Plattform

Weltweit werden Business-Plattformen in der Industrie immer mehr genutzt. - Bild: Pixabay

„Plattformen sind Ökosysteme. Sie beruhen auf der Cloud-Technologie, haben jedoch das spezifische Ziel, ökonomischen Nutzen zu erzielen“, sagt Volker Schnittler, Referent für Software und Digitalisierung beim VDMA. Dabei bietet der Anbieter der Plattform einerseits Rechnerkapazität zur Verarbeitung der Transaktionen auf der Plattform an.

Zum anderen stellt er Entwicklungs- und Betriebswerkzeuge zur Verfügung, welche es dem Anbieter auf der Plattform ermöglichen, die von ihm angebotenen Services individuell anzubieten. „Ein erfolgreiches Plattformangebot muss attraktive Lösungen für operative Aufgabenstellungen seiner Nutzer zur Verfügung stellen. Damit das notwendige, initiale Wachstum der Plattform sichergestellt wird, müssen die Einstiegshürden für die Nutzung niedrig sein“, so Schnittler weiter.

Oft wird aus diesem Grund ein Basisangebot zu einem sehr niedrigen Preis angeboten, welches dann durch zusätzliche, teurere Zusatzangebote ergänzt wird. Für den Nutzer der Plattform bietet sich damit die Möglichkeit, schnell und ohne eigene Entwicklungskosten auf Funktionalität zuzugreifen, die seine Geschäftsprozesse unterstützt und vereinfacht.

Der Grad der Informationssicherheit richtet sich danach wie Geschäftskritisch die angebotenen Services der Plattform sind: „So sind etwa im Zahlungsverkehr durchaus Lösungen denkbar, die sich der Blockchain-Technologie bedienen“, sagt der VDMA-Experte. Die Anwendungen für Plattformen decken einerseits Aufgabenstellungen des Transfers von Finanz-, Logistik-, Produktions- und Serviceinformationen ab, zum anderen werden Analysen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen aus vielfältigen Datenquellen angeboten.

IBM Watson
Mit dem Watson IoT-Headquarter in München beschreitet IBM vollkommen neue Wege der Zusammenarbeit: So werden in so genannten Collaboratories – eine Zusammensetzung aus den Worten ‚Collaboration’ und ‚Laboratories’ – IBM-Experten gemeinsam mit Kunden, Partnern und Forschungseinrichtungen an neuen kognitiven Technologien und Lösungen arbeiten. Diese offene, unternehmens- und grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird damit gleichzeitig zur Keimzelle eines neuen Ökosystems für Innovation. - Bild: IBM

Platzhirsche vs. Newcomer

Aktuell werden Plattformen einerseits von den Anbietern bereitgestellt, die sich bereits im B2B-Geschäft etabliert haben, wie beispielsweise die Web Services von Amazon oder Azure von Microsoft. Doch auch neuere Angebote von IT-Firmen wie Watson IoT von IBM oder Industrial Cloud Service Platform von M&M Software und von Maschinen- und Anlagenbauern wie MindSphere von Siemens oder Axoom von Trumpf sind im Markt vertreten - und es kommen ständig neue dazu.

„Der Maschinen- und Anlagenbau adressiert mit derartigen Angeboten vor allem seine Kunden, die als Nutzer von Investitionsgütern aus unterschiedlichsten Industriebranchen und vom Großkonzern bis hin zum Handwerksbetrieb stammen können. Da das Thema noch sehr am Anfang seiner Entwicklung steht, gibt es dazu noch keine belastbaren Statistiken“, berichtet Volker Schnittler.

B*L
Baumaschinenanbieter B+L der richtige Ansprechpartner. An fünf Standorten im Norden Deutschlands sorgen insgesamt rund 100 Mitarbeiter für Qualität und Zuverlässigkeit bei Verkauf, Vermietung und Service rund um das Thema Bau. Durch die Migration auf die Azure Plattform verfügt B+L über eine leistungsstarke und hochverfügbare IT-Infrastruktur, die einfach und schnell an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden kann. Mit der Enterprise Mobility + Security Suite wird sicheres Zusammenarbeiten auf mobilen Endgeräten möglich und damit die Mobilität der Mitarbeiter erhöht. - Bild: B+L

Plattform der Windows-Macher

Microsoft Azure ist eine am Markt etablierte Sammlung integrierter Clouddienste, die ständig erweitert wird. Entwickler und IT-Profis nutzen Azure, um Anwendungen über das globale Microsoft-Netzwerk aus Rechenzentren zu erstellen, bereitzustellen und zu verwalten. Azure bietet ihnen die Freiheit, Apps an jedem beliebigen Ort zu erstellen und bereitzustellen und dabei die Tools, Anwendungen und Frameworks Ihrer Wahl zu verwenden.

