Der amerikanische Roboterhersteller Rethink Robotics hat die beiden Roboter 'Baxter‘ (im Bild) und 'Sawyer‘ im Portfolio. Es handelt sich um kollaborierende Roboter, die ohne Schutzzaun direkt mit Menschen zusammenarbeiten können. - Bild:

Der amerikanische Roboterhersteller Rethink Robotics hat die beiden Roboter 'Baxter‘ (im Bild) und 'Sawyer‘ im Portfolio. Es handelt sich um kollaborierende Roboter, die ohne Schutzzaun direkt mit Menschen zusammenarbeiten können. - Bild: Steve Jurvetson/flickr/CC BY 2.0

Robotik ist in den USA Chefsache. Präsident Obama hat im Haushaltsplan 2015 29 Mio. US-Dollar für seine 'National Robotics Initiative‘ eingeplant. Ziel ist es, die Re-Industrialisierung weiter zu pushen. Unabhängig davon boomt Robotik schon jetzt in den USA. Noch gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen, deren Produktionen einen niedrigen Automatisierungsgrad aufweisen. Roboterherstellern steht eine rosige Zukunft in den USA bevor. ABB hat bereits reagiert und baut als erster, weltweit tätiger Hersteller eine Roboterproduktion in den USA auf. Über die Zukunft der Robotik in den USA berichten sieben Experten in den folgenden Statements:


1 Dirk Thomas, Software Engineer, Open Source Robotics Foundation in Mountain View, CA
"Der Robotik-Markt in den USA unterscheidet sich insofern von Europa und Asien, dass gerade hier im Silicon-Valley die Start-Up-Mentalität erheblich größer ist. Auch denke ich, dass die Entwicklungen in der Regel mehr anwendungsbezogen sind im Gegensatz zu einigen R&D-Projekten in Europa. In Japan wiederum wird auch an Robotik für die Altenpflege gearbeitet, was auf anderen Kontinenten eher nicht im Fokus steht. Allerdings hat man beim diesjährigen Finale der Darpa Roboter Challenge gesehen, dass die Team aus allen möglichen Teilen der Welt an denselben Bereichen arbeiten. Daher sind die Unterschiede vielleicht gar nicht so groß.

In den vergangenen Jahren hat sich am amerikanischen Robotik-Markt eine Menge getan: zum einen sind 3D Sensoren günstiger geworden. Dieser Trend begann mit Microsofts Kinect und hat sich fortgesetzt. Zum anderen wurde die Aktuatorik von Roboterarmen verbessert. Insbesondere gibt es zahlreiche Systeme, die sicherer sind im Umfeld von Menschen. Neben den Hardware-Innovationen hat Open Source Software dazu beigetragen, neue Algorithmen zugänglich zu machen und so den Entwicklungsprozess generell zu beschleunigen.“


2 Sally Fairchild, Yaskawa America, Motoman Robotics Division in Miamisburg, OH
"Als Antwort auf den Fachkräftemangel am amerikanischen Robotik-Markt bietet die Motoman-Robotik-Einheit hier bei Yaskawa in Amerika ein Fortbildungsprogramm für Arbeitnehmer aus dem STEM-Bereich. Dazu zählen Absolventen aus dem Bereich Science, Technology, Engineering und Mathematics. Interessierte Produktionsbetriebe können dieses Fortbildungsprogramm ebenso nutzen wie Ausbildungseinrichtungen.
 
Das Programm ist auf speziell für Ausbildunsgszwecke optimierte Motoman-Roboter abgestimmt und beinhaltet einen Lehrplan sowie direkten Support im Klassenzimmer. Die Studenten erlernen die notwendigen Fähigkeiten, um eine Karriere im Bereich Robotik oder Mechatronik einzuschlagen.“  


3 Scott Flood, Head of Robotics America and NAFTA bei Comau in Southfield, MI
"Um das weitere wirtschaftliche Wachstum von Comau im US-Markt abzusichern, wird das Unternehmen ein weites Spektrum an neuen Technologien, Initiativen und Lösungen einführen. Comau betreibt kontinuierliche Forschung und Entwicklung. So kann das Unternehmen mit innovativen Lösungen die Druckmaschinenautomation auf einen bislang unberührten Markt bringen. Wachstumssektoren wie Verpackung sowie Pick-and-Place sind ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt für Comau. Kooperationen mit Organisationen wie FIRST – For Inspiration and Recognition of Science and Technology – betonen den Wert der STEM-Ausbildung, also den Bereich Science, Technology, Engineering und Mathematics. Dies ermöglicht Comau, sein Wissen an zukünftige Generationen von Konstrukteuren weiterzugeben und erhöht die Sichtbarkeit in den USA.

