Logistik, Lastwagen

Nach wie vor ist die Logistikbranche in Deutschland der größte Wirtschaftsbereich nach der Automobilwirtschaft und dem Handel. Zudem wird weiteres Wachstum prognostiziert. Dem steht allerdings der Fachkräftemangel entgegen. - Bild: Christopher Bailey/AdobeStock

Der ‚Logistikmonitor‘ der BVL besagt, dass Logistik und Intralogistik positiv auf die künftige wirtschaftliche Situation blicken können. Doch politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen schneiden deutlich schlechter ab. Vor allem der Fachkräftemangel bereitet Sorge. Was die Unternehmen dazu sagen und welche Lösungen sie liefern

Entscheidende Rolle kommt der Digitalisierung zu

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) hat gemeinsam mit Statista 400 Interviews mit Logistikern geführt. Anhand derer wird klar, dass diese positiv auf die aktuelle wirtschaftliche Situation blicken. Größere Sorgen hingegen bereitet der Fachkräftemangel – und zwar über alle Tätigkeitsbereiche hinweg. Eine entscheidende Rolle komme wiederum der Digitalisierung zu, wie nicht nur Henry Puhl von Still darstellt: „Mit der digitalen Transformation verändert sich die Welt der Intralogistik rasant. Die wachsende Datenmenge und zunehmende Vernetzung in der Industrie machen logistische Abläufe immer komplexer. Fahrzeuge agieren teilweise autonom und kommunizieren dank zahlreicher Sensoren untereinander und mit zentralen Steuerungssystemen – auf diese Weise wird die FFZ-Flotte intelligent.“


"Mit der digitalen Transformation verändert sich die Welt der Intralogistik rasant", sagt Henry Puhl, Vorsitzender der Geschäftsführung, Still GmbH - Bild: Still

Logistik-Trends 2019

Ferner benötige Industrie 4.0 eine moderne, hochvernetzte Intralogistik. Denn der nächste Automatisierungssprung werde nur funktionieren, wenn alle Komponenten just-in-time bereitstehen. „Dazu müssen Logistiklösungen Hand in Hand mit dem jeweiligen ERP-System als Steuerungsinstanz zusammenarbeiten. Langfristig werden sich das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Blockchain und weitere Schlüsseltrends durchsetzen, weil diese das Preis-Leistungs-Verhältnis nachhaltig begünstigen“, blickt Puhl in die Zukunft.
Ein zweiter strategischer Schwer­punkt bei der Digitalisierung bilde für Still die Weiterentwicklung von Flurförderzeugen und Intralogistiksystemen durch autonomes und automatisiertes Fahren.

Trend in der Branche

Bei Linde MH sieht Stefan Prokosch nachfolgende Themen als wegweisend: „Einen Schwerpunkt bilden Software- und Informationstechnologien, mit deren Hilfe Linde MH die Digitalisierung und Vernetzung seiner Produkte und Dienstleistungen vorantreibt. Schon heute finden sie sich im Linde-Flottenmanagementsystem connect, den unterschiedlichen Assistenz- und Sicherheitssystemen, mobilen Applikationen und autonomen Fahrzeuglösungen.“

Weitere innovative Technologien beträfen den Antrieb. Neben den etablierten Energielösungen und der Lithium-Ionen-Batterietechnik, die sich immer weiter durchsetze, erwarte Linde MH, dass der Brennstoffzellenantrieb mittelfristig einen nennenswerten Anteil am Energiemix haben werde. „Schon heute ist die Technik ausgereift und rund 80 Prozent aller Modelle von Linde MH sind als Brennstoffzellen-Version bestellbar,“ sagt Prokosch.

