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Bunter Mix: China nimmt die Stromerzeugung der Zukunft selbst in die Hand. - Bild: Fotolia/JEGASRA

Ein Bild, das leider in vielen chinesischen Großstädten zum Alltag geworden ist: Eine dichte Staubglocke hängt in der Luft und schemenhaft huschen Menschen mit Atemmasken durch die Straßen. China im Jahr 2017: Licht und Schatten liegen eng beieinander. Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes ermöglicht immer mehr Menschen ein Leben in Wohlstand. Damit einher gehen massive Umweltprobleme.

Eines der größten Probleme ist, dass der gigantische Energiehunger des Landes zu fast zwei Dritteln aus Kohlekraftwerken bedient wird, und die sind als Drecksschleudern bekannt. Deshalb bemüht sich auch China um eine Wende in der Energiepolitik hin zu weniger umweltschädlichen nichtfossilen Energieträgern.

Stromerzeugung aus Sonnen- und Windenergie nimmt zu

Im aktuellen Fünfjahresplan ist eine Steigerung des Anteils nichtfossiler Energieträger an der gesamten Stromerzeugungskapazität von 35 % auf 39 % bis zum Jahr 2020 angepeilt. Dennoch hält China an der Stromerzeugung durch Kohle fest und absolut betrachtet wird die Zunahme der Stromerzeugungskapazität durch Kohle immer noch die höchste sein.

Anders können die erwarteten Zuwächse beim Strombedarf des Reichs der Mitte nicht bedient werden: Im Jahr 2015 betrug der gesamte Stromverbrauch Chinas 5 690 TWh und er soll mit rund 5 % pro Jahr weiter wachsen. Die geplanten jährlichen Zuwachsraten der Stromerzeugungskapazitäten bei Kohle betragen rund 40 GW pro Jahr. So kann von einer geplanten Energiewende in China eigentlich keine Rede sein.

Dennoch: China ist heute sowohl für Windenergie als auch für Photovoltaik das Land mit den weltweit größten installierten Kapazitäten. Auch wenn die Ausbauziele für Photovoltaik und für Windenergie gerade angepasst wurden, übertreffen sie immer noch deutlich die geplanten Ziele vieler anderer Länder.

Deutsche Produkte in China abzusetzen wird immer schwieriger

Kuang-Hua Lin, Asia-Pacific Management Consulting
»Deutsche Anbieter haben nur noch Chancen, wenn sie in China vor Ort produzieren«, findet Dr. Kuang-Hua Lin, Geschäftsführer Asia-Pacific Management Consulting. - Bild: Asia-Pacific Management Consulting

Können deutsche Unternehmen von den immer noch riesigen Wachstumspotenzialen insbesondere bei den nichtfossilen Energieträgern profitieren? „Da die chinesischen Wettbewerber inzwischen auch konkurrenzfähige Produkte herstellen, haben deutsche Anbieter nur noch Chancen, wenn sie in China vor Ort produzieren“, berichtet Dr. Kuang-Hua Lin, Geschäftsführer der Asia-Pacific Management Consulting GmbH.

Das bestätigt auch Prof. Eva Sternfeld von der FU Berlin: „Die Glanzzeiten für die deutschen Anbieter regenerativer Energieträger in China sind schon vorbei. Es ist schon einige Jahre her, dass deutsche Technik im großen Maßstab nach China verkauft wurde.“ Vielmehr hat sich China mittlerweile selbst als Anbieter grüner Energieerzeugungstechnologien weltweit erfolgreich am Markt positioniert.

Unschlagbar günstige Photovoltaik-Module aus China

Das gilt insbesondere für die Photovoltaik: Noch in den 2000er-Jahren wurden in China deutsche Photovoltaik-Anlagen montiert. Die Chinesen haben schnell gelernt und sich von der Rolle einer ‚verlängerten Werkbank‘ für ausländische Anlagenhersteller längst verabschiedet. Mittlerweile schwemmen chinesische Hersteller die Weltmärkte mit konkurrenzlos günstigen Photovoltaik-Modulen und setzen andere Anbieter massiv unter Druck.