Zudem hat Comau ein schnell wachsendes Integratoren-Netzwerk. Durch enge Zusammenarbeit mit den Integratoren, OEMs und Vertreibern zielt die Firma hauptsächlich auf Wachstum im Segment allgemeine Industrie. Diese Strategien ermöglichen Comau insgesamt, kontinuierlich die Reichweite in den USA zu steigern.“


4 Bob Doyle, Director of Communications bei A3 – Association for Advancing Automation in Ann Arbor, MI
"Momentan gibt es viel Unterstützung für die Robotik-Branche aus der Politik. Um die Re-Industrialisierung in den USA voranzutrieben, hat Präsident Obama die  sogenannte National Robotic Initiative gestartet. Sie richtet sich jedoch vorrangig an Forschungseinrichtungen und Universitäten. Es besteht jedoch grundsätzlich das Ziel, dem amerikanischen Robotik-Markt einen weiteren Wachstumsschub zu verpassen. Die Zahlen der Robotic Industries Association, kurz RIA, sprechen für sich. 2014 erzielten sowohl der Roboterabsatz als auch die Roboterbestellungen in den USA einen neuen Höchststand. Und das Wachstum hält an. Im ersten Quartal 2015 verbuchen wir erneut Rekordwerte beim Roboterabsatz in den USA.

Positiv ist zudem, dass nun auch die noch nicht so stark robotisierten Märkte von den Vorteilen einer Automatisierung profitieren möchten. So stieg der Roboterabsatz in der Plastikindustrie 2014 um fünfundzwanzig Prozent, der Bereich Halbleiter und Elektronik wuchs um einundzwanzig und die Metallindustrie um sechzehn Prozent. Nach wie vor werden sechzig Prozent aller Roboter in den USA in der Automotive-Branche genutzt. Auch dieses Segment wächst weiterhin. Grundsätzlich gibt es in den USA noch eine Menge kleiner und mittelständischer Unternehmen, deren Produktion noch mit einem niedrigen Automatisierungsgrad läuft. Dort gibt es noch sehr viel Potenzial für den Einsatz von Robotern.

Zahlen zum Markt für kollaborierende Roboter haben wir bisher noch nicht berechnet. Wir spüren aber großes Interesse und teilweise Aufregung, wenn es um kollaborierende Roboter geht. Momentan sind wir in der Phase, wo viele Unternehmen den Einsatz dieser Roboter testen.“


5 Frank Tobe, Herausgeber 'The Robot Report‘ und Analyst bei Robo-stox
"Das amerikanische Unternehmen Teradyne hat jüngst 350 Millionen US-Dollar investiert, um den aufstrebenden, dänischen Roboterhersteller Universal Robots zu kaufen. Es handelt sich dabei um einen Hersteller kollaborierender Roboter, der zum Beispiel im Wettbewerb mit dem amerikanischen Hersteller Rethink Robotics steht. Trotz großer Publicity gelingt es Rethink Robotics momentan nicht, ein solch gutes Geschäft wie Universal Robots zu generieren.
Kollaborierende Roboter besitzen momentan einen Marktanteil von fünf Prozent bezogen auf den weltweiten Roboterabsatz. BMW nutzt die Technik bereits hier in den USA. In der amerikanischen Produktion in Spartanburg verrichten rund 7500 reguläre Roboter ihren Dienst. Der Autobauer hat kollaborierende Roboter von Universal Robots getestet, um Montagemitarbeiter ergonomisch zu entlasten. Die kollaborierenden Roboter haben sich einfach programmieren und einrichten lassen, haben ihre Arbeit ordentlich verrichtet und entlasteten die Produktionsmitarbeiter, teilte ein Pressesprecher von BMW mit.  Bei BMW ist im Gespräch, die Zahl der kollaborierenden Roboter in der Produktion zu verdoppeln oder sogar zu verdreifachen. Es ist also verständlich, warum Teradyne bereit war, eine so hohe Summe in den Kauf von Universal Robots zu investieren. Auch Rethink Robotics hat jüngst seine beiden Roboter verbessert und Geschwindigkeit und Genauigkeit erhöht.“


