Sprint Werkstatt Rodhe & Schwarz

Bei Rohde & Schwarz ist die Sprint-Werkstatt eine Komponente des Projektmanagements, bei der alle Beteiligten zur Projektdefinition und zum Controlling in einem Raum zusammenkommen. - Bild: Rohde & Schwarz

Das Unternehmen Rohde & Schwarz in Teisnach setzt auf Agilität, um seine Prozesse nachhaltig auf den Kunden auszurichten. Das Unternehmen vermeidet jedoch den Begriff Scrum, weil diese agile Methode ein Muster für den Prozess vorgebe und sie Muster in der Organisation brechen wollen.

Das Management von Rohde & Schwarz machte die Erfahrung, dass vor allem das Mitdenken der Beschäftigten und deren Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Zielen erfolgsentscheidend ist.

„Und das wiederum bedarf ausreichender Information, Transparenz und Offenheit“, sagt Thomas Kasparbauer, stellvertretender Projektleiter Wertschöpfungssystem des Werks in Teisnach. „Das ‚Sahnehäubchen‘ von allem ist dann allerdings das Sprechen miteinander beziehungsweise dessen Qualität.“

Kasparbauer überwand diese Hürden beim Prozess erfolgreich, indem das agile Projektmanagement  immer wieder eingeübt und die Fortschritte mit der Methode diskutiert wurden. Einzelne Beschäftigte erhielten eine Konfliklösungsausbildung und im Zweifelsfall musste auch mal moderiert werden.

Laut Kasparbauer geht durch das Setzen auf Agilität bei Rohde & Schwarz „heute vieles schneller, direkter“. Profitieren sollte von dem agilen Projektmanagement der Kunde.

„Ich habe Beispiele erlebt, in denen wir agiler handelten als unsere Mitbewerber, die einen harten Effizienzkurs gefahren sind“, berichtet der stellvertretende Projektleiter. „So haben wir Märkte erobert, weil wir ausreichend Reserven hatten und den Kunden bedienen konnten, der in einem agilen Markt erfolgreich ist.“

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"Der Nutzen agiler Methoden ist: Vieles geht heute schneller, direkter. Profitieren sollte davon der Kunde", sagt Thomas Kasparbauer, Rohde & Schwarz Teisnach. - Bild: Rohde & Schwarz

Denn das ‚Effizienzdenken‘ kann nach Ansicht von Kasparbauer die Agilität blockieren. Wenn man einen Wertschöpfungsprozess wie zum Beispiel eine Fertigungslinie nur nach Effizienzkriterien aufbaut, werde man Ressourcen wie Fläche, Mitarbeiter und Maschinenlaufzeit optimal nutzen und die Anlage an sieben Tagen 24 Stunden laufen lassen. Gegen eine derartige Planung spreche erst einmal nichts, nur habe man keine Agilität, sagte der Produktionsverantwortliche.

Unternehmen brauchen Reserven bei Störungen

Wenn jedoch Veränderungen wie Maschinenstörungen, Krankheit von Mitarbeitern oder eine Veränderung beim Kundenbedarf auftreten, sei es ratsam, schnell reagieren zu können. Dafür bräuchten agile Unternehmen zusätzliche Reserven wie qualifizierte Unterlieferanten, vielleicht Samstagsarbeit oder extrem hohe Bestände oder freie Mitarbeiter. „Und das kostet“, erläutert Kasparbauer. „Es könnte allerdings ein Wert sein, wenn man in der ‚Champions-League‘ vorne mitspielen will.“

Bei dem Automatisierer Balluff bestand die größte Herausforderung bei der Durchführung von agilen Projekten darin, dass Schnittstellen zu Bereichen, die nicht mit der Methode Scrum arbeiten, integriert werden mussten.

„Zudem muss der eigentliche Softwareentwicklungsprozess mit der agilen Vorgehensweise kompatibel sein“, sagt Andreas Schulze, Softwareentwickler Business Unit Systeme bei Balluff. Dabei sei es wichtig, dass auch geänderte Anforderungen sicher und wirtschaftlich umgesetzt werden, ohne dass die Qualität bei der Entwicklung  und die Stabilität des ausgelieferten Systems beim Kunden beeinträchtigt werden.

Darüber hinaus müssten sich auch die einzelnen Mitglieder des Scrum-Teams aktiv einbringen, denn die agile Methode funktioniere nur, wenn jeder bereit sei, offen zu kommunizieren und sich in das Team einzubringen.

Balluff bewältigte die Herausforderungen beim agilen Projektmanagement, indem das Scrum-Team sich bereits zum Projektstart überlegte, welche Schnittstellen im Unternehmen für die Umsetzung erforderlich sind, damit das zu entwickelnde Produkt überhaupt ausgeliefert werden kann. Ebenso wurden in der agilen Organisation die Schnittstellen zu externen Beteiligten wie Lieferanten festgelegt.

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Der Automatisierer Balluff nutzt die agile Methode Scrum bei Prozess-, IT- und Organsationsprojekten. Dabei müssen sich die Teammitglieder aktiv einbringen, denn Scrum funktioniert nur, wenn jeder bereit ist, offen zu kommunizieren. - Bild: Balluff

Alle Beteiligten an dem agilen Projektmanagement wurden in einem Early Teaming eingebunden und ein grober Projekt-Zeitplan vorgestellt. „Das erlaubte eine ganzheitliche Planung aller Projekt-Meilensteine“, erläutert Schulze. Dabei mussten bestimmte Qualitätssicherungsmerkmale wie zum Beispiel Normen besonders beachtet werden.

„Im Bereich der Softwareentwicklung haben wir uns dazu entschieden, den Produktivcode konsequent mit automatisierten Tests abzusichern, um Änderungen koordiniert einfließen zu lassen, ohne dass die Qualität darunter leidet“, berichtet der Softwareentwickler.  Das Scrum-Team prüft die Änderungen dabei jeweils auf ihren Mehrwert und diskutiert sie.

Scrum verkürzte bei Balluff die Entwicklungszeit

Die Einführung der agilen Methode Scrum führte bei Balluff dazu, dass die Entwicklungszeit verkürzt wurde. „Mithilfe von ­Scrum können wir veränderte Rahmenbedingungen noch während der Entwicklung berücksichtigen und einfließen lassen“, erklärt der Spezialist. Dadurch würden sie ein Produkt erhalten, das den individuellen Anforderungen des Zielmarkts schon bei der Einführung gerecht werde.

Die Methode Scrum bietet im Entwicklungsprozess bei Balluff zwei Vorteile: Transparenz und direkte Kundenbindung. „Wir schaffen Transparenz, indem wir zunächst die Kommunikation zwischen dem Scrum-Team, dem Kunden und weiteren Stakeholdern durch Meetings wie Daily Scrum und Backlog Grooming fördern“, sagt Schulze. 

Das Scrum Board lege dabei für alle offen, was gerade entwickelt wird und sei deshalb ein wichtiges Werkzeug. Auch der Kunde sehe spätestens bei den Reviews regelmäßig den Fortschritt, könne die­sen bewerten sowie gegebenenfalls neue Anforderungen einfließen lassen.

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Das TOP-Transfer-Forum 2017 steht unter dem Motto "Das agile Unternehmen: Menschen, Maschinen, Methoden".

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