Präzisionswerkzeuge

Ganz genau: Präzisionswerkzeuge sind Maschinenwerkzeuge, die in allen Bereichen der Metallbearbeitung, beispielsweise Automobil-, Flugzeug- oder Elektroindustrie, eingesetzt werden. Das Produktspektrum umfasst die Bereiche Zerspanwerkzeuge, Spannzeuge und Werkzeugbau. - Bild: Kara - stock.adobe.com

1. Die Folgen der Elektromobilität

Es ist ein Beispiel für eine Meinung, die sich gerade in weiten Teilen der Industrie durchsetzt: Trotz der Begeisterung der Amerikaner für SUVs und schwere Pick-up-Trucks wird sich nach Einschätzung von VW-Vorstand Jürgen Stackmann die Elektromobilität in den USA durchsetzen. 

„Wir gehen fest davon aus, dass vor allem in den amerikanischen Ballungsräumen die Elektrifizierung schnell vorankommt“, sagte der Vertriebschef der Kernmarke VW Pkw auf der Automesse in Detroit. Bis 2020 will VW mit der elektrischen ID-Modellfamilie auf dem Markt sein – den Auftakt macht das SUV-Modell ID Crozz. Ähnlich ist die Lage in China. Der Staat forciert die Weiterentwicklung der Elektromobilität, Elektroautos werden begünstigt.

Wer schon einmal in einer chinesischen Großstadt wie Peking war, kennt das Problem: An vielen Tagen im Jahr wabert Smog durch die Hochhausschluchten. Schuld daran ist auch der dichte Straßenverkehr. Schon seit geraumer Zeit versuchen die Chinesen, Abhilfe zu schaffen.

Mittel zum Zweck ist unter anderem die starke Förderung von Elektroautos, also lokal emissionsfreien Fahrzeugen. Getreu dem Motto Zuckerbrot und Peitsche macht die chinesische Regierung Druck auf chinesische wie internationale Hersteller. Von Jahresbeginn 2018 an ist die Produktion von 533 Automodellen verboten. Alle betroffenen Modelle erfüllen nicht die Vorgaben für niedrigen Spritverbrauch. So die Begründung des chinesischen Amts für Fahrzeugtechnik in Peking.

Branche analysiert Folgen der E-Mobility

Die beiden Beispiele zeigen, dass die Elektromobilität im Kommen ist. Und was das betrifft, ist sich die Präzisionswerkzeug-Branche einig: Rein batterieelektrische Fahrzeuge benötigen weniger Werkzeuge in der Fertigung. „Jedem von uns ist das bewusst“, betonte Lothar Horn, VDMA Vorsitzender Präzisionswerkzeuge und Vorsitzender der Fachabteilung Wendeschneidplatten. „Deshalb analysieren wir die vor uns liegenden Marktveränderungen in der VDMA-Studie ‚Antrieb im Wandel‘ derzeit intensiv und erwarten in Kürze die ersten Ergebnisse.“

Schwerpunkt der Studie ist die Entwicklung von Marktszenarien für zukünftige Antriebskonzepte für Autos, Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen. Im Fokus sind dabei die Märkte Nordamerika, Europa und Asien bis ins Jahr 2030. Aus diesen Szenarien will der Verband Schlussfolgerungen für die in Zukunft im Antriebsstrang verwendeten Komponenten und Anforderungen an die Fertigungsprozesse ableiten. „Darüber hinaus ist der Aufbau eines Monitoring-Systems in Planung, das für eine kontinuierliche Aktualisierung sorgt“, erklärt Horn.

"Der für die Batterien erwartete Kobaltbedarf hat den Preis für diesen Rohstoff 2017 explodieren lassen." - Lothar Horn, Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge

Ohnehin hat die Elektromobilität schon heute einen negativen Effekt auf die Branche. Die Lithium-Ionen-Akkus der Elektroautos benötigen Kobalt. Das ist eben jener Rohstoff, den die Präzisionswerkzeug-Branche für die meisten ihrer Werkzeuge benötigt.

„Und das in großen Mengen. Der für die Batterien erwartete Kobaltbedarf hat den Preis für diesen Rohstoff 2017 explodieren lassen“, berichtet Horn. Auch andere für die Werkzeugindustrie wichtige Rohstoffe, wie zum Beispiel Wolfram oder Tantal, sind im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden.

Marco Schülken, Vorsitzender des VDMA Werkzeugbaus, sieht aber nicht nur Negatives, sondern auch durchaus Chancen für die Branche. „Die Unternehmen werden viel Infrastruktur, sprich Ladesäulen, aufbauen müssen“, so Schülken. Und vieles davon werde aus Blech hergestellt, wofür die Hersteller wiederum Umformwerkzeuge benötigen.

2. Kampf um Fachkräfte

Kaum eine Branche, die nicht über Fachkräftemangel klagt. Kann es da bei den Präzisionswerkzeugen anders sein? Fakt ist: 2017 übertraf die Branche die selbst gesetzten Wachstumsprognosen.

„Es freut uns natürlich sehr, dass 2017 für viele Unternehmen unserer Branchen so gut gelaufen ist, dass wir – auf Basis der amtlichen Daten der ersten neun Monate und unserer eigenen Auftragseingangsstatistik – mittlerweile damit rechnen können, ein Umsatzwachstum von 7 Prozent erreicht zu haben“, berichtet Lothar Horn. Damit hat das Umsatzvolumen der Präzisionswerkzeuge die 10-Milliarden-Euro-Marke signifikant überschritten. Wachstumstreiber war das Ausland.

