Unternehmen, die auf der Digitalisierungswelle surfen, sind die Aufsteiger im Umsatz-Ranking der größten deutschen Maschinen- und Anlagenbauer 2017. Die Digitalisierung (Trend 1) befördert den Internet-Handel und damit den Bereich Intralogistik (Trend 2), weil die E-Commerce-Anbieter ihre Produkte oftmals in großen Lagerhäusern vorhalten. „Alle, die an den Trends Digitalisierung, E-Commerce und Intralogistik beteiligt sind oder die in diesem Bereich investieren, profitieren“, sagte Wolfgang Krenz, Partner und Leiter des Sektors Manufacturing Industries bei Oliver Wyman in München, gegenüber Produktion.

Die größte Welle erwischte dabei im vergangenen Jahr der Anbieter von Gabelstaplern und Lagertechnik, die Kion Group. Das Unternehmen aus Frankfurt steigerte seinen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2017. Damit verdrängte Kion erstmals den Maschinenbau-Bereich von Bosch von Rang 2 des Rankings.

"Insbesondere Kion hat sich gut entwickelt", sagte Krenz. Das Unternehmen habe zudem in erheblichem Maße noch andere Firmen hinzugekauft. Dort addierten sich die Effekte durch Merger & Akquisitions und die Tatsache, dass sie in einem boomenden Markt tätig sind. Kion konnte die Bestellzahlen bei Gabelstaplern und Lagertechnik-Geräten um 13 Prozent auf 201.400 Einheiten hochfahren. Der wertmäßige Auftragseingang erhöhte sich um 8,8 Prozent auf 5,859 Milliarden Euro, wobei auch das Servicegeschäft wuchs. Und das Segment Supply Chain Solutions, dessen Aktivitäten unter der Marke Dematic gebündelt wurden, fuhr Aufträge im Volumen von 2,099 Milliarden Euro ein.

Erfolg dank strategischer Partnerschaften

Zudem unterzeichnete Kion-Chef Gordon Riske eine globale Vereinbarung mit dem norwegischen Lagerhaussystemanbieter Auto Store und ging auf dem Gebiet von günstigen Lagertechnik-Produkten eine globale strategische Partnerschaft mit EP Equipment ein, einem führenden chine­sischen Hersteller und Exporteur. Auch in diesem Jahr will die Kion Group die erfolgreiche Entwicklung fortsetzen. So soll der Umsatz 2018 zwischen 7,7 Milliarden und 8,2 Milliarden Euro liegen und das bereinigte EBIT zwischen 770 Millionen und 835 Millionen Euro.

Siemens Anlagentechnik
Für eine Forschungsanlage in Linz hat Siemens das derzeit weltweit größte PEM (Proton Exchange Membrane)-Elektrolysemodul entwickelt. - Bild: Siemens

Auch Jungheinrich lässt sich vom Intralogistik-Trend tragen. Das Hamburger Unternehmen wei­tete seinen Gesamtumsatz von 3,1 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro aus und stieg damit von Rang 13 auf 12 im Maschinenbau-Ranking auf. Jungheinrich steigerte die Bestellungen für Neufahrzeuge einschließlich der für Mietfahrzeuge um 13 Prozent auf 123 000.

Wertmäßig übertraf der Auftragseingang mit 3,56 Mrd Euro den Vorjahreswert um 11 Prozent. Unter dem Strich erhöhte sich im Geschäftsjahr 2017 das Ergebnis um 18 Prozent auf 182 Millionen Euro. Und auch in diesem Jahr wollen die Hamburger ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich erzielen. Der Konzernumsatz soll sich 2018 zwischen 3,6 Milliarden und 3,7 Milliarden Euro bewegen.

Größter Aufsteiger ist Kuka. Im Vergleich zum letzten Maschinenbauranking machte das Unternehmen fünf Plätze gut und stieg von Rang 16 auf Rang 11 auf. In allen Segmenten konnte Kuka starke Umsatzzuwächse verzeichnen und profitierte vor allem von den Trends Automatisierung und Intralogistik.

Weiter aufgestiegen ist auch Maschinen- und Anlagenbauer Dürr, der gute Geschäfte mit Kunden im Automotive-Bereich (Trend 4) sowie mit Möbelherstellern machte. „Alle Geschäfte, die im Jahr 2017 mit dem Bereich Automotive zusammenhingen, sind gut gewachsen“, erläuterte der Oliver-Wyman-Berater Krenz.

Dürr hob den Umsatz trotz des Verkaufs der Ecoclean-Gruppe im vergangenen Jahr von 3,6 Milliarden auf 3,7 Milliarden Euro an und ersetzte damit MAN auf dem 9. Rang. Den größten Beitrag zum Auftragseingang steuerte dabei die im Jahr 2014 erworbene Homag Group bei: Der Weltmarktführer für Holzbearbeitungsmaschinen steigerte die Bestellungen um 17,2 Prozent und lieferte einen Auftragseingang von 1,366 Milliarden Euro.

Duerr, Bietigheim-Bissingen, technology-center
In Bietigheim-Bissingen betreibt Dürr das weltweit größte Technologiezentrum für Lackapplikationstechnik in der Automobilindustrie. Hier werden neue Produkte entwickelt und Lackierprozesse vor dem Großserieneinsatz getestet. - Bild: Dürr

Das Geschäft mit Lackier- und Montagelinien für Autos wuchs mit 10,6 Prozent sogar zweistellig. Auch die steigende Nachfrage nach Produktionstechnik für Elektroautos trug zum guten Auftragseingang des Konzerns bei. In diesem Jahr plant der Maschinenbauer erneut einen steigenden Umsatz: Dieser soll zwischen 3,7 und 3,9 Milliarden Euro liegen.

