Martin Jauß

„Keiner hat Platz, alle brauchen mehr Flexibilität und im Mittelstand verkürzen sich die Produktionszyklen“, sagt Martin Jauß, in der Geschäftsleitung der Würth Industrie Service GmbH & Co. KG für Marketing & IT zuständig. - Bild: Faces by Frank

„Industrie 4.0 wird fast ausschließlich als Produktionsthema diskutiert. Das ist aber nur der erste Schritt: Man kann sich nicht optimieren, ohne auch die Partner einzubeziehen“, sagte Martin Jauß, in der Geschäftsleitung der Würth Industrie Service GmbH & Co. KG für Marketing & IT zuständig.

Die Logistik-Tochter des Handelsunternehmens Würth mit zwölf Milliarden Jahresumsatz und über 70.000 Mitarbeitern will vor allem für Kunden aus dem produzierenden Umfeld dispositive Zukunftskonzepte entwickeln. Selbst wenn der Fertigungsprozess komplett automatisiert ist, wird dennoch Material gebraucht, stellte Jauß auf dem TOP-Transfer-Forum heraus, das in diesem Jahr im Werk Teisnach von Rohde & Schwarz stattfand.

„Keiner hat Platz, alle brauchen mehr Flexibilität und im Mittelstand verkürzen sich die Produktionszyklen“, beschrieb Martin Jauß die Herausforderungen in der Industrie. Die Lean- und Kanban-Verfahren seien oft noch manuell und mit viel Zeit verbunden, RFID-Technologie deshalb ein wesentlicher Treiber für automatische Nachfüllprozesse: uum Beispiel über Regale mit intelligentem Boden. Aus deren Echtzeitdaten lasse sich wiederum viel lernen.

Vision wird Realität

Die Vision des Logistikexperten: Die Materialverfügbarkeit am individuellen Arbeitsplatz erreichen, ohne dass dort eine Nachbestellung ausgelöst werden muss. Zugleich denkt man bei Würth darüber nach, wie ein Arbeitsplatz so flexibel werden kann, dass er von Werkzeug und Anordnung her alternativ für Rechts- und Linkshänder nutzbar ist. Auch in die Materialausgabe, selbst für Arbeitssicherheitsmaterialien, solle perspektivisch Intelligenz eingebracht werden. Entscheidend sei jedoch, mehr Daten zur Verfügung zu haben und zu nutzen.

„Wir bereiten uns darauf vor, dass irgendwann ein Ding uns sagt, was wir konkret an Material zur Verfügung stellen müssen. Ich glaube, das wird Realität. Aber das geht nur, wenn man mit Daten arbeitet“, so Jauß. In einer aktuellen Studie mit dem Fraunhofer Institut untersucht man derzeit, wie sich Regale intelligenter machen lassen. „Die ersten Möglichkeiten sind da. Mit C-Teilen allerdings kann man sie bisher noch nicht in wirtschaftlichem Rahmen darstellen. Hier warten wir auf die technologische Entwicklung“, räumt Jauß ein.

In Teisnach sprach Peter Rosenbaum, Manager Central Production Peißenberg bei der Agfa-Gevaert HealthCare GmbH, über den Ansatz „Industrie 4.0 on Top of Lean“. Für ihn bilden Standards und Lean die Basis, um Industrie 4.0 anzugehen. Der Medizintechnikhersteller erwirtschaftet mit rund 9000 Mitarbeitern etwa 2,56 Milliarden Umsatz im Jahr. Mit seinem konsequenten Lean-Ansatz konnte das Werk Peißenberg von Agfa-Gevaert bereits mehrfach Auszeichnungen bei der Fabrik des Jahres erringen, in diesem Jahr für „hervorragende Kleinserienfertigung“.

Modulares Arbeitsplatzsystem

„Im Bereich Logistik liegt ein sehr sehr großes Potential“, glaubt auch Rosenbaum. Das C-Teile-Management stehe bei ihm ebenfalls auf der Liste. Man arbeitet bereits mit standardisierten Montage-Arbeitsplätzen nach 5S. Um höchste Flexibilität zu erreichen, sind limitierte Kanban-Puffer vorhanden. Für die Arbeitsplätze gibt es ein modulares Design, die Montagestruktur fließt in Entwicklung ein.

Man habe im ganzen Haus Kanban eingeführt, berichtet Rosenbaum: „Dafür wurden verschiedene Kanban-Systeme in unterschiedlichen Bereichen deutlich verschlankt und mit nur einem Prozess im SAP-System abgebildet. Der SAP-Wareneingangsbeleg ist gleichzeitig Kanban-Karte“. Selbst die Arbeitsschutzmaterialien laufen über diese Kanban-Steuerung. Im Rahmen des Industrie 4.0-Ansatzes hat der Medizintechnikhersteller auch die Automatisierung seiner Blechfertigung ausgebaut. Im Bleichlager werden nicht nur Rohmaterialien, sondern auch halbfertige Produkte eingelagert, die Materialversorgung und -entsorgung läuft mittlerweile automatisch.

