"Wir sparen mit dem Konzept, wenn es voll umgesetzt wird, 99,6 Prozent des CO2-Ausstoßes ein", sagt Christoph Kämpf, Geschäftsführer der Karmeliten Brauerei und  Referent auf dem TOP-Industrie-Forum 2018.

"Wir sparen mit dem Konzept, wenn es voll umgesetzt wird, 99,6 Prozent des CO2-Ausstoßes ein", sagt Christoph Kämpf, Geschäftsführer der Karmeliten Brauerei und Referent auf dem TOP-Industrie-Forum 2018. - Bild: Karmeliten Brauerei

Herr Kämpf, 2017 war die Karmeliten Brauerei für den Deutschen Umweltpreis nominiert, 2013 hat sie den Bundespreis für hervorragende innovative Leistungen für das Handwerk gewonnen. Was ist nachhaltig in Ihrem Betrieb?

Christoph Kämpf: "Ehrlich gesagt mag ich das Wort nachhaltig nicht. Ich ersetze diesen Begriff lieber durch Achtsamkeit. Wir gehen achtsam mit den Ressourcen, mit Energie und Rohstoffen um. 2011 war unser Sudhaus 33 Jahre alt. In diesem Jahr waren die Energiepreise relativ hoch, weshalb wir uns mit dem Thema Energiesparen beschäftigen mussten. Energetische Maßnahmen am alten Sudhaus waren nahezu unmöglich. Zudem hatte es eine Größe, die für uns zu groß war.

Wir brauchten ein Sudhaus mit kleineren Chargen, um fle­xibler zu sein. Kleinere Chargen ermöglichen ein kontinuierlicheres Brauen, was auch weniger Energie benötigt. 2013 war das neue Sudhaus dann fertig."

Produktion: Beim neue Sudhaus haben Sie auf traditionelle Technik gesetzt. Welche ist das?

Kämpf: "Unser Sudhaus ist in Kaskadenform gebaut. So waren Sudhäuser bereits vor 200 Jahre konzipiert. Im ersten Behälter wird gemaischt, also geschrotetes Malz mit Wasser vermengt und erhitzt. Damit man die Flüssigkeit nicht in den nächsten Behälter umschöpfen musste, hat man den zweiten niedriger gesetzt. So konnte die Maische ins nächste Gefäß abfließen. Dieses Prinzip haben wir in unserem neuen Sudhaus wieder umgesetzt. Durch die Kaskadierung sparen wir 15 Prozent Pumpenergie ein."

Produktion: Ihr Energiekonzept beinhaltet aber noch mehr.

Kämpf: "Ja. Nachdem das Sudhaus fertig war, saßen wir mit dem Sudhausbauer, der Firma Ziemann, bei einem Bier zusammen. Dabei haben wir uns gefragt: Wo könnten wir noch Energie sparen? Auf einem Zettel entstand das Konzept der energieautarken Brauerei. Dieses Projekt haben wir in drei Abschnitte aufgeteilt."

Produktion: Welche sind das?

Kämpf: "Der erste war das neue Sudhaus. Der zweite betrifft unser Wärme- und Kältemanagement. Statt eines Gasbrenners, der unser Heiz­wasser auf 180 Grad erhitzt, haben wir nun eine Mikrogasturbine, die momentan noch mit Erdgas betrieben wird. Sie erzeugt Strom und Abwärme. Diese Abwärme leiten wir durch unseren Heizkessel, wo sie möglichst viel Wasser erhitzt.

Die Restwärme schicken wir zu einem Absorber. Dieser produziert aus plus 95 Grad minus fünf Grad Kälte. Diese Kälte wird zum Kühlen der Würze des Lager- und Gärkellers eingesetzt. Danach hat die Kälte 12 Grad. Im Winter schicken wir sie raus zu unserem ‚ICE AGE‘: Mit einer Schneilanze beschneien wir ein Absorberfeld. Der Schnee gibt die Kälte an das warme Kältemittel ab. So kühlen wir das Kältemittel von plus 12 auf plus fünf Grad runter und benötigen so nur noch Energie, um von plus fünf auf minus fünf Grad zu kühlen."

Produktion: Wie sieht der letzte Schritt Ihres Konzepts aus?

Kämpf: "Wir montieren eine Fresnel-Linse aufs Dach. Das Solarstrommodul setzten wir für die Heißwasserproduktion ein. So benötigen wir weniger Erdgas für unseren Heizkessel. Und wir erzeugen Biogas aus unserem Abwasser. Mit dem Biogas können wir die Mikrogasturbine betreiben."

Produktion: Werden Sie dann energieautark sein?

Kämpf: "Nicht ganz, die Mikrogasanlage produziert 100 Kilowatt Strom. Das deckt nicht den kompletten Bedarf der Brauerei. Doch nach Abschluss aller Maßnahmen kann man rein rechnerisch sagen, dass wir nahezu energieautark sind."


Produktion: Wie hoch sind die Investitionen und wann rechnen sie sich?

Kämpf: "Das Investitionsvolumen beträgt etwa 3,6 Millionen Euro. Je nach Energiepreis rechnet es sich nach 15 bis 18 Jahren."

Wie viel Energie, wie viel CO2 sparen Sie abschließend ein?

Kämpf: "Wir werden um die 30 Prozent weniger Energie für die Produktion und etwa 70 Prozent weniger an Fremdstrom benötigen. Wir sparen mit dem Konzept, wenn es voll umgesetzt ist, 99,6 Prozent des CO2-Austoßes ein. Momentan sind wir bei etwas über 40 Prozent."

Wo agiert Ihr Unternehmen noch nachhaltig?

Kämpf: "Wir setzen auf einen regionalen Wirtschaftskreislauf. Wir bauen unsere eigene Gerste an, unsere Mälzerei ist nur 30 Kilometer entfernt, der Hopfen kommt zu 80 Prozent aus der nahe gelegenen Hallertau. Unsere Kunden sitzen zu 80 Prozent im Umkreis von 30 Kilometern. Momentan beschäftigen wir uns mit dem Thema Elektromobilität, denn wir liefern unser Bier mit unseren eigenen LKW aus."

Wie schwierig ist es, ganzheitliche Wirtschaftsethik zu praktizieren?

Kämpf: "Wir bekommen zwar Anerkennung, dass wir uns als relativ kleine Brauerei mit dem Thema Energieautarkie beschäftigen. Viele sagen aber auch: ‚Jetzt warten wir erst mal ab, ob das Konzept auch wirklich klappt.‘ Fast jeder denkt: Irgendwer wird die Energiewende schon machen. Wenn wir aber alle nur warten, wird sie nie stattfinden. Mir ist klar geworden: Die Energiewende machen wir kleinen Unternehmen, nicht die großen."

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