USA, Wirtschaft, Protektionismus, amerikanische, Mexiko, Europa, Trump, Ford, Apple, Intel

Was passiert, wenn die angedrohten hohen Einfuhrzölle für nicht in den USA produzierte Waren tatsächlich eingeführt werden sollten? - Bild: weyo/Fotolia

Ford streicht seine Pläne zum Bau eines 1,6 Mrd Dollar teuren Werks in Mexiko und investiert statt dessen 700 Mio in eine Fabrik in Michigan, Intel baut eine neue Chipfabrik in Arizona und sogar Apple will zusammen mit dem taiwanesischen Zulieferer Foxconn plötzlich eine riesige US-Fabrik bauen.

Wer hätte gedacht, dass 'America First' so viel Durchschlagskraft hat? Immerhin scheint der frisch gebackene US-Präsident Donald Trump mit seiner protektionistischen und nationalistischen Wirtschaftspolitik  – zumindest auf Unternehmens­ebene – auf weniger Gegenwind zu stoßen, als von einigen Beobachtern erhofft. Die Androhung von hohen Importzöllen und die Hoffnung auf bevorzugte Behandlung bei Inlandsproduktion ist für viele offenbar Anreiz, in den USA zu investieren.

Doch was heißt das alles für den stark vom Export abhängigen deutschen Maschinenbau? „Unternehmen und Branchen, die stark in die USA exportieren, ohne dort zu produzieren, könnten zukünftig höhere Belastungen wie etwa Steuern oder Zölle tragen müssen“, warnt der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham), Bernhard Mattes.

Dennoch: Die US-Wirtschaft könne sich nicht ernsthaft langfristig abschotten wollen, denn auch sie sei international verflochten und hänge von globalen Märkten ab. „Wir müssen dafür eintreten, dass unsere Unternehmen, die höchste Qualität und besondere Produkte anbieten, weiterhin eine Wettbewerbschance auf dem US-Markt haben.

Das gilt auch für solche Unternehmen, die nicht unbedingt in den USA produzieren“, fordert Mattes. Es gebe durchaus Befürworter des freien Handels innerhalb der Trump-Administration. Die Tür zur Fortsetzung eines fairen, offenen Handels zwischen Deutschland, Europa und den USA stehe weiter offen. „Damit die Tür sich nicht schließt, müssen wir unsere Kommunikation über den großen Teich jetzt intensivieren.“

Auswirkung der Einfuhrzölle

Sich entspannt zurücklehnen dürfte den allermeisten Nicht-US-Firmen aber trotz dieses Hoffnungsschimmers eher schwer fallen. Immerhin hat Donald Trump in den ersten Wochen seiner Amtzeit mit aller Kraft versucht, zu demonstrieren, wie ernst er es meint mit Mauerbau zu Mexiko, Einreisebann und Co. Was also, wenn die angedrohten hohen Einfuhrzölle für nicht in den USA produzierte Waren tatsächlich eingeführt werden sollten?

„Man kann dann nicht einfach sagen: ‚Macht doch nichts, dann ist das Produkt halt 20  Prozent teurer – die USA müssen doch importieren!‘ Denn wenn ein Produkt 20  Prozent teurer wird, so wird das eine Investitionszurückhaltung zur Folge haben“, weiß Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA-Abteilung Außenwirtschaft.

Nach Angaben des Branchenverbands werden aktuell etwa zwei Drittel des amerikanischen Gesamtmarktes an Maschinen national bedient. Das heißt, die Importe von Maschinen am Gesamtmarkt USA machen ungefähr ein Drittel aus.

Die größten Exportprodukte des deutschen Maschinenbaus in die USA sind Antriebstechnik, Fördertechnik, Bau- und Baustoffmaschinen und Landtechnik. Und in allen vier Bereichen gibt es nach Angaben des VDMA ein wettbewerbsfähiges amerikanisches Angebot.

Erst danach kommen die Bereiche Werkzeugmaschinen und Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, in denen es nur bedingt einen amerikanischen Wettbewerb gibt. „Es würde keine Rakete in den Himmel starten ohne Unterstützung ausländischer Werkzeugmaschinen.

Ähnlich ist es im Bereich der hochwertigen Verpackungsmaschinen – auch hier sind die Amerikaner weit zurück“, sagt Ackermann. Ein weiterer Exportschwerpunkt sind Produkte, die mit Automatisierung zu tun haben – auch hier sind die Europäer sehr gut aufgestellt.

„Zwar gibt es Bereiche, wo es kein oder nur sehr wenig amerikanisches Angebot auf einem bestimmten Qualitätsniveau gibt – weitestgehend alles, was man als Hightech- oder Highend-Produkte bezeichnet. Aber auch für die Maschinenbauzweige, in denen die Amerikaner viel oder fast alles importieren, gilt: Ein Schutzzoll hätte Folgen“, warnt Ackermann.

