"Wer realisierbare Lösungen in der Umwelttechnologie  entwickelt, wird sicher auch wirtschaftliche Vorteile haben", sagt Torsten Ratzmann, CEO von Pöppelmann.

"Wer realisierbare Lösungen in der Umwelttechnologie entwickelt, wird sicher auch wirtschaftliche Vorteile haben", sagt Torsten Ratzmann, CEO von Pöppelmann. - Bild: Pöppelmann

Produktion: Herr Ratzmann, was ist wichtig, wenn man nachhaltige Ansätze im Unternehmen etablieren will?

Torsten Ratzmann: "Eine gemeinsame Grundhaltung im Unternehmen ist wichtig: Man muss ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen und diese als Unternehmensziel verankern. Um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen. Pöppelmann ruft im Rahmen der neuen strategischen Initiative Pöppelmann blue dazu auf. Unter diesem Motto bündeln wir unternehmensweit alle Aktivitäten, die eine durchgängige Kreislaufwirtschaft durch ein optimiertes Recycling zum Ziel haben. Bei dieser großen gesellschaftlichen Aufgabe müssen alle Kräfte zusammenwirken. Darum engagieren wir uns nicht nur intern, sondern gehen auch externe Partnerschaften ein."

Produktion: Können Sie ein Beispiel für eine nachhaltige Produktion bei Pöppelmann nennen?

Ratzmann: "Pöppelmann setzt bereits in vielen Geschäftsbereichen auf mehr Nachhaltigkeit durch die Verwendung von Recyclingmaterial. Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter: In unserer Division Pöppelmann Teku haben wir ressourcenschonende Pflanztöpfe der Serie ‚Recycling-Blue‘ entwickelt. Sie werden aus Pöppelmann PCR, einem reinen Post-Consumer-Rezyklat gefertigt. Das Material stammt zu 100 Prozent aus den Wertstoffsammlungen des Dualen System Deutschland (DSD) – Der Grüne Punkt. Nach dem Austopfen der Pflanze wird der Pflanztopf den Wertstoffsammlungen wieder zugeführt. Damit entsteht ein komplett geschlossener Rohstoffkreislauf auf ein und derselben Wertschöpfungsstufe – Pflanztopf wird also wieder zu Pflanztopf."

Produktion: Welche Entwicklungen stellen Sie beim Kunststoff-Recycling fest?

Ratzmann: "Die größte Herausforderung beim Recycling von Kunststoff ist es, zu Verfahren zu gelangen, die die physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Kunststoffe erhalten. Wichtig ist eine saubere Trennung und fachgerechte Aufbereitung, um einen wirklich gleichwertigen Sekundär-Kunststoff hervorzubringen. Hier gibt es inzwischen verschiedene innovative Verfahren. In manchen Branchen wie zum Beispiel der Automobilindustrie gab es lange Zeit erhebliche Widerstände gegen den Einsatz von Rezyklaten. Mittlerweile sind die technischen Möglichkeiten zur sauberen Materialtrennung und Wiederaufbereitung so gut, dass wir Vorbehalte abbauen können. Selbst in unserer Division K-Tech, in der wir hochpräzise technische Kunststoff-Spritzgussteile unter anderem für die Automobilindustrie fertigen, setzen wir mittlerweile erfolgreich Rezyklate ein. Wir betreiben darüber hinaus intensive Forschung für eine kontinuierliche Weiterentwicklung in diesem Bereich."

Produktion: Bringt Ihnen Nachhaltigkeit auch wirtschaftliche Vorteile?

Ratzmann: "Der nachhaltige Einsatz von Ressourcen ist eine globale Herausforderung. Als Industrieunternehmen in der Kunststoffverarbeitung sehen wir uns besonders in der Pflicht, unsere Produkte und Prozesse so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Als Unternehmen müssen wir natürlich ökologisches Denken mit wirtschaftlichem Handeln in Einklang bringen. Sich für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren, ist aber auch eine große Chance: Die europäische Industrie und insbesondere die Kunststoffbranche können mit der Entwicklung neuer Technologien und Materialien, die Umwelt und Klima schützen, weltweit eine Führungsrolle übernehmen. Wer sich hier engagiert und realisierbare Lösungen entwickelt, die rund um den Globus dringend gefragt sind, wird sicher auch wirtschaftliche Vorteile haben."