Abgestiegen im aktuel­len Ranking ist der Maschinenbau-Bereich von MAN. Dessen Umsatz reduzierte sich von 3,6 auf 3,3 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass MAN von Platz 9 auf 13 abrutscht. "Bei MAN handelt es sich um den Bereich, der früher Diesel & Turbo hieß, sowie den Getriebehersteller Renk", erläuterte Krenz. Renk ist dabei der kleinere Teil, der jedoch auch einen Rückgang des Umsatzes zu verzeichnen hatte.

MAN Energy Solutions hat starke Geschäftsbeziehungen mit der Schifffahrtsbranche und insbesondere mit der Frachtschifffahrt. "In dieser Branche ist der Kreuzschifffahrts-Bereich jedoch das einzige Wachstumssegment", meint Krenz. Alles andere sei schwierig. Deshalb bewege sich MAN Energy Solutions seit einiger Zeit in einem sehr schwierigen Marktumfeld.

Europäische Hersteller leiden unter Auktionssystem

Einen Rückgang der Einnahmen musste auch der Windkraftanlagenhersteller Nordex verzeichnen, der nur noch 3,1 Milliarden Euro statt 3,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete. Damit rutschen die Hamburger von Rang 11 auf 14 ab. In der Branche wurde ein neues Auktionssystem eingeführt, das die alten Einspeisetarife ablöste. Auch in anderen Ländern wurden Ausschreibungssysteme etabliert, in Deutschland kommt noch eine Deckelung hinzu. Darunter würden die Hersteller in Europa leiden, so Krenz.

Die Neuaufträge von Nordex gingen 2017 um 33 Prozent zurück: Das Volumen betrug nur noch 2,2 Mrd Euro. Rund 90 Prozent der Aufträge kamen dabei von internationalen Märkten. Das Jahr 2018 sieht Nordex als herausfordernd an und erwartet, dass der Umsatz weiter sinkt: und zwar auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro. "2017 haben wir uns konsequent auf das herausfordernde Umfeld vorbereitet", sagte Nordex-CEO Jose Luis Banco. Sie würden ihre Kunden in die Lage versetzen, Auktionen in allen wichtigen Volumen- und Wachstumsmärkten zu gewinnen.

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Dritter Absteiger ist die SMS Group, die einen Rückgang des Umsatzes von 3,1 Milliarden auf 2,9 Milliarden Euro verkraften musste. Dies führt dazu, dass die Gruppe von international tätigen Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus für die Stahl- und Nichteisen-Metallindustrie Platz 14 aufgeben musste und auf dem 17. Platz landete.

Um sich an ein weltweit niedriges Marktvolumen im metal­lurgischen Anlagenbau anzupassen, baut SMS Überkapazitäten ab und senkt Sach- und Materialkosten. Die Zahl der Mitarbeiter soll von rund 4 150 bis zum Jahr 2020 um 500 Beschäftigte gesenkt werden. 300 Stellen sollen dieses Jahr abgebaut werden. Trotz der schwierigen Marktsituation schaffte es die SMS Group, den Auftragseingang leicht von 2,68 Milliarden auf 2,87 Milliarden Euro anzuheben. Auch das Ergebnis vor Steuern lag mit 23 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert von 14 Millionen Euro.

Hohe Nachfrage nach Industrie-4.0-Lösungen erhöht Umsatz

Erstmals in dem Ranking der 20 größten Maschinen- und Anlagenbauer Deutschlands vertreten sind die deutschen Unternehmen Zeiss und Körber.

Der Umsatz von Zeiss im Maschinenbau-Bereich schnellte von 2,4 Milliarden auf 2,8 Milliarden Euro nach oben. Der Konzern aus Oberkochen belegt somit Platz 19 im Umsatz-Ranking. Zeiss reitet auf der Digitalisierungswelle und ist speziell im Halbleiter-Bereich stark gewachsen. Wachstumstreiber in der Sparte Research & Quality sind unverändert die Automobilindustrie und eine hohe Nachfrage nach Industrie 4.0-Lösungen. Die Sparte Semiconductor Manufacturing profitiert von Kapazitätsausweitungen der Halbleiterfabriken und wächst um 35 Prozent.

Körber hat sich mit Zukunftsmärkten beschäftigt und gezielt Firmen in diesem Bereich akquiriert. Sie investierten zum Beispiel im Bereich Intralogistik, aber setzen auch auf verschiedene Aktivitäten im Bereich Digital.

"Die M&A-Aktivitäten, die wir in diesem Segment sehen, sind nicht Konsolidierung, es sind alles expansive Schritte", sagte Krenz, "also Arrondierung des Portfolios sowie Erschließen von neuen Fähigkeiten sowie von Digitalisierungs-Kompetenz." In diesem Bereich schließen sich nicht zwei große Unternehmen zusammen, um Kosten zu sparen. Diese Firmen würden sich in einer Wachstumssituation befinden.

2017 hatte Körber die Systec & Services GmbH im Bereich Pharma-Systeme und den US-amerikanischen Spezialisten für Supply-Chain- und Cloud-Lösungen High Jump übernommen. Körber realisierte im vergangenen Jahr eine Steigerung des Umsatzes von 2,2 Milliarden auf 2,6 Milliarden Euro und sicherte sich damit Platz 20 im Maschinenbau-Ranking.

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