Dr. Frank Lennings, Ifaa, TOP-Transfer-Forum, Rohde & Schwarz, Teisnach

Dr. Fank Lennings, Ifaa, äußert sich auf dem TOP-Transfer-Forum dazu, wie sich Führung in Zeiten von Industrie 4.0 ändern muss. - Bild: Ecki Diehl

Produktion: Dr. Lennings, wie wirkt sich Industrie 4.0 auf die Beschäftigten aus?

Dr. Frank Lennings: „Wir müssen uns zunächst einmal bewusst machen, was Industrie 4.0 ist. Und uns klarmachen: Es wird nicht eine Industrie 4.0 geben, sondern jedes Unternehmen wird individuelle Lösungen entwickeln. Dementsprechend werden auch die Auswirkungen unterschiedlich sein.

Und wir müssen uns überlegen, welche Mitarbeiter meinen wir? Es gibt Prognosen, die sagen, dass der Bedarf an ungelernten Mitarbeitern abnehmen wird und dass Facharbeiter zusätzliche Qualifikation brauchen werden. Diese Prognosen sind in gewisser Weise nachvollziehbar. Die Arbeitssysteme werden durch die Digitalisierung komplexer, das heißt, solche Systeme einzurichten und zu gestalten und zu pflegen und zu verbessern. Dazu braucht es zusätzlicher Qualifikation.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch gerade für einfachere Tätigkeiten Assistenzsysteme, die hier auch Unterstützung leisten können. Das sind eben die Systeme, die mit mehr Qualifikation geschaffen werden, die aber einfachen oder ungelernten Mitarbeitern ganz andere Möglichkeiten bieten: mehr Einsatzflexibilität, einen flexibleren Arbeitsalltag und auch große Chancen auf das Lernen im Prozess der Arbeit. Denn die waren noch nie so günstig, wie sie in Zeiten der Digitalisierung sein werden."

Video: Dr. Lennings, Ifaa: Ausgeprägtes Systemverständnis für Industrie 4.0 benötigt

Produktion: Welche neuen Herausforderungen gibt es durch Industrie 4.0 für die Führungskräfte?

Lennings: „Zu den ganz konkreten neuen Herausforderungen wird natürlich zählen, ein ausgeprägtes Systemverständnis und Schwachstellenverständnis zu entwickeln. Natürlich war das auch schon bisher eine wichtige Aufgabe, aber es ist Voraussetzung dafür, ganz konkret auch geeignete Technik auszuwählen. Das wird eine wichtige Aufgabe von Führungskräften sein: Sie müssen diese Technik verstehen, die Anwendung beherrschen und ihre Mitarbeiter informieren. Sie müssen erklären, warum man mit dieserTechnik arbeiten muss, welche Vorteile das bringen wird. Sie müssen Ängste abbauen und die Mitarbeiter im Alltag auch befähigen und mitnehmen, damit zu arbeiten.“

Produktion: Wie wird die Führung 4.0 aussehen?

Lenngins: „Die gleichen Aspekte wie bisher sind wichtig, das heißt, Führungskräfte müssen den Rahmen und das Vertrauen schaffen bei den Mitarbeitern und dann auch die Einführung und Nutzung der neuen Werkzeuge vorbereiten. Und dafür sind die gleichen Aufgaben erforderlich und die gleichen Herausforderungen wie bei der bisherigen Arbeit: Wir brauchen Kultur und Vertrauen. Führungskräfte müssen dies aufbauen und vorleben.“