Zwei Mechaniker arbeiten an einem BMWi8-Elektroauto.

Die Herstellung von Elektroautos (im Bild: BMW i8) ist klimaschädlicher als die Produktion eines Verbrenners. - Bild: BMW Group

| von Anja Ringel

Schnellere Beschleunigung, Kaufprämien und kostenloses Parken: Autokäufer sehen viele Pluspunkte für den Kauf eines Elektroautos. Das geht aus der neuen Studie „The road ahead for e-mobility“ der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervor.Daneben spielt auch Umweltschutz eine Rolle – 15 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen dieser Punkt wichtig ist.

Doch Elektroautos sind nicht immer die umweltfreundlichere Variante. Das hat Dr. Peter Tarne in seinem Vortrag „Wie viel CO2 steckt in einem Produkt?“ anlässlich der Munich Creative Business Week aufgezeigt. Tarne ist bei BMW Spezialist für Produktnachhaltigkeit.

Warum die Ökobilanzen der Autobauer nicht vergleichbar sind

Um herauszufinden, welche Ökobilanz ein Fahrzeug hat, müsse man sich zunächst den Lebenszyklus des Produktes anschauen, erklärt Tarne. Wichtig dabei sind:

  • Rohstoffgewinnung
  • Materialherstellung
  • Produktion
  • Nutzungsphase
  • Recycling
  • Entsorgung

Dann werde untersucht, welche In- und Outputs es gebe: zum Beispiel wie viel Energie benötigt werde oder welche Emissionen entstehen.

BMW_Spezialist Peter Tarne steht neben einem Flippchart und erklärt die CO2-Bilanzen verschiedener Fahrzeuge.
BMW-Spezialist Peter Tarne erklärt in einem Vortrag, wie viele Emissionen unterschiedliche Fahrzeuge in einem Lebenszyklus verbrauchen. - Bild: Anja Ringel

Die Herausforderung ist dabei laut Tarne, die Abschneidekritierien beziehungsweise Systemgrenze zu definieren. Das heißt: Welche Punkte werden noch mit eingerechnet, welche nicht? Wo wird die Grenze gesetzt? Ein Beispiel: Wenn für die Herstellung einer Maschine, die für die Autoproduktion wichtig ist, Stahl gebraucht wird: Berechnet man diese Ökobilanz dann auch mit ein oder belässt man es „nur“ bei der Autoherstellung?

Tarne erklärt, dass es keine einheitliche Regelung dafür gibt und jeder Autobauer andere Systemgrenzen setzt. Deshalb seien die Ökobilanzen von unterschiedlichen Unternehmen auch schwer vergleichbar.

So berechnet BMW die Ökobilanz seiner Fahrzeuge

Um verschiedene Produkte miteinander vergleichen zu können, wird berechnet, welche Auswirkungen die In- und Outputs auf die Umwelt haben. Dabei nutzen die Experten eine einheitliche Einheit und zwar CO₂-Äquivalente (CO₂e). Damit gibt es eine Referenzgröße für alle klimarelevanten Gase. Methan hat zum Beispiel 28 CO₂-Äquivalente.

Um die entsprechenden Werte herauszufinden, recherchieren die Spezialisten selbst, nutzen Daten der Hersteller und greifen auf Zahlen aus einem Ökobilanz-Berechner zurück. In diesem stellen Experten ihre Berechnungen zur Verfügung. 

Die Ökobilanz bei BMW schaut folgendermaßen aus:

  • Materialherstellung: Hier ist ein Verbrenner klimafreundlicher als ein Elektrofahrzeug oder Plug-in-Hybrid. Der Grund: Für die Herstellung einer Elektrobatterie werden unter anderem Materialen wie Lithium benötigt, die für die Umwelt schädlicher sind.
  • Produktion in der BMW Group: Dazu gehört Tarne zufolge auch die Logistik, die aber wenig Auswirkungen auf die Gesamtbilanz hat: Der Transport erfolge oft in großen Containerschiffen, erklärt Tarne. Der Anteil eines einzelnen Fahrzeugs werde nach Gewicht berechnet und sei deshalb verhältnismäßig klein. In diesem Punkt zeigen alle Fahrzeuge die gleiche Bilanz auf.
  • Nutzungsphase: Dazu zählt vor allem das Tanken. Hier ist sind Elektroautos und Plug-in-Hybride klimafreundlicher als normale Verbrenner. Beinahe gegen Null geht die Ökobilanz, wenn E-Autos mit erneuerbarem Strom geladen werden. „Der Bau von Kraftwerken oder Photovoltaikanlagen wird hier auch dazu gerechnet“, erklärt Tarne. Deshalb sei die Bilanz nicht ganz bei null.
  • Verwertung: Zu diesem Punkt zählt unter anderem, welche Materialen recycelt, geschreddert und welche verbrannt werden. Auch hier haben alle Fahrzeugtypen nahezu die gleiche Bilanz.

Wie die Ökobilanz von Elektroautos verbessert werden kann

Tarnes Fazit: Bei Kilometer Null hat ein Verbrenner die bessere Ökobilanz. 80 Prozent der Treibhausgasemissionen liegen hier in der Nutzungsphase.

Je mehr Kilometer mit einem E-Wagen gefahren werden, desto mehr sinkt die Gesamtmenge der CO₂e-Emissionen. Deshalb gelte es, die Mindestlaufzeit von E-Autos zu verlängern. Um den gesamten CO₂-Fußabdruck zu verringern, werde nach alternativen Batterie-Möglichkeiten und einer anderen Materialauswahl geforscht. Verbessert werden kann die Ökobilanz eines Elektroautos vor allem durch das Tanken von erneuerbarem Strom.

Obwohl im Übrigen jeder zweite Kunde in Deutschland laut der McKinsey-Studie ein Elektroauto in Erwägung zieht, haben sich 2019 nur drei Prozent davon für ein solches Auto entschieden.

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