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Werkbank war gestern: Durch einen Strukturwandel will sich China künftig selbst mit fortschrittlicher Technologie versorgen. - Bild: Maxim_Kazmin / Fotolia

Die Preise auf Großhandelsebene machten dank steigender Rohstoffpreise und einer enormen Nachfrage im Bausektor einen großen Sprung um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten, die im Schnitt mit einer niedrigeren Teuerung gerechnet hatten, werteten die Zahlen als weiteres Zeichen der Stabilisierung für die ins Stocken geratene Wirtschaft. Dennoch: Nicht alle Wirtschaftsbereiche in Fernost ziehen wieder an: „Wir beobachten in China aktuell eine zweigleisige Entwicklung“, berichtet Christina Otte, Deputy Director Asien/Pazifik von Germany Trade & Invest (GTAI).

Während der alte Industriesektor angesichts steigender Löhne, Überkapazitäten und einer schwächelnden Exportwirtschaft stark unter Druck stehe, zeigten einzelne Technologiebereiche starkes Wachstum. „Für die Automobilbranche, aber auch den Maschinenbau und die Chemieindustrie ist für 2017 daher nur mit einem moderaten Wachstum zu rechnen“, so die Expertin.

Diese Einschätzung deckt sich mit den aktuellen Zahlen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Bei den Lieferungen nach China setzt sich der rückläufige Trend aus dem Vorjahr weiter fort. Bis September 2016 lieferte die deutsche Investitionsgüterindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 11,5 Prozent weniger Güter ins Reich der Mitte“, meldet VDMA-Außenwirtschaftsexperte Oliver Wack. Und auch für 2017 rechnet der Verband mit einem weiteren Rückgang der Exporte.

Dies hänge mit verschiedenen Faktoren zusammen. „Unter anderem schreitet innerhalb der chinesischen Industrie die Verlagerung von Investitionsgütern hin zu Konsumgütern weiter voran. Darüber hinaus ist der beabsichtigte ‚shift‘ von Industrie hin zum Sektor Dienstleistungen, der weiter Anteile an der Gesamtwirtschaftsleistung gewinnt, noch nicht abgeschlossen. Zuletzt spielt auch der weiter zunehmende Kapazitätsaufbau im Land und der zunehmende lokale Wettbewerb eine entscheidende Rolle in der aktuellen Entwicklung“, weiß Wack.

Vom Rückgang im Jahr 2016 waren laut VDMA die meisten der Fachzweige im Maschinenbau betroffen. Gegen den Trend jedoch verzeichneten die Fachzweige Holzbearbeitungsmaschinen, Power Systems, Pumpen und Systeme, Landtechnik, Bau- und Baustoffmaschinen sowie Anlagen für die Halbleiterindustrie eine signifikant gestiegene Nachfrage.

Besonders gute Chancen am chinesischen Markt haben Hersteller derzeit in den von der chinesischen Regierung in ihrem Industrieprogramm ‚Made in China 2025‘ ausgewiesenen Wachstumsfeldern: Durch neue Fertigungstechnologien und Digitalisierung soll die chinesische Industrie modernisiert werden, um an die technologisch führenden Länder aufzuschließen. „Ein großes Thema ist Industrie 4.0. Es kommen zahlreiche Delegationen aus China nach Deutschland, um sich über vernetzte Fabriken zu informieren“, beobachtet die GTAI-Expertin Otte.

Zwar stecke die Modernisierung der chinesischen Industrie noch in den Kinderschuhen, aber schon jetzt werde zunehmend automatisiert. „Das sieht man nicht zuletzt an dem sehr gut laufenden Export deutscher Automatisierungstechnik nach China“, betont Otte.

Aber auch die stark zunehmenden Übernahmen chinesischer Unternehmen hierzulande tragen die Handschrift des Industrieprogramms ‚Made in China 2025‘: „Die in dem Programm ausgemachten Wachstumsfelder der chinesischen Wirtschaft sind unter anderem die Informations- und Kommunikationsbranche, Robotik oder CNC. Bereiche, in denen chinesische Investoren im Ausland zuletzt verstärkt eingestiegen sind.“

Chinesische Direktinvestitionen in Europa nahmen zuletzt drastisch zu: Die Grafik zeigt den Wert der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zwischen der EU-28 und China in Millionen Euro. - Quelle: Quelle MERICS/Rhodium Group Grafik: Produktion
Chinesische Direktinvestitionen in Europa nahmen zuletzt drastisch zu: Die Grafik zeigt den Wert der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zwischen der EU-28 und China in Millionen Euro. - Quelle: Quelle MERICS/Rhodium Group Grafik: Produktion

Für Anbieter dieser Technologien biete der chinesische Markt dank des forcierten Strukturwandels derzeit besonders gute Wachstumschancen. Andererseits bestehen aber auch Risiken: „Das Programm fordert ganz offen, dass China seine Selbstversorgung mit Kernkompetenzen künftig erhöht. Bis 2020 sollen 40 Prozent der Kernkompetenzen im Land sein, bis 2025 gar 70 Prozent.“

Beobachter wie etwa das MERICS-Insititut in Berlin interpretieren die Pläne Chinas durchaus auch in die Richtung, dass langfristig ausländische Unternehmen durch lokale Unternehmen substituiert werden sollen. Dieses Risiko sieht auch der VDMA. Zu dem steigenden Protektionismus kommen Probleme bei der IT-Sicherheit und der Setzung von Standards. „China hat erst vor Kurzem ein neues IT-Sicherheitsgesetz erlassen, das im Juni 2017 inkraft treten soll. Es beinhaltet die teilweise verpflichtende Offenlegung von Software-Codes durch ausländische Firmen.

Dies könnte es den Firmen erschweren, ihr geistiges Eigentum zu schützen. Thomas Heck, Leiter der China Business Group von PwC, stuft neben Industrie 4.0 unter anderem die Umwelttechnologie als aussichtsreiches Wachstumsfeld für deutsche Firmen ein. „China sucht mit Hochdruck nach Technologie für Müllverbrennung und Energiegewinnung, nachdem das Land beim Thema Müllentsorgung bisher fast ausschließlich auf Halden gesetzt hat“, meldet Heck.

In Deutschland habe es zwar bereits große Übernahmen von Müllverbrennungsanlagenherstellern durch chinesische Firmen gegeben. Aber auch weiterhin hätten Anbieter in diesem Bereich gute Chancen. Einen weiteren Wachstumsmarkt sehen Experten in der Medizintechnik. Hier setze der chinesische Staat darauf, künftig zum Anbieter zu werden. Das bedeute einerseits steigende Konkurrenz, aber andererseits auch Absatzchancen für technologisch
reifere Produkte und Spezialteile.