 

"Eine zentrale Rolle kommt den Produkten selbst zu, die ihrerseits die digitale Transformation vorantreiben", sagt Stefan Prokosch, Senior Vice President Productmanagement Industrial Trucks Counterbalance, Linde MH. - Bild: Linde MH

Innovation in die Praxis umsetzen

Seitens BLG Logistics erklärt Jens Wollesen: „Wir setzen darauf, gute Ideen und innovative Technologien möglichst schnell und unkompliziert in der Praxis zu testen. So setzen wir bereits mit einem unserer Kunden die Vision vom ‚papierlosen Transport per Lkw‘ mithilfe einer App um. Oder wir testen passive Exoskelette auf ihre Einsatzmöglichkeiten.“
BLG Logistics habe ein eigenes DigiLab und teste dort in sogenannten 100-Tage-Projekten die Einsatzfähigkeit neuer Technologien. „Aus den Themen, die von unserem Innovationsteam gebündelt und weiterentwickelt werden, haben sich bereits eine Reihe belastbarer neuer Aktivitäten ergeben“, berichtet Wollesen. Eine ganz aktuelle Entwicklung sei das Freight Quality Tracking. Mit dieser neuen Dienstleistung könne mithilfe von Sensoren Daten über Zustand und Position der Ware nahezu in Echtzeit gewonnen und ausgewertet werden.

 

"Wir setzen bereits mit einem unserer Kunden die Vision vom ‚papierlosen Transport per Lkw‘ mithilfe einer App um",  sagt Jens Wollesen, Mitglied des Vorstands, BLG Logistics GmbH. - Bild: BLG Logistics

Logistik 4.0 und I-O-T-Cockpits

Auch bei der DHL steht die Digitalisierung hoch im Kurs, wie Karsten Schwarz erläutert: „Im Bereich der ‚emerging technologies‘ sehe ich im Wesentlichen zwei Trends: Zum einen wird das Thema Robotik und Automatisierung für uns immer wichtiger, zum anderen nimmt die Digitalisierung der Supply Chains weiter zu. Das trifft übrigens nicht nur auf Deutschland zu, sondern zeigt sich weltweit.“

Konkret setze DHL Supply Chain 2019 noch stärker auf Roboter, die die Mitarbeiter bei der Arbeit unterstützten. „Aber auch I-o-T Cockpits – wie wir sie bereits an Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Polen getestet haben – helfen uns, die Warenströme innerhalb der Lager zu optimieren und so noch besser, effizienter und vor allem sicherer zu arbeiten“, meint Schwarz und fügt hinzu: „Ich denke hier sind wir als Deutsche Post DHL Group ganz gut unterwegs. Natürlich gilt es die Erfahrungen, die wir in einzelnen Pilot-Projekten gemacht haben, nun auch in der Fläche auszurollen und zu skalieren.“

 

"IoT-Cockpits helfen uns, die Warenströme innerhalb der Lager zu optimieren", Karsten Schwarz, CEO Germany & Alps, DHL Supply Chain.

Positive Prognose für die Branche

Bei Dachser stellt Andreas Froschmayer dar, welche Linie das Unternehmen fährt und bezieht sich auf die eigene Corporate Unit, die fortlaufend neue Technologien und Entwicklungen beobachtet und daraufhin untersucht, ob diese eine Marktrelevanz bekommen können. „Es wird sich noch zeigen, welche Ideen es schaffen werden, tatsächliche Relevanz in großen integrierten Logistiksystemen zu erzeugen. Es gibt eine Reihe von wertsteigernden Einsatzmöglichkeiten autonomer Technologien in der Logistik. Wir haben hier zum Teil schon eigene Tests im Einsatz. So prüfen wir im Warehouse aktuell den Einsatz autonom fahrender Transportsysteme für die Abwicklung einfacher Pallettenbewegungen und testen passive Exoskelette zur Entlastung körperlicher Arbeiten.“ Außerdem fördere Dachser bereits verfügbare Fahrerassistenzsysteme wie den Abbiegeassistenten.