6 Jim Lawton, Chief product and marketing officer bei Rethink Robotics in Boston, MA
"Die Roboterdichte ist in den USA, Europa und China sehr unterschiedlich. Durchschnittlich kamen im Jahr 2014 laut der 'International Federation of Robotics‘ auf die ganze Welt verteilt 62 Roboter auf 10 000 Arbeitnehmer. In Europa lag Deutschland mit einer Roboterdichte von 282 vorne; die USA berichteten von 152 Robotern. Japan führte mit 323 Robotern zusammen mit Korea – das eine Roboterdichte von 437 vorzeigen kann – die Weltrangliste an. China fiel mit nur 30 Robotern pro 10 000 Arbeitnehmern weit unter den Durchschnitt. Noch ist das auf die dort verfügbaren billigen Arbeitskräfte zurückzuführen. Die chinesischen Löhne steigen jedoch um bis zu 20 Prozent pro Jahr. Aus meiner Sicht ist es daher möglich, dass China bis zum Jahr 2017 eine Roboterdichte wie in den USA oder Deutschland erreicht. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass China Japan oder Korea einholt.

Aber zurück zu den USA. Hier beschäftigen sich aktuell viele Produktionsbetriebe mit kollaborierenden Robotern. Diese smarten Roboter sind in der Lage, 90 Prozent der Aufgaben, die bis jetzt  außerhalb der Reichweite der Automatisierung lagen, durchzuführen. Kollaborierende Roboter sind sicher genug, um mit menschlichen Kollegen zusammenzuarbeiten. Unternehmen wie Jabil Circuit, GE und John Deere testen momentan, wie sie kollaborierende Roboter einsetzen können. Meiner Meinung nach befindet sich die Herstellung derzeit weltweit im Umbruch. Ursache dafür sind anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten, Veränderungen im Verbraucherverhalten und die Einsicht, dass Low-Cost-Arbeitsmodelle nicht mehr effizient sind.  Gleichzeitig haben traditionelle Robotik-Lösungen den Höhepunkt ihrer Wertschöpfung erreicht. Diese beiden Einflüsse in Kombination pushen derzeit Innovationen im Bereich der Robotik in den USA enorm. So haben in den vergangenen Jahren selbst Unternehmen wie Google, Amazon und Apple viele Millionen Dollar im Bereich Robotik-Industrie investiert.“


7 Steven J. Wyatt, Leiter Marketing und Vertrieb Robotik bei ABB
"ABB war in USA bereits in der Vergangenheit stark vertreten. Mit den jüngsten Akquisitionen von ABB wie Baldor Electric, Thomas & Betts und Power-One wurden die USA zum größten Absatzmarkt. Das Wachstum im Robotik-Bereich kommt in den USA derzeit sowohl von der Automobil- als auch von der allgemeinen Industrie. Laut RIA, der Robotic Industries Association, macht die Automobilindustrie etwa 4 Prozent der Compound Annual Growth Rate, zu deutsch durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate, aus. Weitere 9 Prozent kommen aus der Allgemeinindustrie.

