Ganz ähnliche Beobachtungen macht Ufuk Altun vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (IFAA): "Viele Gespräche mit Führungskräften bestätigen uns, dass im Zuge der Digitalisierung und Industrie 4.0 die Kundenabrufe immer kurzfristiger werden. Die Abrufe kommen nicht mehr quartalsmäßig, sondern verstärkt wöchentlich und sogar täglich. Da ist die Flexibilität in vollem Gange. Die Unternehmen müssen auf diese Kundenflexibilität reagieren und die Arbeitszeiten an die Auftragsschwankungen anpassen."

Für den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist ein flexibles Jahresarbeitszeitkonto, wie das von Trumpf, dementsprechend kein Sonderfall: "Es gibt sogar Unternehmen, die bis zu 400 Stunden ins Plus und 200 Stunden ins Minus gehen", merkt Andrea Veerkamp-Walz vom VDMA-Fachbereich Betriebswirtschaft an.

Zu den schon immer stark ausgeprägten Konjunkturzyklen im Maschinenbau komme die Digitalisierung nun noch dazu. "Dass die digitalen Produkte kürzere Lebenszyklen haben, liegt schon nach der allgemeinen Lebenserfahrung auf der Hand. Kleinere Losgrößen sind durch moderne Fertigung in verstärktem Maße möglich, also kann das Unternehmen noch stärker mit den Aufträgen atmen", erklärt die VDMA-Expertin.

Marktschwankungen nehmen zu

Für Martin Röll, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, ist die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit und die Einführung von Jahresarbeitszeitkonten ebenfalls nichts Neues: "Gerade in Baden-Württemberg ist das keine Seltenheit, hier haben wir in fast allen Betrieben verschiedene Arbeitszeitkonten." Allerdings hat die Flexibilisierung aus Sicht von Röll wenig mit Industrie 4.0 zu tun: "Vielmehr ändern sich die Kundenanforderungen schneller als früher, was zu stärkeren Marktschwankungen führt", meint der IG Metall-Experte.