 

"Es gibt eine Reihe von wertsteigernden Einsatzmöglichkeiten autonomer Technologien in der Logistik", sagt Andreas Froschmayer, Corporate Director Corporate Development Strategy & PR. - Bild: Dachser

Globale Geschäftsmodelle der Logistikdienstleister

Beim Thema alternative Antriebe habe in den letzten Jahren eine große Entwicklung stattgefunden, allerdings sei hier noch ein deutlicher Nachholbedarf seitens der Automobilindustrie zu spüren, was die Verfügbarkeit von ausreichenden Stückzahlen anbelange. „Bei den kleineren Fahrzeugen bis 7,5 Tonnen gehen wir davon aus, dass sich der reine Elektroantrieb durchsetzen wird, bei größeren Fahrzeugen ab 7,5 Tonnen wird allein aufgrund der Reichweitenthematik die Brennstoffzelle die Nase vorn haben. Grundsätzlich werden aber in den nächsten Jahren sicherlich eine Vielzahl von Antriebsarten parallel entwickelt werden, zum Beispiel synthetische Kraftstoffe, LNG/CNG über BEV bis hin zur Brennstoffzelle.“

Großes Potenzial schon im Jahr 2019

Doch inwieweit bauen die Unternehmen nicht nur künftig auf die Digitalisierung, sondern setzen diese bereits in den eigenen Prozessen erfolgreich um? Auch hier geben sich die Logistiker keine Blöße, wie Puhl von Still darstellt: „Wir nutzen die Chancen der Digitalisierung sowohl in der Produktion wie auch in Vertrieb, Marketing und Kommunikation. So arbeiten wir in den Geschäftsbereichen Beschaffung, Fertigung, Service, Vertrieb, Finanz- und Personalwesen digital über Abteilungsgrenzen hinweg.“

Tools wie Skype for Business, Sharepoint oder das Social Intranet erleichterten die bereichsübergreifende Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams. „Viele der in unserer Produktion im Hintergrund laufenden Steuerungsfunktionen sind digital und laufen über ein unternehmenseigenes Netzwerk. Diese Vernetzung ermöglicht uns zum Beispiel, mit roboterunterstützten Fertigungssystemen und programmierbaren Schraubern zu arbeiten. Das ermöglicht eine lückenlose Dokumentation der Schraubfixierungen.“

Softwarebasierte Assistenzsysteme liefern Informationen und erleichtern Bedienung

Alle Hauptschraubverbindungen, die das Fahrzeug schlussendlich zusammenhalten, würden via WLAN dokumentiert, individuell rückbestätigt und ließen sich damit später bis zum einzelnen Mechaniker zurückverfolgen. Ein wichtiges Instrument, um spätere Reklamationen präzise einordnen zu können und um im Sinne einer lernenden Organisation mit kontinuierlicher Qualitätsverbesserung den Kundennutzen weiter zu erhöhen.

Puhl weiter: „In unserer Produktion machen softwarebasierte Assistenzsysteme die Arbeitsprozesse für unsere Bediener einfacher, sicherer und effizienter. Beispiele dafür sind erweiterte Warn-Systeme, die herannahende Fahrzeuge auch ohne Sichtkontakt erfassen, oder mitdenkende Systeme für optimale Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Hubhöhe in Abhängigkeit von der Ladung.“

Vollintegrierter Bestellprozess

Prokosch von Linde MH weiß ebenfalls über Anwendungsfälle der Digitalisierung zu berichten: „In der Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartnern nutzen wir digitale Services bereits seit über zehn Jahren. Dazu gehört beispielsweise ein vollintegrierter Bestellprozess 24/7 mit Online-Auftragsbestätigung und anschließendem Order Tracking, um schnell und ohne fehleranfällige Medienbrüche untereinander zu kommunizieren.“ Aber auch in der Zusammenarbeit mit Kunden wolle Linde MH die Möglichkeiten der digitalen Transformation stärker nutzen.

