Mercedes Van autonom

Die "Vision Urbanetic" von Mercedes-Benz Vans ist ein autonom fahrendes Konzeptfahrzeug, welches der Automobilhersteller auf der CES in Las Vegas vorgestellt hat. - Bild: Daimler

Der Wagen gleitet leise los. Nur die rauschende Pumpe des Lenkradgetriebes ist zu hören. Der Mercedes-Van hat weder Pedale noch Lenkrad. Joystick und Not-Aus-Knopf stecken in der Mittelkonsole - für alle Fälle. Sonst fährt das Versuchsfahrzeug des Automobilzulieferers ZF selbstständig, wie von Geisterhand.

"Wir wollen Treiber des nächsten Mobilitätsschrittes sein, der elektrisch und autonom sein wird", sagt der ZF-Chef Wolf-Henning Scheider anlässlich der Präsentation des völlig selbstständig fahrenden Wagens der Autonomiestufe 5.

Traum 'fahrerloses Auto' bald Wirklichkeit?

Bei Stufe-4-Fahrzeugen steuert ein Computersystem das Auto und der Fahrer greift nur noch ein, wenn das System ausfällt. Deshalb sind in Stufe-4-Fahrzeugen noch Lenkrad, Pedale oder ein Joystick montiert. Bei Autos der Stufe 5 entfallen diese Bauteile.

In ein paar Jahren soll der Traum vom fahrerlosen Auto auf den Straßen Wirklichkeit werden, etwa in Form von Robotaxen. "Dafür muss das autonome Fahren 100 Mal besser sein als das menschliche Fahren. Es muss absolut sicher sein. Nur dann wird es akzeptiert", sagt Scheider. Vorerst geht es nur auf einem abgesperrten Parcours.

Wie es ist, dem Auto das Steuer zu überlassen

Wie ist es, in einem Auto zu sitzen, das gänzlich selbstständig fährt? Es ist zunächst ein seltsames Gefühl, wenn man vorne links sitzt und das Lenkrad fehlt. Das Anfahren würden selbst Fahranfänger feinfühliger hinbekommen, das Bremsen und Lenken ebenso.

Der Roboter-Van ändert abrupter die Geschwindigkeit und gefühlt eckiger die Richtung, als es menschliche Fahrer täten. Dennoch zieht das autonome Auto präzise seine Bahn, bremst vor Hindernissen, welche plötzlich vor ihm auftauchen.

Nach ein paar Runden lässt die Nervosität nach, die Mitfahrer vorne fangen an, auf ihren Smartphones Nachrichten zu lesen. Kein mulmiges Gefühl mehr, kein kontrollierender Blick auf die Straße. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Versuchsfahrzeug auf einem abgesperrten Areal und nur rund 20 km/h schnell fährt.

Cadillac autonom
Der Cadillac CT6 kan bereits heute mit bis zu 137 km/h fahren, während der Fahrer seine Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen Dingen widmen kann. Dies ist möglich dank dem integriertem System 'Super Cruise'. - Bild: Cadillac

Mit 137 km/h ohne zu lenken

Doch es geht auch schneller. Der Cadillac CT6 mit dem integrierten System 'Super Cruise' fährt heute bereits mit bis zu 85 Meilen pro Stunde über ausgewählte nordamerikanische Freeways. Per Tastendruck lässt sich die Lenkhilfe aktivieren, der Cadillac erfasst dann Strecke, Linie und Verkehr. Der Fahrer kann die Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen Dingen widmen.

Doch bei so einer hohen Geschwindigkeit fährt dennoch die Angst mit. Permanent hat man das Gefühl, eingreifen zu müssen, die Hände schweben immer über dem Lenkrad - obwohl das Auto sauber die Spur hält. Während der zweistündigen Fahrt erlaubt sich das mit Kameras, Lidar sowie einem präzisen GPS und Kartenmaterial ausgerüsteten Auto keinen Fehler. Derzeit bietet Cadillac das Stufe-3-System nur in den USA und Kanada an, aktiv wird 'Super Cruise' bislang auf rund 215 000 Straßenkilometern in diesen beiden Ländern.

