BMW Group
(v.l.n.r.) Anette Farrenkopf, Geschäftsführerin des Jobcenters München; Milagros Caiña-Andree, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Personal- und Sozialwesen, Arbeitsdirektorin; Manfred Schoch, Gesamtbetriebsrat der BMW AG und Dr. Markus Schmitz. - Bild: BMW

Verfügt man nicht über die Ressourcen einer BMW, könnte das mittelständische Unternehmen Rittal ein geeigneteres Vorbild sein. Die Herangehensweise des Rittal-Teams beschreibt Hensgen als ‚pragmatisch‘. So stellte sich anfangs beispielsweise heraus, dass unter den Praktikumsanwärtern Ärzte, Pflegerinnen oder Friseure waren, die sich aus Höflichkeit oder mangelnden Sprachkenntnissen eingefunden hatten: „Da wir nicht wussten, wie man die Kandidaten einschätzen sollte, haben wir sie erst einmal zu einer Woche Probearbeiten eingeladen“, erinnert sich Hensgen. Acht Kandidaten blieben und absolvierten das 3-monatige Praktikum, flankiert von Deutschunterricht direkt an der Werkbank.

„Ohne Fachbegriffe kommt man nicht weiter, da muss sich auch in den Deutschkursen noch einiges tun“, sagt Hensgen. Zwei junge Männer übernahm Rittal in die Ausbildung, die anderen erhielten ein Zertifikat, das ihnen wiederum zu Jobs bei anderen Arbeitgebern verhalf. „Jetzt sind wir beim zweiten Durchgang. Wir sehen sprachbedingt einen erhöhten Betreuungsbedarf bei unseren Flüchtlingen, doch überwiegen die positiven Erfahrungen. Das sind durchweg höfliche, disziplinierte junge Menschen“, betont Hensgen.

BMW: Work Here!

  • Voraussetzungen: Deutsch Level A2 (Grundlegende Kenntnisse), erste berufliche Erfahrungen, seit max. 4 Jahre in Deutschland
  • Bundesagentur für Arbeit berät zu rechtlichen Fragen, wie Lohnzahlung, Zulassungskontrolle, Matching der Teilnehmer …
  • Auswahl der geeigneten Fachabteilungen und Mentoren
  • 2 Tage interkulturelles Training ‚Leben und Arbeiten in Deutschland‘
  • 9 Wochen Mitarbeit in den Fachabteilungen, täglich 6 Std.
  • Sprachkurs: täglich 2 Stunden in Kleingruppen
  • ½ Tag Bewerbungstraining
  • Fachliche Zusatzqualifizierung (wie zum Beispiel MS-Office)
Lapp
Laut IW Consult beschäftigen etwa sieben Prozent der deutschen Unternehmen Flüchtlinge oder haben dies in den vergangenen fünf Jahren getan. - Bild: Lapp

Der Kabelhersteller Lapp wiederum bildete einen Eritreer aus, ohne dabei an ein Integrationsprojekt gedacht zu haben. Tedros Gebru stammte einfach aus Asmara, so wie ein anderer Kollege eben aus Ludwigsburg kommt. Doch im Rahmen der Flüchtlingsdiskussion entschloss sich die Familie Lapp, systematischer vorzugehen.

Die IHK unterstützt das Unternehmen inhaltlich und finanziell bei der Vorqualifizierung der Asylanten im Unternehmen, die zwischen sechs und zwölf Monaten dauern kann. „Jobsuchende Flüchtlinge kommen nicht nur über die Bundesagentur für Arbeit zu uns, es fragen auch Flüchtlinge über private Kontakte, Schulen oder Helfer-Initiativen nach“, berichtet Thilo Lindner, Technischer Ausbilder im Suttgarter Kabelwerk. Auch bei Lapp werden die Interessenten erst einmal auf technisches Grundverständnis, Teamfähigkeit und Sprachkenntnisse getestet. Ist diese Hürde bestanden, sieht Lindner keine gravierenden Probleme bei der Integration.