„Für uns ist es extrem wichtig, unsere Kunden so nahe wie möglich an uns heranzulassen, indem wir unseren Netzwerkpartnern und zunehmend auch unseren Kunden eine wachsende Zahl an Online Ser­vices anbieten. Dabei hilft uns die digitale Transformation sehr“, beschreibt Prokosch. Eine zentrale Rolle komme den Produkten selbst zu, die ihrerseits die digitale Transformation vorantrieben – beispielsweise durch die Integration der Fahrzeuge in den betrieblichen Datenfluss der Kunden, um Medienbrüche zu vermeiden, Prozesse zu beschleunigen und die wachsenden Datenmengen zum Beispiel durch selbstlernende Maschinen intelligent und gewinnbringend zu nutzen.

Autoterminal komplett virtuell darstellbar

Wollesen von BLG weiß zu berichten, dass das Thema Digitalisierung seit drei Jahren stark im Fokus stehe. Ein Großteil der internen Prozesse laufe bereits digital. „Wir treiben dabei sowohl interne Optimierungsprojekte, wie zum Beispiel im Finanzbereich das Projekt ‚Data Driven Organisation‘, indem wir alle bestehenden Prozesse vor dem Hintergrund der Bedürfnisse der internen Kunden hinterfragen, als auch externe Projekte, bei denen ein Kundenbezug vorliegt, voran.“

In diesem Zusammenhang sei das Forschungsvorhaben ‚Isabella‘ zu nennen. „Wir sind heute in der Lage, den Ist-Zustand unseres Autoterminals in Bremerhaven, eine der größten Automobildrehscheiben der Welt, virtuell auf einem 65-Zoll-Multitouchtisch abzubilden. Ziel ist es einerseits, die Planung zu unterstützen, indem unterschiedliche Szenarien und deren Auswirkungen in Echtzeit abgebildet werden.“ Andererseits werde der Dialog mit dem Fahrpersonal über mobile Endgeräte erleichtert.

Mehr Transparenz und Sichtbarkeit entlang der Lieferkette

Digitale Lösungen sind auch bei der DHL im Einsatz, wie Schwarz erklärt: „Wir setzen bei DHL Supply Chain tatsächlich schon auf eine Vielzahl digitaler Lösungen. Das schließt Prozessautomatisierung, Robotik oder IoT-Lösungen ein, umfasst aber auch künstliche Intelligenz oder die Unterstützung durch virtuelle Realität wie beim ‚vision picking‘, also der Konfektionierung mithilfe einer Datenbrille.“

Ein Thema, das Schwarz aber immer wieder in den Gesprächen mit Nutzern höre, sei der Wunsch nach mehr Transparenz und Sichtbarkeit entlang der Lieferkette. Daten zum Versandstatus, aktuelle Lagerbestände oder die operative Performance, all das seien für Kunden und Logistiker gleichermaßen wichtige Parameter, um die Lieferkette zu optimieren. Auch hier biete DHL Supply-Chain-Plattformen, die es den Kunden erleichtern, ihr Geschäft in Echtzeit zu analysieren.

Internationales Tracking-&-Tracing-System

Zum Thema Digitalisierung im operativen Einsatz sagt Frosch­mayer von Dachser: „Die Effekte der Digitalisierung sehen wir bei Dachser schon lange – und zwar mindestens seitdem wir den offenen Standard EAN eingeführt und damit alle Prozesse, Menschen und Assets miteinander verbunden haben.“ Seit diesem disruptiven Schritt entwickele Dachser die Digitalisierung in einem evolutionären Prozess weiter und schaffe damit zusätzlichen Kundennutzen.

„Wir können beispielsweise ein weltweit verkehrsübergreifendes Tracking-&-Tracing-System in unserer eLogistics-Plattform anbieten, das eine durchgehende Sendungsverfolgung für Land-, Luft- und Seefrachtsendungen ermöglicht. Darüber hinaus eröffnet unsere eigene Transport-Management-Software Othello eine neue Dimension der Datenqualität mit dem Ergebnis von integrierten, transparenten Supply Chains über alle Verkehrsträger hinweg“, weiß Froschmayer zu berichten.