Sicherheit und Privatsphäre waren dabei von Anfang an in die Azure Platform integriert: Der Security Development Lifecycle (SDL) sorgt in jeder Phase der Entwicklung für Sicherheit – von der Anfangsplanung bis zur Freigabe Ihrer Lösung. Darüber hinaus wird Azure ständig aktualisiert, um die Kundenlösungen noch sicherer zu machen.

Darauf vertraut auch der in Hamburg ansässige Baumaschinenanbieter B+L. Nach einem Totalausfall der IT-Services kommt jetzt eine maßgeschneiderte Cloud-Strategie auf Basis von Microsoft Azure zum Einsatz, die hochverfügbare und leistungsstarke IT-Services an allen Standorten gewährleistet. Doch die bessere Performance ist nicht der einzige Vorteil der neuen Lösung.

„Die Mitarbeiter können jetzt dank Single-Sign-on viel einfacher von zuhause aus arbeiten“, sagt Stephan Wedler, IT-Systemadministrator bei B+L. Denn die Enterprise Mobility + Security Suite von Microsoft bietet zahlreiche Lösungen, mit denen die B+L-Unternehmensdaten vor Angriffen geschützt und mobile Geräte zentral verwaltet werden können.

Lösung aus dem Maschinenbau

Als digitale Geschäftsplattform mit maßgeschneiderten Bausteinen entlang der Wertschöpfungskette versteht sich Axoom, 2015 vom Maschinenbauer Trumpf gegründet. Axoom adressiert das Problem steigender Komplexität in der produzierenden Industrie, beispielsweise aufgrund sinkender Losgrößen.

Axoom
Die Möglichkeiten des Axoom IoT-Portfolios macht sich beispielsweise der Axoom-Partner Zeiss zunutze. Der weltweit tätige Technologiekonzern war auf dem Axoom-Messestand in Hannover mit einer vernetzten Lösung für die mehrdimensionale Messtechnik vertreten. Das Fertigungsmessgerät Zeiss DuraMax hat in diesem Fall die Präzision von Blechteilen gemessen, die zuvor auf dem Trumpf Lasersystem TruLaser Cell 3000 geschnitten worden sind. Die Daten wurden direkt in einem Analyse-Dashboard sichtbar. In Kooperation mit Trumpf und Axoom demonstrierte Zeiss so, wie Messgeräte in übergeordnete Systeme – etwa die Fertigungsfeinplanung oder automatisierte Qualitätsmeldungen – eingebunden und damit Teil einer Smart Factory werden können. - Bild: Axoom

„Mit Axoom schauen wir über den eigenen Tellerrand hinaus und machen uns für eine neue, digitale, offene Geschäftsplattform stark, die die gesamte Wertschöpfungskette umfasst, und zwar herstellerunabhängig. Maschinen und Systeme unterschiedlicher Produzenten arbeiten intelligent zusammen – das ist die Zukunft“, sagte Dr.-Ing. Mathias Kammüller, Chief Digital Officer und Geschäftsführer der Trumpf GmbH beim Start der Plattform Ende 2015.

Mathias Kammüller
Trumpf-Geschäftsführer und CDO Mathias Kammüller: „Mit Axoom schauen wir über den eigenen Tellerrand hinaus und machen uns für eine neue, digitale, offene Geschäftsplattform stark, die die gesamte Wertschöpfungskette umfasst, und zwar herstellerunabhängig.“ - Bild: Trumpf

Axoom solle nicht an Fabrikmauern Halt machen, sondern Nutzer durchgängig unterstützen, vom Lieferanten bis zum Kunden. Die Macher von Axoom wollen den Nutzern helfen, Prozessschritte in der Fertigung zu vereinfachen, sie zu synchronisieren und die Gesamtproduktivität auf ein ganz neues Niveau zu heben.

Mit Axoom IoT erweitert der Plattform-Anbieter sein Produktspektrum in Richtung Maschinen und Komponentenhersteller. Das bedeutet: Das Angebot der horizontalen Vernetzung aller Prozessschritte vom Auftragseingang bis zur Auslieferung, das bei Axoom Smart Enterprise heißt, wird ergänzt um die vertikale Vernetzung vom Sensor bis in die Cloud. Axoom IoT bietet dabei in vier Bereichen Mehrwerte: Das IoT-Management mit dem Connection Center hilft Maschinenherstellern ihre Geräte im Feld anzubinden und zu verwalten, um die Verfügbarkeit und den Service zu verbessern.

Der Baustein Condition Monitoring überwacht das Verhalten von Maschinen und Komponenten und macht deren Zustand transparent. Mit Remote Services werden drittens Konfigurationen, Software-Updates und Fehlerbehebungen aus der Ferne möglich, der Instandhaltungsaufwand sinkt. Der vierte Bereich Analytics schließlich analysiert Daten mit Blick auf Verbesserungspotenziale, um die Produktivität zu steigern.

IoT-Potential ausloten

Satte 200 Millionen US-Dollar hat IBM in den globalen Hauptsitz des neuen Geschäftsbereichs ‚Watson IoT’ in München investiert. Watson IoT soll die technischen und wirtschaftlichen Potenziale für das Internet der Dinge weiter ausloten. Insgesamt werden in München rund 1000 IoT-Experten von IBM gemeinsam mit Partnern und Kunden an einer neuen Generation vernetzter Lösungen an der Schnittstelle von Cognitive Computing und IoT arbeiten.

Ziel ist es, über kognitive Fähigkeiten vernetzte Geräte, Systeme und Sensoren intelligent zu machen sowie neue Marktchancen zu erschließen. Die neuen Lösungen werden über die IBM Watson IoT Cloud als globale Plattform verfügbar sein. „Wir haben mittlerweile in unserem Geschäftsbereich weltweit über 6000 Kunden und Partner, von denen sehr viele mit uns im Watson IoT Center zusammenarbeiten wollen“, sagt Harriet Green, General Manager, IBM Watson IoT, Cognitive Engagement and Education. „Gemeinsam werden wir ein neues globales Ökosystem für Innovation auf den Weg bringen, in dem erforscht wird, wie kognitive und IoT-Technologien ganze Branchen und unser tägliches Leben verändern.“

Siemens Mindsphere
Siemens möchte das offene IoT-Ecosystem MindSphere noch im Jahr 2017 auf der Microsoft Cloud-Plattform Azure verfügbar machen, dazu Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. "Die Integration von Siemens MindSphere und Microsoft Azure fördert Geschäftsmodellinnovationen und bietet Kunden zukünftig mehr Flexibilität und Wahlmöglichkeiten. Sie unterstützt Fertigungsunternehmen dabei, ihre digitale Transformation erfolgreich mit Public-Cloud-Lösungen voranzutreiben und die Potenziale von IoT-, Big-Data- und Machine-Learning-Anwendungen voll auszuschöpfen.“ - Bild: Siemens

Als Datenplattform für das digitale Unternehmen ist Siemens mit ‚MindSphere – Siemens Cloud for Industry’ ins Rennen gegangen. Mit der offenen Plattform möchte Siemens Unternehmen eine kostengünstige virtualisierte Datenverwaltung zur Verfügung stellen. MindSphere verbindet die reale Produktion mit der virtuellen Welt. Dabei werden zunächst alle durch den Kunden definierten Daten eines Unternehmens erfasst und in festgelegten zeitlichen Abständen an die MindSphere übertragen.

Anschließend werden die Daten analysiert und die für die Optimierung relevanten Daten zur Verfügung gestellt. Mit diesen sogenannten ‚Smart Data’ lässt sich die Effizienz der Produktion steigern und das gesamte Potenzial der Anlage nutzen. Für die Erfassung, Übertragung, Speicherung und Verarbeitung der Daten werden nur die neuesten Sicherheits- und Verschlüsselungs-Technologien eingesetzt.

Video: MindSphere – The open IoT operating system

 

Zudem werden die Daten beispielsweise auf Servern in Rechenzentren von SAP in Deutschland gehostet, wo für alle Kunden die gleichen strengen Sicherheits- und Datenschutzstandards gelten. Gerade im Bereich ‚Digitalisierung’ bietet die Anbindung an das cloudbasierte, offene IoT-Betriebssystem MindSphere Fertigungsunternehmen interessante Möglichkeiten.

Mit Manage MyMachines etwa stellt Siemens seine erste MindSphere-Applikation für die Werkzeugmaschine vor. Mit Manage MyMachines erhält der Maschinenbetreiber Cloud-basiert einen Überblick über wichtige Daten und Betriebszustände seiner Maschine Durch die erhaltene Transparenz kann er kurzfristig reagieren und seine Produktion optimieren. "Die Digitalisierung wird die gesamte Werkzeugmaschinenindustrie gravierend verändern und nach vorne bringen.

Die völlig neuen Möglichkeiten durch die Verknüpfung der digitalen mit der realen Welt ermöglichen deutliche Produktivitätsschübe und völlig neue Geschäftsmodelle. Das gilt für Maschinenbauer ebenso wie für Maschinenbetreiber. Und es gilt für kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie für die Großen der Branche. Digitalisierung ist der zentrale Wachstums- und Profitabilitätstreiber für die Werkzeugmaschinenbranche im In- und Ausland" sagt Dr. Wolfgang Heuring, CEO der Siemens Business Unit Motion Control.