Gruppe BMW
Verfügt man nicht über die Ressourcen einer BMW, könnte das mittelständische Unternehmen Rittal ein geeigneteres Vorbild sein. Die Herangehensweise des Rittal-Teams beschreibt Hensgen als ‚pragmatisch‘. - Bild: BMW

Noch handelt es sich um vereinzelte Aktivitäten. Die erfolgreiche Integration von Hunderttausenden ist damit nicht erreicht. „Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass sich seitens der Unternehmen so wenig tut“, so Hensgen, „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es kann nicht sein, dass jeder Kreis auf sich alleine gestellt bleibt.“ Er hofft, dass künftig die Arbeitsagenturen und Kammern aktiv auf die Unternehmen zugehen, um die Menschen schneller und besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Rittal & Hessen: Chance Arbeitsmarkt

Das Projekt ‚Chance Arbeitsmarkt‘ ist ein durch das Land Hessen gefördertes Modellprojekt im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit des Lahn-Dill-Kreises und des Landkreises Limburg-Weilburg.

  • Die beiden kommunalen Gesellschaften GWAB und GAB führen Checks und Erstgespräche mit allen dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehenden Flüchtlingen durch. Neigungen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Bildungsstatus werden in standardisierten Profilen in einer Datenbank abgelegt. Auf die Datenbank greifen Arbeitsagenturen zu. So können auch kleineren Unternehmen Kandidaten zugeführt werden. GWAB und GAB führten bereits über 1 000 Interviews
  • Kompetenzfeststellung als Grundlage einer Handlungsplanung
  • Individuelle arbeitsmarktbezogene Qualifizierungsmaßnahmen bei GWAB und GAB sowie Kooperationsbetrieben

Einer, der sich zu wenig unterstützt fühlt, ist Dr. Christoph Fleig, Geschäftsführer von Volz, einem 400 Mann starken Hersteller von Rohrverschraubungen. „Wir würden gerne Flüchtlinge in unser Unternehmen integrieren. Wir hätten sogar arabisch-sprachige Mitarbeiter, die dabei helfen würden.“ Allerdings sei der bürokratische Aufwand enorm und aus seiner Sicht für kleinere Unternehmen nicht zu leisten. „Es fehlt an Rechtssicherheit und anfänglicher finanzieller Unterstützung“, ergänzt Fleig.

Im südlichen Baden-Württemberg herrsche Vollbeschäftigung. Nicht nur in der Zulieferindustrie, auch in pflegerischen oder haushaltsnahen Bereichen würde weniger Bürokratie allen Beteiligten helfen. Hensgen kann das nachempfinden: „Handwerker oder kleine Unternehmen sind sicherlich überfordert, sich durch den Formulardschungel hindurchzuarbeiten.“

Unternehmen können Hilfe bei Integration annehmen

Eikemeier hingegen sieht seitens der Arbeitsagenturen keine Hürden: „Will ein KMU etwas für die Integration tun, können wir ihm gerne weiterhelfen. Der Arbeitgeberservice vor Ort berät über die unterstützenden Leistungen, die ein Arbeitgeber bekommen kann.“ Außerdem sei unter dem Stichwort ‚Beschäftigung von geflüchteten Menschen‘ auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit zu finden, was bei Praktika zu berücksichtigen ist, oder bei ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen, wie es mit einem Eingliederungsvorschuss ist, oder dem Spracherwerb.

Laut Eikemeier stehen der Integration andere Hindernisse im Wege: „Viele geflüchtete Menschen sind sehr daran interessiert zu arbeiten, andere zu traumatisiert und viele sprechen nach 4 bis 5 Monaten noch zu wenig deutsch.“

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Die Kompetenzerfassung ist eine große Herausforderung. Die geflüchteten Menschen bringen kein IHK-Zertifikat unterm Arm mit. Der Beruf der Bürokauffrau – der in den seltensten Fällen in Frage kommen würde – ist im Heimatland sicher nicht ausgebildet worden.

Das heißt, es ist ein Schritt-für-Schritt-Heranführen an den Arbeitsmarkt, vielleicht mit Teilqualifikationen. Das wichtigste ist die Sprache, bis wir dabei soweit sind, vergehen mehr als ein paar Monate. Realistisch ist die Gewinnung von Fachkräften aus der Personengruppe der geflüchteten Menschen eine Aufgabe, die uns die nächsten Jahre begleiten wird.“

Susanne Eikemeier, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit