widersprüchliches Stimmungsbild ab.
Während einige führende Industrievertreter und auch Zulieferer sich für den Vorstoß der Hamburger Messe aufgeschlossen zeigen, legen die beiden in Deutschland immerhin führenden Unternehmen Enercon und Vestas ein klares Bekenntnis zum Messestandort Husum ab.
„Der Vorstoß des VDMA schadet der ganzen Branche“, bekräftigt Andreas Eichler, Director Sales Germany bei Vestas Central Europe. Er glaubt ohnehin nicht an ein erfolgreiches neues Messeformat in der Hansestadt. „Husum setzt auf Qualität statt auf Masse“, so der Vertreter der Industrie weiter.
Ebenso deutlich spricht sich Michael Liesner vom Berliner Verbindungsbüro der Enercon GmbH für Husum aus. „Wir haben auch aus dem Blickwinkel unserer Partner und Kunden kein Interesse an einer weiteren Konkurrenzveranstaltung.“ Im Gespräch mit Produktion wird er noch deutlicher: „Wir sehen die Messe dort angesiedelt, wo unsere Kunden und Partner sind, also in Husum.“
Indes möchte der VDMA durch seine Initiative vor allem sicherstellen, dass die internationale Leitmesse der Windindustrie in Deutschland gehalten wird. „Dabei würden wir uns eine Fortsetzung der Kooperation zwischen den Messegesellschaften aus Hamburg und Husum wünschen, um die vorhandene Expertise optimal nutzen zu können“, sagt Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

aus Produktion Nr. 43, 2011