Audi A8
Das aktuelle Modell des Audi A8 ist technisch in der Lage hochautomatisiert in Stufe 3 zu fahren, das bedeutet es kann von selbst lenken. Jedoch ist das noch nicht erlaubt. - Bild: Audi

Beim hochautomatisierten Fahren in Stufe 3 lenkt sich das Auto selbst, der Fahrer kann sich einige Zeit anderen Dingen widmen. Er muss aber jederzeit in der Lage sein, ins Fahrgeschehen eingreifen zu können. Der aktuelle Audi A8 könnte heute schon nach Stufe 3 fahren, wenn er dürfte, die nächste Mercedes S-Klasse soll es auch können.

Bisher erlaubt der Gesetzgeber solche Fahrerassistenzsysteme in Deutschland jedoch nicht. Die bisherigen autonom fahrenden Autos sind Versuchsfahrzeuge und dürfen lediglich in einigen Bundesländern auf besonderen Strecken unterwegs sein. Hinter dem Lenkrad sitzt meist ein Sicherheitsfahrer, der zur Not eingreifen kann.

Fahrerlos durch die Stadt

Die Beratungsfirma Berylls Strategy Advisors hat für die Stadt München den Einsatz voll autonomer Fahrzeuge der Stufe 5 simuliert und festgestellt, dass sich mit rund 18 000 Robotaxen etwa 200 000 private Fahrzeuge ersetzen und dabei noch 20 Prozent mehr Passagiere befördern ließen. Berylls-Geschäftsführer Jan Burgard schränkt jedoch ein: "Die Ergebnisse lassen sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht auf die in europäischen Großstädten herrschenden Verhältnisse übertragen." Es werde aber Städte geben, in denen sich Fahrzeuge in Stufe 4 und 5 voll autonom bewegen können - wenn die Bedingungen stimmen: Gesetzgebung, Witterungs- und Verkehrsverhältnisse.

Besonders geschützte Bereiche für Roboterautos erwartet Burgard bereits in wenigen Jahren, zunächst in Industrie-Arealen, aber auch im Personenverkehr, vor allem in China, im Mittleren Osten und teils in den USA. Bis in Europa autonomes Fahren in Städten in Stufe 4 oder Stufe 5 möglich ist, seien noch viele Hürden zu nehmen, so Burgard.

Nach Meinung von Automobilwirtschaftler Stefan Bratzel wird bis 2030 nur ein kleiner einstelliger Prozentbereich der neu zugelassenen Fahrzeuge in Stufe 4 oder 5 über die Straße fahren.

Also alles ferne Zukunftsmusik? Nicht ganz

In der Stadt Monheim am Rhein können Passagiere das Gefühl ab Herbst 2019 erleben. Dann, wenn sie in einen Minibus einsteigen, der vom Busbahnhof Richtung Altstadt fährt. Alle zehn Minuten transportiert dann so ein Bus im fließenden Verkehr mit bis zu 20 km/h die Passagiere, eine Begleitperson ist an Bord und kann im Notfall per Knopfdruck das Gefährt stoppen.

Im bayerischen Bad Birnbach fährt ein ganz ähnlicher Bus im Linienbetrieb eine kurze Strecke von 1,4 Kilometern mit bis zu 15 km/h, er transportiert bis zu sechs Personen.

Für Ende des Jahres plant ZF mit dem Aachener Start-up e.Go Mobile den Minivan 'Mover'. Der Kleinbus soll zehn Personen aufnehmen und bis zu zehn Stunden elektrisch fahren. "Das ist kein Konzept, das kommt dieses Jahr auf den Markt", sagt ZF-Chef Scheider. Vorerst mit einem Sicherheitsfahrer an Bord. Zur Beruhigung nervöser Passagiere.

E-Autos: Das sind die wichtigsten Absatzmärkte

Bild: Pixabay

Die weltweite Nachfrage nach E-Autos ist 2018 um 2,1 Millionen Einheiten gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland bleibt die Nachfrage jedoch weiterhin unterdurchschnittlich. Welche Absatzmärkte am wichtigsten sind zeigt dieses Ranking.