Porsche testet den Taycan-Prototypen auf einer Rennstrecke.

Porsche testet den Taycan-Prototypen auf einer Rennstrecke. - Bild: Porsche

Dass ihre Autos ja eigentlich kein Mensch braucht, ist etwas, mit dem sie gern kokettieren bei Porsche. Braucht keiner, will aber jeder. Das Motto ist schon ziemlich alt, zieht aber immer noch, vor allem wenn es besonders PS-starke und zugleich eher nicht so alltagstaugliche Supersportwagen zu bewerben gilt.

Der Taycan, der kommende Woche seine Weltpremiere feiert und ab Ende des Jahres ausgeliefert werden soll, schlägt da womöglich ein bisschen aus der Art. Die Erwartungen an das erste reine Elektromodell aus Stuttgart-Zuffenhausen sind groß. Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen Dieselskandal und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt. Der Konzern selbst hat Nachhaltigkeit und Elektromobilität unter Einsatz von Milliardenbeträgen zu Top-Themen gemacht und gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen - und muss nun liefern.

Porsche springt ins kalte Wasser

Insofern braucht also vor allem auch die VW-Tochter selbst jetzt den Taycan. Und ob den dann wirklich jeder will - und wer ihn will - muss sich erst zeigen. Da geht es Porsche gerade nicht anders als allen anderen Autobauern, die zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ansetzen.

Falls er deshalb nervös ist, lässt sich Vorstandschef Oliver Blume das zumindest nicht anmerken. "Der Einstieg in neue Technologien ist nie ohne Risiko zu bewältigen", sagt er. Aber ohne den Mut dazu sei in der Zukunft eben auch nichts zu holen. Und Porsche habe sich früh festgelegt: "Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen", betont der 51-Jährige.

  • Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn auf dem genfer Autosalon.

    "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." - Ferdinand Piëch am 10. April 2015 auf "Spiegel Online". Es war der Beginn eines Machtkampfs mit dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, den Piëch schließlich verlor. - Bild: Volkswagen

  • Zeichnung einer Guillotine

    "Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war." - Piëch im September 2013 zum "Spiegel" nach einem Medienbericht über seinen angeblichen Rückzug und angeblich angeschlagenen Gesundheitszustand. - Bild: Pixabay

  • Ein Porsche 911 GT3 verlässt das Porsche-Werk.

    "Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche." - Piëch am 3. Dezember 2009 auf der VW-Hauptversammlung zur Kritik wegen Interessenskollision. - Bild: Porsche

  • VW-Mitarbeiter bringt das Markenlogo an einem Neuwagen an.

    "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben. Die Zeit wird zeigen, dass es geht." - Piëch am 11. Mai 2009 auf Sardinien zur Beteiligung des Landes Niedersachsen. - Bild: Volkswagen

  • Wendelin Wiedeking bei einer Rede in Stuttgart.

    "Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!" - Piëch am 11. Mai 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein Vertrauen genießt. Wiedeking verlor darauf sein Amt. - Bild: Porsche

  • Ferdinand Piëch sitzt in einem Prototyp.

    "Mein Name ist Ferdinand Piëch und ich kandidiere für den Aufsichtsrat." - Piëch am 7. Mai 2008 bei der Hauptversammlung des Autobauers Audi in Ingolstadt auf die Bitte eines Aktionärs, sich als Kandidat für den Audi-Aufsichtsrat doch einmal vorzustellen. - Bild: Volkswagen

  • Der ehemalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder.

    "Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben. Das habe ich mit Mühe im vergangenen November korrigiert." - Piëch bezeichnet am 19. April 2007 auf der Hauptversammlung in Hamburg die Berufung von Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef 2002 als Fehlentscheidung. Pischetsrieder wurde Anfang 2007 von Martin Winterkorn abgelöst; die Entscheidung darüber fiel im November 2006. - Bild: Screenshot Youtube

Porsche-Stammwerk bereit für E-Mobility

Der Konzern nimmt bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Hand, um groß in das Geschäft mit der Elektromobilität einzusteigen, stellt 1.500 neue Leute eigens dafür ein. Das komplette Werk am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen wurde in den vergangenen Monaten für den Taycan aus- und umgebaut. Die Belegschaft verzichtete auf Geld, damit die Produktion dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.

Blume ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt und das Risiko kontrollierbar ist - und der Taycan als erstes Elektromodell das richtige Auto. "Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war", sagt er.

Schaut man auf die Verkaufszahlen, hätte sich das SUV-Segment zum Start auch bei Porsche womöglich eher angeboten - als die sicherere Variante sozusagen. Der Taycan hingegen ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera zu verorten. Den aktuellen Topseller, den kleinen SUV Macan, soll es zwar auch als reine E-Variante geben - aber erst 2022.

 

Porsche lebt von bemerkenswerten Autos

"Das ist in gewisser Weise ein Wagnis", sagt Stefan Reindl, der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Aber letztlich sei es auch Marketing. Porsche lebe nun einmal davon, vor allem bemerkenswerte Autos zu bauen. "Und man will zeigen, dass Elektromobilität nicht Verzicht heißt", erklärt Reindl. Und natürlich wolle man sich auch von anderen unterscheiden.

Dass das zumindest mal zu Beginn auf die Profitabilität durchschlage, sei klar. "Das betrifft aber nicht nur Porsche", sagt Reindl. Mit etwa 10.000 Euro höheren Materialkosten rechnet der Konzern zum Start bei jedem Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner-Modell.

Um das angesichts der schwachen Autokonjunktur ohnehin nicht gerade bescheidene Ziel von 15 Prozent Rendite trotzdem halten zu können, hat Blume ein "Ergebnisprogramm" aufgesetzt. Bis 2025 soll das sechs Milliarden Euro und von da an pro Jahr zwei Milliarden einbringen - über Einsparungen, aber auch mit neuen Umsatzquellen.

Die Frage, ob der Konzern aus der Elektro-Nummer zur Not auch nochmal herauskäme, falls es nicht läuft, stelle sich nicht, meint Blume. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität eine Erfolgsstory für Porsche wird", sagt er. Bauen kann der Vorstandschef darauf, dass sich weltweit schon Tausende Menschen in den vergangenen Monaten quasi eine Katze im Sack gekauft haben.

Für jeweils 2.500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für den Taycan angenommen, von dem bislang kaum jemand weiß, wie er in der Serienversion aussieht und wie er sich fährt. Blume wird deshalb auch nicht müde zu betonen, dass auch ein E-Porsche natürlich ein echter Porsche sei.

 

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So viele E-Autos will Porsche bauen

Offiziell ist seit Monaten von mehr als 20.000 Interessenten die Rede, Produktionschef Albrecht Reimold hat jüngst aber auch schon von mehr als 30.000 gesprochen. Mindestens 20.000 Taycan pro Jahr will Porsche bauen. Nach oben ist Kapazität, von bis zu 40.000 war schon zu lesen.

Auch dazu will sich Blume nicht festlegen, bevor der Wagen offiziell auf dem Markt ist. Experte Reindl hält es für durchaus möglich, dass mit dem Taycan auch ganz neue Käuferschichten erschlossen werden können. Es sei indes sehr wichtig für Porsche, sagt er, dass sich die einzelnen Segmente nicht kannibalisieren.

Um die weltweit verschiedenen Klimaschutzvorgaben einhalten zu können, plant der Konzern damit, 2025 rund die Hälfte aller Fahrzeuge elektrifiziert oder mit reinem Elektroantrieb zu verkaufen. Beim Panamera gelingt das schon, der wird mehrheitlich als Hybridversion ausgeliefert.

Von seiner Ikone lässt Porsche hingegen die Finger. Der 911er mit Elektromotor kommt dann doch erst einmal nicht in Frage. Porsche will auch die Verbrenner weiterentwickeln. Eine Hybridversion des 911ers kann sich der Chef zwar prinzipiell vorstellen, machbar wäre es auch, konkret geplant ist es bisher aber nicht. Der 911er sei eine feste Größe in der Produktpalette. "Er wird noch lange mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sein", sagt Blume.

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