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Ein Drittel der Weltbevölkerung nutzt Technologie von Huawei. 2015 lag der Umsatz bei 60,8 Mrd US-Dollar. - Bild: Fotolia/Melpomene

Die Innovationskraft des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei ist hoch: "Wir investieren jährlich zwischen 10 und 15 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – das ist ein klares Commitment", sagt Dr. Michael Lemke, Senior Technology Expert, Huawei.

Von den 178.000 Mitarbeitern des chinesischen sind 79.000 im Bereich F & E tätig. Innerhalb eines Jahres hat Huawei in Europa 1.963 Patente angemeldet. Sein geballtes Forschungs-Know-how nutzt Huawei in Europa unter anderem zur Stärkung seines Industriegeschäfts.

Bislang belieferte Huawei mit seinem finanzstärksten Geschäftsbereich Carrier Network hier eher Kunden wie die Deutsche Telekom, Vodafone oder Telefónica.

Von Big Data bis zu Smart Maintenance

Huawei ist aber auch an zahlreichen Industrie 4.0-Aktivitäten beteiligt. Projekt-Details gibt es dazu allerdings noch nicht: "An dem Thema arbeiten viele hart und wir wollen unseren Mitbewerbern vorab nicht zu viel verraten", sagt Karabet Krikorian, Head of Huawei West Europe IoT & Industry 4.0 Solution Innovation.

Die Aufmerksamkeit auf dem Gebiet sei extrem hoch. Die einzelnen Technologiefelder darf der Manager allerdings schon benennen: Big Data, Big Data Analytics und Smart Maintenance sind derzeit die wichtigsten Forschungsfelder Huaweis – ähnlich wie bei den Wettbewerbern. Schlüsseltechnologien dafür sind die Cloud und 5G.

"Bei der Entwicklung des Mobilfunkstandards 5G sind wir führend beteiligt", so Krikorian. Von den standardisierten Übertragungstechnologien ist 5G die einzige Übertragungsart, die mithilfe der Funktion TSN (TimeSensitiveNetwork) Echtzeitanforderungen erfüllt.

"Jeder redet über 'Echtzeit', aber keine der heute angebotenen Technologien erreicht sie. Innerhalb der Fabrik kommt man daher nicht um 5G herum", so Krikorian. Bei der Übertragung von Daten vieler Sensoren aus dem Produktionsumfeld in die Cloud können Engpässe entstehen.

"Jeder, der von Cloud Computing abhängig ist, muss also mit Verspätungen rechnen", erklärt Krikorian. 'Edge Computing', eine Art Intelligenz am Rande von Netzwerken, werde daher immer wichtiger, um dem Flaschenhals ins Internet zu umgehen.

Industrie und IT enger verbinden

Laut Krikorian unterscheiden sich die Bedürfnisse der Anwender in Europa und China nicht: "Die Unternehmen weltweit haben die Vorteile von Big Data und Analytik erkannt. Sie wissen, dass viele blinde Flecken ihrer Produktionslandschaft mithilfe dieser Technologien transparenter werden und sie in Folge ein Maximum an Leistung in der Produktion erreichen können."

In Europa nennt man diesen Ansatz Industrie 4.0, in Frankreich Smart Factory, in den USA Industrial Internet, in China trägt die gleiche Vision den Namen 'Made in 2025'. Die Namen unterscheiden sich, doch in allen Konzepten gehe es darum, Industrie und IT enger miteinander zu verbinden, die Cloud auszubauen, die Industrie zu digitalisieren und alle Teilnehmer besser miteinander zu vernetzen.

Drahtlose Kommunikation zwischen 'Dingen'

"Und alle Nationen bemängeln die zu hohe Anzahl an Kommunikationsprotokollen", so Krikorian. Technolo­gien, die das Forschungsstadium bereits hinter sich gelassen haben, sind das Narrowband IoT (NB-IoT), eine  lizenzpflichtige schmalbandige drahtlose Kommunikation zwischen 'Dingen'.

"Diese Technologie wird bereits kommerziell genutzt. Anwendungsbeispiele sind Smart Parking oder Smart Metering", sagt Krikorian. Ein weiteres zukunftsträchtiges Technologiegebiet ist LTE-V. "Zum Thema vernetztes Fahren werden von unseren Kooperationen im Kontext von 5G während der nächsten Monate weitere Ergebnisse insbesondere im Bereich der Car-to-Car-Kommunikation erwartet", so Dr. Lemke.

So schätzt IT-Analyst Dr. Carlo Velten, CEO Crisp Research, Huawei ein:

In China und Asien ist Huawei sicherlich die Nummer eins der Ausrüster und Technologie-Lieferanten für IoT-Projekte. Dort ist der Konzern bei öffentlichen Ausschreibungen in einer besseren Position als beispielsweise ein amerikanisches Unternehmen.

Der Einfluss der chinesischen Regierung ist wesentlich dirigistischer, als das in Europa der Fall ist. Daher wird das IoT-Geschehen von großen Staats- und Stadtprojekten dominiert, in der Regel Infrastrukturprojekten. Für diese kann Huawei alle Bausteine liefern, der Konzern ist dank seiner intelligenten Unternehmensstrategie sehr breit aufgestellt.

Anders sieht es in Europa aus, dort ist Huawei ausschließlich als Telekommunikationsausrüster und Cloud-Infrastrukturlieferant gut aufgestellt. Die Open Telekom Cloud beispielsweise basiert auf Huawei-Technologie und wird von Huawei gemanagt. Doch für die großen industrienahen IoT-Projekte hierzulande sind geeignete Softwareplattformen, auf deren Basis Anwendungen und Prozesse programmiert, betrieben, abgesichert und verwaltet werden können, unabdingbar.

Huawei kann zwar Sensordaten auslesen und weiterleiten, doch auf der nächsthöheren Ebene fehlt ihnen eine vollumfängliche IoT-Softwareplattform zur Weiterverarbeitung der Daten. Darin liegt Huaweis Schwachpunkt. Außerdem fehlt Huawei der Zugang in die deutsche Industrie sowie die spezielle Industrie- und Branchenerfahrung. Zudem verfügt Huawei als klassischer Technologie- und Systemlieferant nur bedingt über eigene IT-Dienstleistungs- und Beratungskompetenz und ist somit stark von seinen Integrations- und Servicepartnern à la T-Systems oder Accenture abhängig.

Auf der Liste der 'Preferred Technology Partners' steht Huawei gerade bei KMU, die seit vielen Jahren mit Bosch oder Siemens verbandelt sind, sicherlich nicht an erster Stelle. Noch ist Huawei nur einer von vielen Technologielieferanten, doch ohne Zweifel arbeitet Huawei hart daran, dies zu ändern.