Frank Lennings,Industrie 4.0

"Derjenige, der genau überlegt, was ihm die Digitalisierung wo bringt und sie nur dort umsetzt, hat nach manchen Modellen einen niedrigeren Reifegrad“, sagt Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e.V.. - Bild: Faces by Frank

Die Auftragsbücher sind voll, viele Unternehmen haben wenig Zeit für Industrie 4.0 – dennoch haben die meisten das Gefühl, sie müssten aktiv werden. Immerhin ist in Europa bis 2020 ein Fördervolumen von 20 Milliarden Euro bereitgestellt worden. Wie viel Industrie 4.0 ist also wirklich nötig? So lautet deshalb eine der Fragen auf dem TOP-Transfer-Forum, das vom 20. bis 21. September im Werk des Messtechnik-Herstellers Rohde & Schwarz in Teisnach stattfindet.

Vision Industrie 4.0 als Leitstern

Für Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e.V. ist Industrie 4.0 zunächst eine Vision, die Orientierung geben soll: „Möglicherweise werden wir einige Ausprägungen – zum Beispiel, dass Bauteile eigenständig ihren Weg durch die Montage finden – nie in breiter Fläche erleben. Vielleicht sollten wir die Vision Industrie 4.0 als Leitstern sehen“.

Vor allem zeige sich, dass die Bedeutung des Themas für jedes Unternehmen unterschiedlich sei. „Da hab ich Bauchschmerzen, wenn so starker Handlungsdruck aufgebaut wird“, so Lennings. Die letzte Erhebung seines Instituts habe gezeigt, dass vielen Unternehmen Prozessoptimierung wichtiger ist als Industrie 4.0. Immerhin kannten 92 Prozent der befragten 400 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie den Begriff Industrie 4.0. Allerdings hielt ihn nur ein knappes Drittel für klar definiert.

Top-Transfer-Forum
Den Teilnehmern am TOP-Transfer-Forum riet Lennings, sich in Sachen Digitalisierung einen Plan zurechtzulegen. - Bild: Faces by Frank

Lennings ging auch auf die zunehmende Anzahl von digitalen Reifegradmodellen ein, die sich in Anwendung und Schwerpunkt mitunter stark unterscheiden. Es gebe dabei sowohl rein interne Betrachtungsweisen als auch die kooperative Reifegradbestimmung mit Hilfe von externen Beratern. „In manchen Modellen gilt der als digital reifer, der auf Teufel komm raus alles umsetzt. Derjenige, der genau überlegt, was ihm die Digitalisierung wo bringt und sie nur dort umsetzt, hat nach manchen Modellen einen niedrigeren Reifegrad“, so Frank Lennings.

Aufwand wird geringer

Er rät, die Gestaltungspotentiale der Digitalisierung genau unter die Lupe zu nehmen. Dazu zählen unter anderem Roboter, drohnengestützte Inventur und informatorische Unterstützung, wie zum Beispiel automatische Vorschläge für alternative Fertigungsfolgen bei Krankheit, Maschinenausfällen oder anderen Störungen und die simulationsbasierte Bewertung von Entscheidungsalternativen. Lennings glaubt, dass nicht nur in Ausnahmeszenarien sondern auch bei der regulären Einsatzplanung bald individuelle Aspekte der einzelnen Mitarbeiter stärker berücksichtigt werden, weil der Aufwand für eine solche Planung deutlich geringer wird.

Ein Hemmschuh seien die Ängste vor Arbeitsplatzverlust durch Industrie 4.0. Trotz zunehmender Digitalisierung sei die Wirtschaft kontinuierlich gewachsen, auch Befürchtungen bei der Einführung des Microchips hätten sich vor einigen Jahrzehnten nicht bewahrheitet. „Viele Menschen glauben, Digitalisierung ist das gleiche wie Automatisierung, das ist aus meiner Sicht nicht der Fall. Vielmehr bedeutet sie optimiertes Informationsmanagement“, so der Experte.

Bildergalerie: Das TOP-Transfer-Forum bei Rohde & Schwarz

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    Johann Kraus, Leiter des Werks Teisnach von Rohde & Schwarz, gab als Gastgeber Einblick in das Erfolgsrezept seiner Fabrik. - Bild: Faces by Frank

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    Rohde & Schwarz in Teisnach ist auch der Gewinner des GEO-Awards des Benchmark-Wettbewerbs "Die Fabrik des Jahres". - Bild: Faces by Frank

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    Stefan Waldeisen, Verlagsleiter des Verlags Moderne Industrie, hieß die ausgewählten Gäste des TOP-Transfer-Forums 2017 in Teisnach willkommen. - Bild: Faces by Frank

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    "Wir haben heute ein Ziel: Ein Weltklasseunternehmen - Rohde & Schwarz - in all seinen Facetten und im Detail kennenzulernen", sagte Claus Wilk, Chefredakteur der Fachzeitung Produktion. - Bild: Faces by Frank

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    „Man muss nicht auf jeden Trend reagieren, sondern kann langfristig denken und Strategien umsetzen“, sagt Dr. Marc Sesterhenn, Leiter des Unternehmensbereiches Operations und Mitglied der Geschäftsleitung der Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG. - Bild: Faces by Frank