Daten alleine sind wertlos

Er sieht auch noch weitere Bereiche, in denen die Effekte der Digitalisierung aufkommen werden: „Bei Prognoseverfahren auf Basis von Big Data und damit besseren Steuerungsmöglichkeiten, neuen Identifikationssystemen oder beim teilautonomen Fahren im Umschlaglager oder auf dem Betriebshof“, erläutert Froschmayer. Der Grundsatz dabei sei, dass Daten alleine wertlos seien. Erst erfahrene Mitarbeiter könnten Zusammenhänge aus Daten erkennen und daraus Services, Umsätze und Gewinne generieren. Der Mensch bleibe das Regulativ bei der Steuerung von Warenströmen. Menschen bauten die Datenarchitekturen und entwickelten diese zusammen mit den Kunden weiter. Es gehe zunehmend um intelligente Kollaboration.

Fachkräftemangel als Hemmniss

Das heißt für die Zukunft, dass „bei Dachser auch künftig Menschen mit Kunden sprechen werden. Trotz autonomen Fahrens benötigen wir Fahrer, um den direkten Austausch auch mit unseren Kunden zu haben. Wir werden einfachere Arbeiten digitalisieren und damit automatisieren. Aber nicht um Arbeitsplätze abzuschaffen, sondern um sie werthaltiger zu machen“, stellt Frosch­mayer klar.
Die konjunkturelle Lage sehen die Logistiker durchwegs als positiv an, auch wenn es beispielsweise durch (drohende) Handelsbeschränkungen durchaus Eintrübungen gibt oder geben kann. Ein deutlich markanteres Hemmniss sei hingegen der Fachkräftemangel, über den schon lange gesprochen werde, der jetzt aber für die Unternehmen tatsächlich greifbar werde.

Ausbildungsplätze für Mechatroniker

Die Logistiker haben ihre Methoden, um gegenzusteuern, wie Puhl erklärt: „Ein effizientes Employer Branding – sowohl durch Onlinemedien wie auch ‚klassisch analog‘ mit einem neuen Recruitingmobil – und vor allem die fundierte Ausbildung sind wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Nachwuchssicherung.“ Ausbildung sei für Still nicht nur Teil der gesellschaftlichen Verantwortung, sondern strategisch ausgerichtete, qualitative Nachwuchsförderung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels.
Puhl weiter: „Die Tatsache, dass seit dem Jahr 2018 jährlich 40 statt bisher 20 Ausbildungsplätze für Mechatroniker angeboten werden, zeigt unsere in die Zukunft gerichtete Strategie. In jeder Hauptniederlassung wird es künftig einen hauptamtlichen Ausbilder und einen ausgewiesenen Ausbildungsbereich geben.“ Wichtig sei dem Hamburger Unternehmen, gerade jungen Mitarbeitern auf der Grundlage ihrer vier ‚Still-Werte‘ wie ‚Integrität‘, ‚Zusammenarbeit‘, ‚Mut‘ und ‚Exzellenz‘ möglichst früh ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu überlassen, um so persönliche Wertschätzung zu vermitteln.

Ergonomische Ausgestaltung des Fahrerarbeitsplatzes wichtig

Auch bei Linde MH ist der Fachkräftemangel ein Thema, wie Prokosch darstellt: „Die Logistikbranche leidet immer öfter unter dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Nicht zuletzt daraus resultiert das wachsende Interesse an automatisierten Flurförderzeugen, die wiederkehrende Standardaufgaben übernehmen und das Personal auf diese Weise entlasten.“ Daneben sorge eine ergonomische Ausgestaltung des Fahrerarbeitsplatzes, vielfältige Assistenz- und Sicherheitssysteme, mobile Applikationen sowie teilautomatische Lösungen dafür, dass die Logistikmitarbeiter bei ihrer Arbeit immer besser unterstützt würden und ihre Gesundheit langfristig erhalten bliebe. „Wir selbst nutzen unterschiedlichste Initiativen und Programme, um junge Talente für uns zu gewinnen. Dabei kommt uns nicht zuletzt unser Image als Technologieführer zugute“, sagt Prokosch.