Produktion: Wie wirkt sich nachhaltiges Wirtschaften auf das Image Ihres Unternehmens aus?

Ratzmann: "Das Umweltbewusstsein der Menschen ist gewachsen, viele Kunden und Verbraucher sind informierter, eine Reihe von Umweltthemen, zum Beispiel die Diesel-Emissionen, werden aktuell diskutiert. In einem solchen Gesellschaftsklima wirkt sich nachhaltiges Wirtschaften eines Unternehmens natürlich positiv auf das Image aus und ist ein echter Wettbewerbsvorteil."

Produktion: Wie wichtig ist Ihren Mitarbeitern nachhaltiges Wirtschaften?

Ratzmann: "Pöppelmann ist in einer ländlichen Region angesiedelt. Die persönliche Verbundenheit mit einem Unternehmen ist stark. Hier wird noch in Generationen gedacht: Wenn es dem Unternehmen gut geht, weil es nachhaltig wirtschaftet, sichert dies nicht nur den eigenen Arbeitsplatz, sondern unter Umständen auch den von Kindern und Enkelkindern, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben und Beschäftigung vor Ort suchen. Insofern ist den Mitarbeitern ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen sehr wichtig."

Produktion: Pöppelmann hat eine eigene Apotheke. Was hat es damit auf sich?

Ratzmann: "Unsere Firmengründerin Gertrud Pöppelmann war eine sehr naturverbundene Frau, die die Heilkräfte aus ‚Gottes Garten‘ besonders wertschätzte. Deren Weitergabe lag ihr sehr am Herzen. So entstand die sogenannte ‚Apotheke Gottes‘, die hochwertige, nicht verschreibungspflichtige Naturheilprodukte in ihrem Sortiment hat. Diese dürfen die Mitarbeiter kostenlos in Anspruch nehmen – eine sehr schöne Geste der Anerkennung, die auch ich schon genossen habe. Wertschätzung ist aus unserer Sicht übrigens auch ein Aspekt der Nachhaltigkeit, der sich durch einen niedrigeren Krankenstand und eine geringe Fluktuation bemerkbar macht – und sich damit auch wirtschaftlich auszahlt."

www.top-industrie-forum.de

Das TOP-Industrie-Forum: "Das nachhaltige Unternehmen: Zwischen Ökonomie und Ökologie"

Titel: Das nachhaltige Unternehmen: Zwischen Ökonomie und Ökologie

Gastgeber: Pöppelmann GmbH & Co. KG

Ort: Lohne (Oldenburg)

Termin: Mittwoch 24. und Donnerstag 25. Oktober 2018

Teilnahmegebühr: Frühbucherpreis für Fachbesucher (bis 13.8.): 821 Euro

Schwerpunkte:

- Der Kunststoffverarbeiter und Automobilzulieferer Pöppelmann zeigt, wie er in vier Bereichen Nachhaltigkeit umsetzt: in der Produktion, beim Verbesserungsprozess, in der Supply Chain und beim Umgang mit Mitarbeitern

- Prominente Vertreter aus den Branchen Maschinenbau, Automotive (Daimler) und Elektronikindustrie (Weidmüller) demonstrieren, wie eine nachhaltige Produktion den Gewinn steigert

- Bei einer XXL-Werksführung am 24.Oktober lernen die Teilnehmer alle Elemente einer nachhaltige Produktion von Kunststoff-Teilen kennen: Von der Reinraum-Fertigung bis zu automotive-nahen Produktion. Danach findet eine gemütliche Abendveranstaltung statt.

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