Chevrolet Bolt EV, Produktion

Im Gegensatz zum Tesla Model 3 läuft beim Chevrolet Bolt EV die Produktion reibungslos. - Bild: GM

| von Gabriel Pankow

Es ist nun rund 100 Jahre her. Damals setzte sich Erwin "Cannonball" Baker in sein Auto, um einmal quer durch die USA zu fahren – und das so schnell wie möglich. Sein Ziel: Zuverlässigkeit, Reichweite und Einfachheit des Betankens von Autos mit Benzinmotor zu demonstrieren.

Gut 100 Jahre später setzten sich die beiden Amerikaner Alex Roy und Daniel Zorrila in ein Tesla Model 3, um genau dasselbe zu demonstrieren – nur bei einem Elektroauto. Sie starteten in Redondo Beach, Kalifornien, und erreichten nach 2860 Meilen und 50 Stunden und 16 Minuten New York City. Damit stellten sie einen neuen Rekord für E-Autos beim sogenannten Cannonball-Run – benannt nach Erwin "Cannonball" Baker – auf. Die Kosten fürs Aufladen des Model 3 betrugen gerade einmal 100 Dollar und ein paar Cent.  Es ist eine extreme Demonstration, dass Elektroautos alltagstauglich sind.

Tesla steckt noch in der "Produktionshölle"

1.550 Einheiten des Model 3, eben jenem Rekordfahrt-Modell, hat Tesla im vierten Quartal 2017 abgesetzt. Von einem Volumenmodell kann hier noch keine Rede sein. Der Autobauer steckt derzeit noch in der "Produktionshölle", wie es Tesla-Boss Elon Musk selbst gesagt hat. Erst vor kurzem hat der US-Elektroautohersteller die Produktionsziele für sein Model 3 verschoben. Die Fertigung des Stromers könne erst am Ende des zweiten Quartals 2018 auf wöchentlich 5.000 Fahrzeuge hochgefahren werden, teilte Tesla mit.

Konkurrent General Motors (GM) ist da schon weiter. GM-Tochter Chevrolet verkaufte vom Bolt EV, der dem Model 3 in Preis und Fahrleistungen ebenbürtig ist, rund 23.000 Einheiten im Jahr 2017. 2018 dürften es laut verschiedener Experten nochmal deutlich mehr werden.

Zusammen mit dem Ford Focus EV, dem Nissan Leaf und den Tesla-Modellen Model X und Model S war der Bolt EV laut IHS Markit der wichtigste Wachstumstreiber auf dem amerikanischen E-Auto-Markt.

Rebecca Lindland, Automotive-Expertin bei Kelley Blue Book erklärte gegenüber der US-Zeitung Detroit News, dass die Verkaufszahlen von E-Autos 2017 gegenüber dem Vorjahr zwar gestiegen seien, aber dass die Hersteller beziehungsweise Verkäufer immer nur im gleichen Teich fischten. Sprich: Reine Elektroautos verdrängten kaum Benziner vom Markt. Ein Beleg dafür sind die sinkenden Verkaufszahlen des Chevrolet Volt, einem Plug-In-Hybriden. US-Käufer ließen den Volt links liegen und entschieden sich stattdessen lieber für den batterie-elektrischen Bolt.

Quer durch die USA - Rekordfahrt im Tesla Model 3

Marktanteil dürfte 2018 deutlich wachsen

Doch 2018 dürfte besagter Teich deutlich größer werden, es werde zum Wendepunkt in Sachen E-Mobility. So die Einschätzung des US-Autoportals Edmunds.

Lag der Marktanteil der von Autos mit elektrischen Antriebsstrang (batterie-elektrische Autos und Plug-In-Hybride) 2017 in den USA bei nur 1 Prozent, gehen die Analysten von Edmunds für 2018 von einem Marktanteil von 4 Prozent aus.

Wichtigste Modelle: Alle Teslas sowie Chevy Bolt und Nissan Leaf. Viel wichtiger als die Autos selbst ist für die Experten aber ein anderer Faktor, der zum entscheidenden Wachstumstreiber wird: Die Demographie.

Auch Rebecca Lindland von Kelley Blue Book macht den demographischen Wandel für den großen Wachstumssprung verantwortlich. Denn 2018 und in den folgenden Jahren werden immer mehr Millenials ihren Führerschein machen und zu potenziellen Autokäufern werden.

Gegenüber der Detroit News erklärte Lindland, dass Millenials keine Probleme mit neuen Technologien wie eben der Elektromobilität hätten. Sie wachsen mit Elektroautos so selbstverständlich auf wie mit Smartphone und Internet. Und sie werden E-Autos so selbstverständlich nutzen wie Smartphone und Internet. Um Millenials von E-Autos zu überzeugen, wäre ein Husarenritt im Model 3 quer durch die USA vielleicht gar nicht nötig gewesen.