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    „Möglicherweise werden wir einige Ausprägungen – zum Beispiel, dass Bauteile eigenständig ihren Weg durch die Montage finden – nie in breiter Fläche erleben. Vielleicht sollten wir die Vision Industrie 4.0 als Leitstern sehen", sagte Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. - Bild: Faces by Frank

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    Rohde & Schwarz in Teisnach lebt die Veränderung und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. „Veränderung, Wandel, Überraschung - das sind die wirklich verlässlichen Größen in unserer Branche.“. Das ist das Motto des Standorts, der sich als Systemlieferant und Zentrum für mechanische und elektronische Fertigung im Werksverbund von Rohde & Schwarz versteht. - Bild: Faces by Frank

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    Handfestes Praxiswissen und Tipps von ausgewiesenen Experten konnten die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forums 2017 in Teisnach anpacken. - Bild: Faces by Frank

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    Dr. Marc Sesterhenn (l.), Leiter des Unternehmensbereichs Operations und Mitglied der Geschäftsleitung von Rohde & Schwarz, und der Teisnacher Werksleiter Johann Kraus (r.) teilten ihr breites und fundiertes Fachwissen mit dem Publikum des TOP-Transfer-Forums. - Bild: Faces by Frank

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    „Man muss den Menschen zeigen, wo man hin will: das ist der entscheidende Schritt“, gab Johann Kraus, Werksleiter Rohde & Schwarz Teisnach, dem Publikum mit auf den Weg. - Bild: Faces by Frank

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    "Die Digitalisierung ist unabhängig von Technologie", sagt Dr. Patrick-Benjamin Bök, Vice President Global Digitalization der Weidmüller-Gruppe. - Bild: Faces by Frank

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    Thomas Kasparbauer stellvertretender Leiter Lean-Management bei Rohde & Schwarz Teisnach, gab den Teilnehmern des TOP-Transfer-Forums 2017 Einblick in sein Wissen. - Bild: Faces by Frank

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    An Thementischen und in Foren diskutierten die Gäste mit Experten die Führung der Zukunft oder wie Praktiker und Digital Natives ein Team werden können. - Bild: Faces by Frank

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    Die Themenvielfalt in den Foren und an den Tischen umfasste auch Themen wie "Industrie 4.0 und IT" oder "Lean und die Fabrik der Zukunft". - Bild: Faces by Frank

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    Die Experten standen dem Publikum auch für Nachfragen und Fachsimpeleien zur Verfügung. - Bild: Faces by Frank

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    Selbst in den Pausen wurden Fachgespräche geführt - und natürlich Kontakte geknüpft. - Bild: Faces by Frank

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    Wie man Industrie 4.0 pragmatisch umsetzen kann, erläuterten die T-Systems-Manager Hans-Georg Lander und Professor Karlheinz Blank. - Bild: Faces by Frank

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    Auch Fachvorträge können unterhaltsam sein, wenn sie pointiert auf die Probleme eingehen. - Bild: Faces by Frank

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    Martin Jauß, Geschäftsleiter Marketing & IT von Würth Industrie Service, zeigte auf, wie man mit neuen Logistikkonzepten die Produktivität erhöht. - Bild: Faces by Frank

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    Martin Jauß ging in seinem Vortrag auch darauf ein, wie sich ein Unternehmen auf Industrie 4.0 vorbereiten kann. - Bild: Faces by Frank

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    Peter Rosenbaum, Manager Central Production Peißenberg von Agfa-Gevaert Healthcare, erklärte, wie man den Ansatz Industrie 4.0 umsetzen kann. - Bild: Faces by Frank

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    Angeregte Gespräche am Kaffeebüffet direkt in der Werkshalle von Rohde & Schwarz. - Bild: Faces by Frank

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    Die Fachbesucher interessierten sich für das Angebot des Premiumsponsors T-Systems. - Bild: Faces by Frank

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    Professor Karlheinz Blank, Portfolio & Innovationsmanager Automotive Sales & Aftersales von T-Systems, diskutiert mit Teilnehmern. - Bild: Faces by Frank

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    In den Pausen tauschten sich die Produktionsfachleute angeregt aus. - Bild: Faces by Frank

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    Reinhard Lindner, der über die Bedeutung der Intuition für die künftige Führung referierte, im Gespräch mit Produktion-Chefredakteur Claus Wilk. - Bild: Faces by Frank

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    Der Geschäftsführer der Reinhard Lindner Trainings- und Managementberatung begeisterte die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forum mit seinem Vortrag über den Samurai Kodex. - Bild: Faces by Frank

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    Die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forums 2017 nutzten die Veranstaltung zum eifrigen Netzwerken. - Bild: Faces by Frank

9. Deutscher Maschinenbau-Gipfel

Der Maschinenbau gilt als die Leitbranche und das Aushängeschild der deutschen Industrie. Doch auch die starke Branche bleibt von geopolitischen Ereignissen Protektionismus, Brexit oder länderübergreifenden Spannungen nicht unbehelligt.

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