„Westliche und insbesondere deutsche Unternehmen haben die Photovoltaik-Industrie maßgeblich mitaufgebaut. Die Beschwerden dieser Unternehmen über die Billigkonkurrenz sind teilweise sicher berechtigt“, so Sternfeld. Wurden die deutschen Firmen also über den Tisch gezogen? „Es gab sicher vereinzelt Fälle, wo gegen geistiges Eigentum verstoßen wurde“, so Sternfeld. Was die Photovoltaik angeht, ist für ausländische Firmen in China also nichts mehr zu holen.

Deutsche Unternehmen als Komponenten-Zulieferer bei Windkraftanlagen

Oliver Berendt, Siemens Wind Power
»Wir haben uns aus dem Onshore-Geschäft als Direktanbieter weitgehend zurückgezogen«, sagt Oliver Berendt, Leiter des Liason Office China Siemens Wind Power. - Bild: Siemens Wind Power

Und wie sieht es bei der Windkraft aus? „Die lokalen chinesischen Hersteller haben durch Kooperationen mit westlichen Firmen das Know-how erworben und gezielt eingesetzt, um den lokalen Markt durch Kostenführerschaft und hohe Flexibilität in den Angebotsverhandlungen zu dominieren. Internationale Hersteller, darunter auch wir, haben sich im Onshore-Geschäft als Direktanbieter weitgehend zurückgezogen und Joint Ventures beendet“, berichtet Oliver Berendt, Leiter des Liason Office China bei Siemens Wind Power.

Seiner Einschätzung nach bewähren sich Kooperationen mit lokalen chinesischen Partnern deutlich besser, als der direkte Vertrieb deutscher Technik. Blüht der Windenergie also ein ähnliches Schicksal wie der Photovoltaik? Berendt ist optimistisch: „Wir agieren über Lizenzvereinbarungen und als Zulieferer von Komponenten. Unsere Windenergieanlagen für den chinesischen Markt montiert das Staatsunternehmen Shanghai Electric in Lizenz und ein Großteil der Rotorblätter kommt aus dem chinesischen Siemens Wind Power Rotorblattwerk in Lingang. Zahlreiche Siemens-Divisionen mit ihren weltweiten Standorten sind Teil der Zulieferkette dieser Anlagen“, so Berendt.

Kooperationen mit chinesischen Anbietern bei Offshore-Windanlagen

Mittelfristig sehr gute Geschäftsperspektiven bieten Offshore-Windanlagen vor den Küsten Chinas. Auch wenn der neue 13. Fünfjahresplan die rasante Entwicklung etwas bremst, sind für das Jahr 2020 insgesamt über 210 GW akkumulierte installierte Leistung vorgesehen. Darin sollen 5 GW installierte sowie weitere 10 GW im Bau befindliche Offshore-Projekte enthalten sein. „Aktuell sehen wir eine dynamische Entwicklung im Offshore-Markt. Auch hier versprechen Kooperationen mit lokalen chinesischen Herstellern die besten Erfolge für westliche Unternehmen“, berichtet Berendt.

Corinne Abele, Germany Trade & Invest
»Im Windkraftbereich ergeben sich für deutsche Unternehmen vor allem noch Chancen im Komponenten- und Materialbereich«, so Corinne Abele, Chief Representative Trade Information Shanghai, Germany Trade & Invest. - Bild: Germany Trade & Invest

Marktanteile durch den Direktvertrieb von Produkten aus Europa zu gewinnen sei hingegen aufgrund der Kostenstruktur wenig aussichtsreich. Die lokalen chinesischen Anbieter von Windturbinen durchlaufen derzeit einen zügigen Lernprozess beim Bewältigen der deutlich anspruchsvolleren Projektabwicklung von Offshore-Projekten im Vergleich zum Bau von Windparks an Land.