Bildergalerie: Das TOP-Transfer-Forum bei Rohde & Schwarz

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    Johann Kraus, Leiter des Werks Teisnach von Rohde & Schwarz, gab als Gastgeber Einblick in das Erfolgsrezept seiner Fabrik. - Bild: Faces by Frank

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    Rohde & Schwarz in Teisnach ist auch der Gewinner des GEO-Awards des Benchmark-Wettbewerbs "Die Fabrik des Jahres". - Bild: Faces by Frank

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    Stefan Waldeisen, Verlagsleiter des Verlags Moderne Industrie, hieß die ausgewählten Gäste des TOP-Transfer-Forums 2017 in Teisnach willkommen. - Bild: Faces by Frank

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    "Wir haben heute ein Ziel: Ein Weltklasseunternehmen - Rohde & Schwarz - in all seinen Facetten und im Detail kennenzulernen", sagte Claus Wilk, Chefredakteur der Fachzeitung Produktion. - Bild: Faces by Frank

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    „Man muss nicht auf jeden Trend reagieren, sondern kann langfristig denken und Strategien umsetzen“, sagt Dr. Marc Sesterhenn, Leiter des Unternehmensbereiches Operations und Mitglied der Geschäftsleitung der Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG. - Bild: Faces by Frank

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    „Möglicherweise werden wir einige Ausprägungen – zum Beispiel, dass Bauteile eigenständig ihren Weg durch die Montage finden – nie in breiter Fläche erleben. Vielleicht sollten wir die Vision Industrie 4.0 als Leitstern sehen", sagte Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. - Bild: Faces by Frank

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    Rohde & Schwarz in Teisnach lebt die Veränderung und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. „Veränderung, Wandel, Überraschung - das sind die wirklich verlässlichen Größen in unserer Branche.“. Das ist das Motto des Standorts, der sich als Systemlieferant und Zentrum für mechanische und elektronische Fertigung im Werksverbund von Rohde & Schwarz versteht. - Bild: Faces by Frank

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    Handfestes Praxiswissen und Tipps von ausgewiesenen Experten konnten die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forums 2017 in Teisnach anpacken. - Bild: Faces by Frank

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    Dr. Marc Sesterhenn (l.), Leiter des Unternehmensbereichs Operations und Mitglied der Geschäftsleitung von Rohde & Schwarz, und der Teisnacher Werksleiter Johann Kraus (r.) teilten ihr breites und fundiertes Fachwissen mit dem Publikum des TOP-Transfer-Forums. - Bild: Faces by Frank

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    „Man muss den Menschen zeigen, wo man hin will: das ist der entscheidende Schritt“, gab Johann Kraus, Werksleiter Rohde & Schwarz Teisnach, dem Publikum mit auf den Weg. - Bild: Faces by Frank

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    "Die Digitalisierung ist unabhängig von Technologie", sagt Dr. Patrick-Benjamin Bök, Vice President Global Digitalization der Weidmüller-Gruppe. - Bild: Faces by Frank

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    Thomas Kasparbauer stellvertretender Leiter Lean-Management bei Rohde & Schwarz Teisnach, gab den Teilnehmern des TOP-Transfer-Forums 2017 Einblick in sein Wissen. - Bild: Faces by Frank

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    An Thementischen und in Foren diskutierten die Gäste mit Experten die Führung der Zukunft oder wie Praktiker und Digital Natives ein Team werden können. - Bild: Faces by Frank

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    Die Themenvielfalt in den Foren und an den Tischen umfasste auch Themen wie "Industrie 4.0 und IT" oder "Lean und die Fabrik der Zukunft". - Bild: Faces by Frank

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    Die Experten standen dem Publikum auch für Nachfragen und Fachsimpeleien zur Verfügung. - Bild: Faces by Frank

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    Selbst in den Pausen wurden Fachgespräche geführt - und natürlich Kontakte geknüpft. - Bild: Faces by Frank

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    Wie man Industrie 4.0 pragmatisch umsetzen kann, erläuterten die T-Systems-Manager Hans-Georg Lander und Professor Karlheinz Blank. - Bild: Faces by Frank

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    Auch Fachvorträge können unterhaltsam sein, wenn sie pointiert auf die Probleme eingehen. - Bild: Faces by Frank

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    Martin Jauß, Geschäftsleiter Marketing & IT von Würth Industrie Service, zeigte auf, wie man mit neuen Logistikkonzepten die Produktivität erhöht. - Bild: Faces by Frank

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    Martin Jauß ging in seinem Vortrag auch darauf ein, wie sich ein Unternehmen auf Industrie 4.0 vorbereiten kann. - Bild: Faces by Frank

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    Peter Rosenbaum, Manager Central Production Peißenberg von Agfa-Gevaert Healthcare, erklärte, wie man den Ansatz Industrie 4.0 umsetzen kann. - Bild: Faces by Frank

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    Angeregte Gespräche am Kaffeebüffet direkt in der Werkshalle von Rohde & Schwarz. - Bild: Faces by Frank

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    Die Fachbesucher interessierten sich für das Angebot des Premiumsponsors T-Systems. - Bild: Faces by Frank

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    Professor Karlheinz Blank, Portfolio & Innovationsmanager Automotive Sales & Aftersales von T-Systems, diskutiert mit Teilnehmern. - Bild: Faces by Frank

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    In den Pausen tauschten sich die Produktionsfachleute angeregt aus. - Bild: Faces by Frank

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    Reinhard Lindner, der über die Bedeutung der Intuition für die künftige Führung referierte, im Gespräch mit Produktion-Chefredakteur Claus Wilk. - Bild: Faces by Frank

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    Der Geschäftsführer der Reinhard Lindner Trainings- und Managementberatung begeisterte die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forum mit seinem Vortrag über den Samurai Kodex. - Bild: Faces by Frank

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    Die Teilnehmer des TOP-Transfer-Forums 2017 nutzten die Veranstaltung zum eifrigen Netzwerken. - Bild: Faces by Frank