Branchenübergriefende Herausforderung

Zum Thema Fachkräftemangel meint Wollesen von BLG: „Wir stehen hier vor den gleichen Herausforderungen wie alle Unternehmen, und zwar branchenübergreifend. Für uns hat es eine hohe Priorität, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und als solcher auch wahrgenommen zu werden, denn nur mit motiviertem Personal, das sich mit der BLG verbunden fühlt, können wir unseren Kunden auch in Zukunft überzeugende Leistungen bieten.“
Die interne Ausbildung und zielgerichtete permanente Weiterqualifikation sei dabei ein ganz we­sentlicher Baustein. Ein Schwer­punkt sei das durchgängige Training der eigenen Führungskräfte, damit diese neben der fachlichen Eignung in der Lage seien, ihre Mitarbeiter wertschätzend, respektvoll und verantwortungsbewusst anzuleiten.

Nachwuchsförderung höchst aktuell

Auch bei der DHL ist das Thema Fachkräfte und Nachwuchsförderung höchst aktuell, wie Schwarz zu erkennen gibt: „Der Mangel an qualifizierten Fachkräften betrifft uns alle in der Logistik. Nicht nur Deutschland oder Europa hat hier ein Problem, fast alle meine Kollegen berichten von vergleichbaren Engpässen in ihren Regionen. Was sich für uns als besonders vielversprechend erwiesen hat, ist ein möglichst breiter Ansatz.“

So habe die DHL Supply Chain schon 2016 begonnen, einen Teil des Recruitings für die Region Mitteleuropa zentral in einem Resourcing Center zu bündeln. „Unsere Teams aus HR-Spezialisten haben dort allein 2017 und 2018 rund 14 000 Bewerbungen gesichtet und rund 1 600 Kandidaten neu eingestellt. Zudem konnten wir so die Zeit zwischen Bewerbung und Neueinstellung halbieren. Aktuell dauert der Prozess im Schnitt nur noch rund 30 Tage“, fährt Schwarz fort.

Nachfrage nach Laderaum übersteigt das Angebot

Daneben wolle die DHL Supply Chain in Deutschland auch die Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern intensivieren. Aber auch Absolventen von Hochschulen und Universitäten sollen noch gezielter angesprochen werden. Schwarz weiter: „Für diese Zielgruppe setzen wir in Deutschland und auch in anderen Ländern verstärkt auf Trainee- und Graduate-Programme. So wollen wir motivierte und qualifizierte Mitarbeiter auf allen Ebenen für unser Unternehmen begeistern. Dabei hilft es sicherlich auch, dass DHL innerhalb der Branche einen guten Ruf genießt.“

Auch Dachser kann sich der Thematik des Fachkräftemangels nicht entziehen, wie Froschmayer erklärt: „Wir beschäftigen kaum eigene Fahrer, so wie andere große Logistikunternehmen auch, sondern arbeiten überwiegend mit selbstständigen Transportunternehmen zusammen. Diesen allerdings fällt es immer schwerer, Fahrer zu finden, insbesondere für den Nahverkehr. Als Folge davon übersteigt die Nachfrage nach Laderaum das Angebot.“

Fuhrparkmanager bestimmen Ablauf für mehr Nachhaltigkeit

Das mache sich zum Beispiel in der Lebensmittellogistik vor Feiertagen schon deutlich bemerkbar. Dachser könne diese Spitzen aktuell noch abfedern, müsse aber kostspielige Reservekapazitäten vorhalten und die vorhandenen Transportkapazitäten immer effizienter nutzen.
Laut Froschmayer habe das Unternehmen die Herausforderungen des Fahrermangels früh erkannt und bilde seit 2014 Berufskraftfahrer in enger Kooperation mit langjährigen Transportunternehmern aus. „Nach der Ausbildung unterstützen wir die Nachwuchsfahrer beim Weg in die Selbstständigkeit oder bei der Übernahme“, führt Froschmayer weiter aus. 45 Auszubildende hätten über diese Initiative bereits ihren Abschluss gemacht und 106 angehende Fahrer starteten im Herbst 2018 neu.

 

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