Mit anderen Worten: Langfristig dürfte es den Windanlagenherstellern wohl ähnlich ergehen wie den Herstellern von Photovoltaik-Anlagen. Ausländische und insbesondere deutsche Firmen haben das Know-how geliefert und am Ende machen es die Chinesen selbst. Das ist schade, denn der Markt ist gigantisch. China ist und bleibt der größte Windenergiemarkt mit fast der Hälfte aller Installationen weltweit.

„Das Betreiben von Wind- und Solarparks in China ist kaum attraktiv“

Gastkommentar von Corinne Abele, Chief Representative Trade Information Shanghai, Germany Trade & Invest.

China ist der größte Solar- und Windkraftmarkt weltweit. Mit 154 GW Windkraftkapazität war China 2015 größer als der Gesamtmarkt der EU; 2015 überholte es mit knapp 42,2 GW PV-Kapazität Deutschland. Allein 2015 wurden 15 GW neue PV-Anlagen installiert. Wer daher im EE-Bereich unterwegs ist, kann an China nicht vorbei. Doch der Markt ist nicht einfach: Der inländische Wettbewerb ist inzwischen groß, der staatliche Einfluss (auf nationaler und regionaler Ebene) nicht zu unterschätzen.

Durch kompetitive Ausschreibungen versucht China derzeit, den vor allem im PV-Bereich noch stark fragmentierten Markt zu konsolidieren sowie Technologieführer und damit wettbewerbsstarke Unternehmen mit internationalen Ambitionen zu schaffen. In diesem kompetitiven Umfeld gibt es für deutsche Unternehmen dennoch Marktchancen im PV-Bereich. Dazu zählen hochwertige Solarzell- und Solarmodulherstellungsanlagen, hochwertige Produkte im Modul- und Materialbereich, auch beispielsweise Backsheet. Generell können deutsche Anbieter im Bereich Zell- und Moduleffizienzsteigerungen Technologien anbieten. Dies gilt auch für den Bereich der Hocheffizienzzellen sowie Zelltypen wie PERC und PERT. Zaghafte Annäherung könnte es auch für innovative Zusammenarbeit geben.

Im Windkraftbereich ergeben sich für deutsche Unternehmen vor allem noch Chancen im Komponenten- und Materialbereich. Doch die inländische Konkurrenz steigt. Dies gilt auch für den Bereich Wechselrichter oder Getriebe. Für ausländische Windgeneratorenhersteller ist der chinesische Markt eine Herausforderung. Ihr Anteil liegt deutlich unter 10 %. Am erfolgreichsten dürfte sich bislang Gamesa behauptet haben, das rund 4,2 GW Windkraftanlagen in China in den vergangenen 16 Jahren installiert hat. Erst im Oktober 2016 gewann das Unternehmen einen Auftrag über 38 2,5-MW-Turbinen (95 MW) für einen der großen chinesischen Windfarmbetreiber, Zhongmin. Siemens ist in Verhandlungen, den spanischen Windkraftspezialisten Gamesa zu übernehmen.

Gut im Geschäft ist Siemens, basierend auf seinem ehemaligen Joint Venture mit Shanghai Electric, auch im Offshore-Windbereich. Erfolgreiche Teilnahmen bei Ausschreibungen für Offshore-Windparks von rein ausländischen Unternehmen sind hingegen bislang kaum über die Pilotphase hinausgekommen – trotz noch zahlreicher bestehender technologischer Herausforderungen.

Das Betreiben von Wind- oder Solarparks ist für deutsche Firmen in China angesichts großer inländischer Konkurrenz mit häufig günstigeren Finanzierungskonditionen hingegen kaum attraktiv. Ein großer Bereich, in den China kräftig in Entwicklung und Forschung investiert, ist der Bereich Batterien und Speicherung. Hier ist das Land stark an internationalem Know-how und Technologie interessiert.