Die Digitalisierung hält auch im Mobilitätsmanagement Einzug. Flottenmanager müssen sich daher vermehrt mit Themen wie Telematik oder cloudbasierten Lösungen auseinandersetzen.

Die Digitalisierung hält auch im Mobilitätsmanagement Einzug. Flottenmanager müssen sich daher vermehrt mit Themen wie Telematik oder cloudbasierten Lösungen auseinandersetzen. - Bild: Adobe Stock - Uli-B

Was bewegt sich im Fuhrparkmanagement? Zunächst einmal, dass der Begriff selbst immer weniger gebraucht wird. Viel häufiger ist heute vom ‚Mobilitätsmanagement‘ die Rede. Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, BVF, deutet an, warum: „Die Entwicklung zeigt, dass wir betriebliche Mobilität mehr und intelligenter managen müssen.“ Sein Verband organisiert Seminare und Workshops für Fuhrpark-, sorry: für Mobilitätsmanager, mit Themen wie ‚Wege zum Mobi­litätsmanagement‘ oder ‚Einbindung von Elektromobilität in das Mobilitätskonzept‘.

Solche Bildungsformate sind wichtiger denn je, denn die Anforderungen an Fuhrparkmanager werden immer vielfältiger und umfangreicher. Was macht für mein Unternehmen Sinn, was nicht? Bei gefühlt täglich neu in den Markt geworfenen Apps und Cloud-Services die richtigen Einkaufsentscheidungen zu treffen, ist nicht leicht. Schäfer fasst das komplexe Aufgabenprofil eines Fuhrpark-/Mobilitätsmanagers zusammen: „Fuhrparkmanagement bedeutet, automobile Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens nach Maßgabe eines integrierten Mobilitätsmanagements strategisch zu planen und flexibel zu steuern.“

Strategisch planen und flexibel steuern – da liegt der Gedanke an intelligente Telematik-Systeme zur Senkung der Fahrzeugkosten und damit an die digitale Flotten- und Fahrzeugüberwachung nahe: Einsätze, Navigation, Kapazitäten und Zeiterfassung ebenso betreffend wie das Überwachen und Steuern von Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß zum Beispiel.

Auf diese Features fahren immer mehr Flottenmanager ab. Wenngleich in Deutschland noch eher verhalten. Das geht aus einer aktuellen Analyse ‚Telematik 2018‘ des Flottenexperten Dataforce hervor: 19 Prozent der befragten Unternehmen mit Fuhrparks setzen Fuhrparkmanagementsoftware ein. Dabei sind es mit 60 Prozent vor allem die Lkw-dominierten Flotten, für die diese Technik selbstverständlich geworden ist. Wer überwiegend Pkw im Fuhrpark einsetzt, nutzt nur zu 10 Prozent entsprechende Software. Der am häufigsten gewählte Anbieter ist TomTom Telematics, gefolgt von Daimler FleetBoard sowie YellowFox.

Telematikdienste sehr beliebt

Für die Analyse hat Dataforce 23 857 Flotten mit insgesamt 489 458 Fahrzeugen ausgewertet. Zu den Top 5 der Anwendungen zählen digitale Tachographen (69 Prozent) sowie die GPS-Ortung (63 Prozent). Mit Abstand folgen Lösungen zum Kraftstoff- und CO2-Verbrauch (40 Prozent), zur Routenoptimierung (36 Prozent) und zu Fahrstildaten (35 Prozent).

Laut Christian Spahn, Account Manager bei der Dataforce Verlagsgesellschaft, in einem Interview auf dataforce.de, seien die meisten Fuhrparkverantwortlichen bereit, über alle Fahrzeugarten hinweg zwischen 20 und 49 Euro pro Fahrzeug im Monat für Telematikdienste zu zahlen: „Egal ob Pkw, Transporter oder Lkw.“

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Mit diesen Kosten rechneten vor allem Fuhrparkleiter mit fünf bis neun Autos: „Große Fuhrparks hingegen wollen überdurchschnittlich oft maximal 10 Euro für Pkw oder Transporter und nicht mehr als 20 Euro für Lkw pro Fahrzeug und Monat ausgeben“, so Spahn.

Der Flottenexperte beobachtet, dass immer mehr neue Start-ups in den Herstellermarkt für digitale Fuhrpark-Produkte einsteigen: „Spannend bleibt, ob und wie lange dieser Trend anhält.“ Was nicht nur auf die von Dataforce analysierten Telematikanbieter, sondern auf den gesamten Anbietermarkt für Fuhrpark-/Mobilitätskonzepte und -Lösungen zutrifft.

Corporate Carsharing und Fahrzeugpooling

Zum Beispiel beim Carsharing und Fahrzeugpooling. Hier prescht freenet.de mit dem Produkt Carmada.de vor, einer eigenen Cloud-Plattform für das Fuhrparkmanagement. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sollen damit Corporate Carsharing und Fahrzeugpooling schnell und effizient nutzen können.

