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Autonome Transportroboter werden erschwinglich und halten Einzug in die Lagerhallen. - Bild: Marcin Balcerzak/Shutterstock

Nachdem Laserscanner mittlerweile zu erschwinglichen Preisen zu erhalten sind, werden die Karten neu gemischt. Jetzt entwickeln nicht wenige Unternehmen autonome Transportroboter. Seien es Start Ups oder etablierte Konzerne wie beispielsweise Bosch, Audi oder BMW.

Damit geht die Frage einher, wie lange der Mensch als Picker noch benötigt wird. Zu dieser Thematik hat Produktion neun Experten befragt, inwieweit erste Auswirkungen bereits spürbar sind, ob Transportroboter den Menschen grundsätzlich ablösen können, in welchen Branchen das am ehesten der Fall ist und ab wann mit einem menschenleeren Lager zu rechnen ist.

Eines vorneweg: Niemand prognostiziert eine Ablösung des Pickers von heute auf morgen, es ist eher von Ergänzung die Rede. Oder dass der Mensch höherwertige Aufgaben übernehmen wird. Aber es fällt auch die Bemerkung, dass man niemals nie sagen sollte...

Transportroboter steigern die Produktivität

Frederik Brantner, Geschäftsführer Magazino.
"Das Berufsbild des Pickers im Lager ist zu komplex", meint Frederik Brantner, Geschäftsführer Magazino. - Bild: Magazino

Das Start Up Magazino baut selbst einen Transportroboter, der greifen kann und auch schon in Logistikhallen im Einsatz ist. Doch Geschäftsführer Frederik Brantner sieht durch verstärkte Automatisierung nicht weniger Picker im Lagereinsatz, "denn durch das enorme Wachstum im E-Commerce-Sektor zeigen die Beschäftigungszahlen eigentlich überall nur nach oben – mit oder ohne Automatisierung."

Brantner sieht auch nicht, dass Transportroboter den Menschen endgültig ablösen werden. "Da geht es weniger darum, Personal zu entlassen sondern insgesamt die Kapazitäten zu erhöhen. Denn alle Logistiker, mit denen wir derzeit zu tun haben, beklagen sich eher über zu wenig Personal. Mit den Robotern steigt die Produktivität und das hat eher Arbeitsplätze gesichert", argumentiert Brantner.

Dennoch stellt sich die Frage, in welchen Branchen der Picker am ehesten ersetzt werden könnte. Dazu erläutert Brantner: "Das E-Commerce-Umfeld ist da sicherlich zuerst zu sehen. Auch weil da der Trend zu Losgröße 1 hingeht und es um das einzelne Buch oder den einzelne Schuhkarton geht – im Gegensatz zu höheren Losgrößen in der industriellen Fertigung."

Mittelfristig könne natürlich die reine Tätigkeit des Pickens zu einem gewissen Grad ablösbar sein – zumindest für bestimmte Aufgaben. Für einfache Objekte oder sich wiederholende Prozesse sei das sicherlich zutreffend. Doch Brantner schränkt ein: "Das Berufsbild des Pickers im Lager wird aber nicht komplett abgeschafft, da es doch zu komplex ist.

Mit der Zeit sind etwa 20 bis 30 Prozent vom Spektrum mit Robotern zu handeln. Dann wird es weitere Jahre dauern, bis 50 bis 60 Prozent von der Varianz handelbar sind. Je weiter es auf die 100 Prozent zugeht, desto schwieriger und komplexer wird die Aufgabe, so dass sich dann die Frage stellt, ob es sich überhaupt noch rechnet, solch eine komplexe Maschine zu entwickeln."

In den nächsten Jahren komme es laut Brantner eher darauf an zu erkennen, welche Aufgaben der Roboter zur Unterstützung des Menschen übernehmen kann. "So soll der Roboter eher schwere Objekte, die unten oder oben im Regal lagern, greifen und der Mensch die leichteren Objekte auf Brusthöhe", ergänzt er.

Ob sich Brantner dennoch irgendwann ein komplett menschenleeres Lager vorstellen könne? "Das ist momentan noch nicht absehbar. Diese Roboterrevolution, bei der die Maschinen die Menschen überrollen und ihnen die Arbeit wegnehmen, ist nicht zu sehen", resümiert Brantner.