Regelung für Maschinenbauzweig

Allerdings merkt der VDMA-Experte an, dass der amerikanische Präsident eigentlich nicht das Recht habe, beliebig seine Zölle festzulegen. „Damit verstößt er beispielsweise gegen die eigenen Verpflichtungen etwa mit Blick auf die WTO. Die Amerikaner haben sich schon vor vielen Jahren verpflichtet, dass ihre Zölle im Maschinenbau nicht mehr als 5  Prozent betragen dürfen“, so Ackermann.

USA, Industrie, Wirtschaft, Produktion, Europa, Zoll
USA: Veränderung der Industrieproduktion von Dezember 2015 bis Dezember 2016. Seit Mitte November 2016 ist die US-Industrieproduktion deutlich gestiegen. - Quelle: Federal Reserve

Verstoße Trump gegen die WTO-Regeln, dann werde er garantiert vor einem WTO-Panel verklagt. Das Urteil könne zwar bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen. „Aber dann ist es auch den betroffenen Ländern erlaubt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und es besteht die Gefahr, dass wir uns damit gegenseitig hochschaukeln.“

Was also sollten deutsche Unternehmen jetzt tun – abwarten oder handeln? Aus Sicht des VDMA-Experten haben die allermeisten deutschen Unternehmen kaum eine Wahl.

„Die meisten Mittelständler sind zu klein, um jetzt auf die Schnelle eine Fabrik in den USA zu eröffnen. Zumal die Dauerhaftigkeit von Trumps Ankündigungen keineswegs sicher ist und eine Produktionsverlagerung Jahre dauern kann. Die Mittelständler müssen das aussitzen und schauen, ob sie sich außerhalb der USA neue Absatzmärkte erschließen oder eventuell Nischen besetzen können.“

Fertigung in USA

Eine Wahl hätten nur die größeren Hersteller, für die sich eine Fertigung in den USA lohnen könnte. „Hier unterscheidet sich der Maschinenbau von vielen anderen Industriezweigen, deren Hauptkriterium für eine Investition günstige Preise und Kosten sind – beispielsweise die Textilindustrie.

Im Maschinenbau ist der Markt das entscheidende Kriterium für eine Investition. Wenn es ausschließlich nach Preisen und Kosten ginge, dann gäbe es auch in Deutschland keine Maschinenbauproduktion mehr“, sagt Ackermann. Eine Motivation für größere Unternehmen, in den USA direkt vor Ort zu produzieren, ist laut VDMA, dass sich die Produkte, die in den USA vertrieben werden, maßgeblich von denjenigen in Europa unterscheiden.

„Wer in den USA eine Maschine verkaufen will, muss sie ohnehin an die Anforderungen des dortigen Marktes anpassen. Hauptunterschied bei den US-Maschinen ist die Elektrik: Nicht nur eine andere Spannung, sondern auch noch völlig andere elektrische Anforderungen und Standards als hier in Europa. „Deshalb kommt es auch zu Mehrkosten zwischen 5 und 18  Prozent, um eine Maschine an den US-Markt anzupassen“, weiß Ackermann.

Nach Einschätzung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland wird der Standort USA trotz aller aktuellen Unsicherheiten aber auch in Zukunft attraktiv für deutsche Investoren bleiben. „Der Standort profitiert von weiterhin geringen Energiekosten. Die zu erwartende deutliche Verringerung der Unternehmensbesteuerung ist ein starkes Signal für die Wirtschaft“, merkt Mattes an. Der Markt biete weiterhin viele Chancen. Es gelte, faire Wettbewerbschancen im amerikanischen Markt zu gewährleisten.

Dynamik des Amerikageschäftes bisher hoch

  • Medizintechnik, Op-Roboter

    Rang 5: Warengruppe Medizin-und Messtechnik, 15 Prozent der Exporte in die USA (8.200.000.000 Euro). Quelle: Destatis, ifo Berechnung. - Bild: DLR

  • Elektrotechnik, Platine

    Rang 4: Warengruppe Elektrotechnik, 8 Prozent der Exporte in die USA (9.100.000.000 Euro). Quelle: Destatis, ifo Berechnung. - Bild: Pixabay

  • Pharma, Pillen

    Rang 3: Warengruppe Pharma, 19 Prozent der Exporte in die USA (12.900.000.000 Euro). Quelle: Destatis, ifo Berechnung. - Bild: Pixabay

  • Maschine, Chiron

    Rang 2: Warengruppe Maschinen, 11 Prozent der Exporte in die USA (21.400.000.000 Euro). Quelle: Destatis, ifo Berechnung. - Bild: Chiron-Werke

  • BMW

    Rang 1: Warengruppe Kraftfahrzeuge, 15 Prozent der Exporte in die USA (32.400.000.000 Euro). Quelle: Destatis, ifo Berechnung. - Bild: BMW