Inlandsnachfrage zog an

Auch im Inland zog nach einer langen Stagnations-Phase bei den Zerspanwerkzeugen und Spannzeugen die Nachfrage moderat an. „Der Wachstumsschub sorgt für zusätzlichen Bedarf an Fachkräften“, sagt Horn. „So hat sich erfreulicherweise der Personalbestand seit Ende 2016 erhöht, aber auch der Fachkräftemangel weiter verschärft.“

Ein Indiz: Die steigende Zahl der Überstunden in der Branche. Operierte im vergangenen Jahr jeder dritte Zerspanwerkzeughersteller mit Überstunden, erwartet fast die Hälfte der Unternehmen für 2018, dass Überstunden notwendig werden. Nahezu die Hälfte der Unternehmen stellte 2017 neue Mitarbeiter ein, die andere entließ zumindest keine Angestellten.

„Einen Beschäftigtenrückgang verzeichnete nur ein einstelliger Prozentsatz der befragten Unternehmen. Aufgrund des heute schon akuten Fachkräftemangels ist man für 2018 skeptisch, ob ein weiterer Personalaufbau gelingen kann“, erklärt Horn. Nur noch jedes vierte Unternehmen erwarte deshalb weitere Einstellungen. Entlassungen stünden bei keinem Unternehmen zur Diskussion.

"Die Branche Spannzeuge musste 2017 überdurchschnittlich viel mit Überstunden operieren." - Hans Joachim Molka,stellvertretender Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge

Kaum anders die Situation in der Sparte Werkzeugbau. „Der Mitarbeiterbedarf stieg 2017 nochmals weiter an. Mehr als die Hälfte stockte Personal auf. Die Planungen für 2018 zeigen ein ähnliches Bild“, sagt Marco Schülken, Vorsitzender VDMA Werkzeugbau.

Hans Joachim Molka, stellvertretender Vorsitzender des VDMA Präzisionswerkzeuge und Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge, berichtet, dass die Lage in seiner Sparte ähnlich sei. „In Anbetracht des Wachstums musste die Branche Spannzeuge 2017 überdurchschnittlich viel mit Überstunden operieren. 86 Prozent der befragten Unternehmen hatte entsprechenden Bedarf“, so Molka. „Auch den Personalstand haben über 80 Prozent der Unternehmen erhöht, wenn auch nicht in dem gewünschten Umfang, da Fachkräfte nicht immer zu bekommen waren.“

Insbesondere in Baden-Württemberg hat es die Präzisionswerkzeug-Branche schwer, Nachwuchs beziehungsweise Fachkräfte zu finden.

3. Geregelte Unternehmensnachfolge

In der Präzisionswerkzeug-Branche gibt es offensichtlich nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern bald auch einen Arbeitgebermangel. „Für die Werkzeugbaubranche ist das Thema Unternehmensnachfolge in der Breite nach wie vor ungelöst“, sagt Schülken, Vorsitzender ­VDMA Werkzeugbau. So stehe eine ganze Gründergeneration altersbedingt vor dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und finde keinen Nachfolger.

„Die Szenarien reichen von einer Konsolidierungswelle bis hin zum Verlust des Know-hows durch Unternehmensaufgaben und Abwicklungen“, berichtet Schülken. Das Worst-Case-Szenario: Deutsche Betriebe werden von ihren chinesischen Konkurrenten übernommen.

Weder von Chinesen gekauft, noch von einem deutschen Wettbewerber geschluckt wurde Mapal. Beim mittelständischen Familienunternehmen gelang der Generationenwechsel.

Zum 1. Januar 2018 hat Dr. Dieter Kress die Geschäftsführung des Unternehmens in die Hände seine Sohnes Dr. Jochen Kress gelegt. Schon anlässlich seines 75. Geburtstags hatte Dieter Kress angekündigt, sich mehr und mehr aus dem Tagesgeschäft zurückziehen zu wollen.

Nach 49 Jahren an der Spitze von Mapal hat sich Dieter Kress nun zum Jahreswechsel aus der Geschäftsführung des Unternehmens zurückgezogen. „Natürlich bin und bleibe ich eng mit Mapal verbunden und stehe meinem Sohn beratend zur Seite“, bekräftigt Dieter Kress.

Nachfolge schon lange geregelt

Seine Nachfolge war schon lange geregelt. Sein Sohn Jochen Kress ist seit 1. Januar 2018 geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Gruppe.

Damit bleibt die Firma, was sie immer war: Ein Familienunternehmen. Jochen Kress, Jahrgang 1975, studierte Maschinenbau an der TU Dresden. Einem anschließenden MBA-Studium (Master of Business Administration International Management) an der Handelshochschule Leipzig folgte 2007 seine Promotion.

Jochen Kress verfügt über umfangreiche internationale Erfahrungen insbesondere in Amerika und Asien. Bereits seit 2008 gehört er der Geschäftsleitung von Mapal an. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert er sich in Lehre, Forschung und Verbänden.

Nicht leicht die Verantwortung abzugeben

„Natürlich fiel es mir nicht leicht, die Verantwortung für Mapal, die ich so lange getragen habe, vollständig abzugeben“, gesteht Dr. Dieter Kress.

Allerdings: „Ich weiß das Unternehmen bei meinem Sohn in den besten Händen. Er hat in den vergangenen Jahren mehr und mehr Ressorts übernommen und sich als mein Nachfolger bewährt.“ So sei er beispielsweise froh, dass sein Sohn Themen wie die Digitalisierung intensiv angehe.