Laut Hersteller erhalten Fuhr­parkmanager innerhalb weniger Minuten Zugriff auf umfassende Funktionalitäten, wie die Buchung und Reservierung von Pool-oder Firmenwagen, Terminplanungs- und Erinnerungsfunktion für Werkstatttermine bis hin zu Schadensmeldungs- und Regulierungsoptionen: „Die Flexibilität und die service-orientierte Struktur machen Camada für Fuhrparkmanager mit nur fünf, aber auch mit einigen Tausend Fahrzeugen interessant. Corporate Carsharing auch über viele Standorte hinweg ist nun für alle Unternehmen realisierbar“, sagt freenet-Geschäftsführer André Derouaux.

Auf eine Cloud-Lösung ohne Installation, Konfiguration oder die Entwicklung von Schnittstellen setzt auch Maschinenbauer Kasto. Er steuert seinen internationalen Fuhrpark von circa 150 Fahrzeugen zentral mit der Software Avrios Fuhrpark 4.0, anstatt einzelne Full-Service-Leasing-Komponenten bei unterschiedlichen Anbietern einzukaufen. Avrios konsolidiert, verarbeitet und bereitet vollautomatisch alle Leasing-Abrechnungen, Reifen-, Tank- oder Reparaturrechnungen auf, die früher im ERP und in Tabellenkalkulationen manuell gepflegt wurden. Die Avrios-Plattform unterstützt etwa auch die direkte Kommunikation mit dem Fahrer in Echtzeit.

Europa-Allianz

In Paris haben sich jüngst die Vertreter von sieben nationalen Verbänden für Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement in Europa getroffen. Ziel ist der gemeinsame Aufbau einer europäischen Dachorganisation für die Verbände. Mit dabei sind bereits die Verbände aus Spanien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich und Deutschland. Zukünftig sollen auch die Vereinigungen aus Belgien, den Niederlanden und Polen einbezogen werden.

Alphabet verleast auch Ladesäulen

Zum Schluss noch eine kleine Anregung für Schäfers BVF-Seminar zur Elektromobilität: Der Business-Mobility-Anbieter Alphabet Deutschland verleast seit diesem Jahr neben Fahrzeugen auch Elektro-Ladesäulen. Flottenbetreiber erhalten E-Fahrzeug, Plug-in-Hybrid und die passende Ladelösung. Nach Laufzeitende des Leasingvertrags kann die Ladesäule vom Kunden übernommen werden.

„Wir wollen unsere Kunden bei der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks bestmöglich unterstützen und die Hürden beim Umstieg von herkömmlichen Verbrennern auf E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride so weit wie möglich abbauen. Mit dem Verleasen von Fahrzeugen und Ladesäulen aus einer Hand gehen wir hier den nächsten Schritt“, erklärt Tim Beltermann, Leiter Vertrieb und Marketing bei Alphabet. Hört sich doch gut für einen Impulsvortrag an.

  • Testfahrzeug mit Antenne

    Fahrer Axel Gerhard ist zu Beginn der Testreihe das Außengelände der Sensor+Test abgefahren. Erst nachdem er die Strecke 'per Hand' getrackt hat, übernimmt das Fahrzeug die Kontrolle. Die Antenne auf dem Dach des Fahrzeugs hilft bei der Navigation. - Bild: Sabine Spinnarke

  • Blick ins Fahrzeuginnere

    Die Partner AMFD, Dewetron, GeneSys und Stähle installierten in dem Test-BMW drei Aktorik-Systeme für Gas, Bremse und Lenkung. Mit Hilfe der Robotersysteme von Stähle fährt der BMW selbstständig und ermöglicht so objektive Tests der installierten neuen Assistenzsysteme. - Bild: Sabine Spinnarke

  • Das Kreiselmesssystem

    Auf der Rückbank des Testfahrzeugs platziert steht ein GPS-gestütztes Kreisel-System für Fahrdynamikmessungen von GeneSys. In Kombination mit dem performanten Datenerfassungssystem von Dewetron und dem Fahrroboter von Stähle können ADAS Tests in höchster Präzision und Flexibilität durchgeführt werden. - Bild: Sabine Spinnarke

  • Das Testgelände

    Mit Hilfe der GPS Daten kann das Fahrzeug auf etwa einem bis drei Meter genau navigieren, das ist den Testpiloten nicht genau genug. Auf der Wiese steht eine weitere Antenne, mit ihr reduziert sich die Ungenauigkeit auf wenige Zentimeter - würden nicht immer wieder die Bäume für Störungen sorgen. - Bild: Sabine Spinnarke

  • Die Fahrt

    Testpilot Axel Gerhard erklärt den Insassen, wie das Fahrzeug nun die Teststrecke abfährt. Auf dem Monitor lässt sich beobachten, wie das Fahrzeug sich immer wieder den Begrenzungslinien nähert und sofort gegensteuert. – Bild Sabine Spinnarke

  • Die Vertrauensfrage

    So ganz traut der Testpilot den Fähigkeiten der technischen Systeme wohl nicht: seine Hand schwebt knapp über dem Lenkrad, um schnell eingreifen zu können - vielleicht liegt ihm aber auch nur die Sicherheit der Passagiere am Herzen? - Bild: Sabine Spinnarke