Der Markt für kollaborierende Roboter steckt heute noch in den Kinderschuhen und macht weniger als 2 Prozent der weltweiten Industrieroboter-Lieferungen aus. Wie bei allen neuen  Technolo­gien ist die genaue Nachfrage schwer vorherzusagen. Was wir aber sagen können ist, dass wir in den nächsten Jahren ein sehr starkes Wachstum in diesem Markt erwarten können und dass Nordamerika ein bedeutender Teil davon sein wird. ABB betreibt Applikationszentren für kollaborierende Roboter in Friedberg, Deutschland, und Shanghai. Derzeit gibt es Überlegungen zur Etablierung eines ähnlichen Zentrums in den USA. Unser neues Werk in Auburn Hills, Michigan USA, ist neben Shanghai in China und Västerås in Schweden die dritte Roboter-Produktionsstätte. Es werden dort ABB-Roboter und zugehörige Ausrüstung für den nordamerikanischen Markt hergestellt. Heute werden in Auburn Hills komplette Robotersteuerungen, darunter Standard IRC5 Steuerungen, und Antriebsmodule gefertigt. Im Rahmen der schrittweisen Inbetriebnahme in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten wird die US-Fabrik beginnen, Roboter zu produzieren.“

Robotik ist in den USA Chefsache. Der US-Präsident hat im Haushaltsplan 2015 29 Millionen US-Dollar für seine 'National Robotics Initiative‘ eingeplant. Ziel ist es, die Re-Industrialisierung weiter zu pushen. Unabhängig davon boomt Robotik schon jetzt in den USA. Noch gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen, deren Produktionen einen niedrigen Automatisierungsgrad aufweisen. Roboterherstellern steht eine rosige Zukunft in den USA bevor. ABB hat bereits reagiert und baut als erster, weltweit tätiger Hersteller eine Roboterproduktion in den USA auf. Über die Zukunft der Robotik in den USA berichten sieben Experten in den folgenden Statements:

Dirk Thomas, Software Engineer, Open Source Robotics Foundation in Mountain View, CA

"Der Robotik-Markt in den USA unterscheidet sich insofern von Europa und Asien, dass gerade hier im Silicon-Valley die Start-Up-Mentalität erheblich größer ist. Auch denke ich, dass die Entwicklungen in der Regel mehr anwendungsbezogen sind im Gegensatz zu einigen R&D-Projekten in Europa. In Japan wiederum wird auch an Robotik für die Altenpflege gearbeitet, was auf anderen Kontinenten eher nicht im Fokus steht. Allerdings hat man beim diesjährigen Finale der Darpa Roboter Challenge gesehen, dass die Team aus allen möglichen Teilen der Welt an denselben Bereichen arbeiten. Daher sind die Unterschiede vielleicht gar nicht so groß.

Entwicklungsprozess wird beschleunigt

In den vergangenen Jahren hat sich am amerikanischen Robotik-Markt eine Menge getan: zum einen sind 3D Sensoren günstiger geworden. Dieser Trend begann mit Microsofts Kinect und hat sich fortgesetzt. Zum anderen wurde die Aktuatorik von Roboterarmen verbessert. Insbesondere gibt es zahlreiche Systeme, die sicherer sind im Umfeld von Menschen. Neben den Hardware-Innovationen hat Open Source Software dazu beigetragen, neue Algorithmen zugänglich zu machen und so den Entwicklungsprozess generell zu beschleunigen.“

Das Programm ist auf speziell für Ausbildunsgszwecke optimierte Motoman-Roboter abgestimmt und beinhaltet einen Lehrplan sowie direkten Support im Klassenzimmer. Die Studenten erlernen die notwendigen Fähigkeiten, um eine Karriere im Bereich Robotik oder Mechatronik einzuschlagen.“  - Bild: Ken Conley/flickr/CC BY-NC 2.0
Das Programm ist auf speziell für Ausbildunsgszwecke optimierte Motoman-Roboter abgestimmt und beinhaltet einen Lehrplan sowie direkten Support im Klassenzimmer. Die Studenten erlernen die notwendigen Fähigkeiten, um eine Karriere im Bereich Robotik oder Mechatronik einzuschlagen.“ - Bild: Ken Conley/flickr/CC BY-NC 2.0

Sally Fairchild, Yaskawa America, Motoman Robotics Division in Miamisburg, OH

"Als Antwort auf den Fachkräftemangel am amerikanischen Robotik-Markt bietet die Motoman-Robotik-Einheit hier bei Yaskawa in Amerika ein Fortbildungsprogramm für Arbeitnehmer aus dem STEM-Bereich. Dazu zählen Absolventen aus dem Bereich Science, Technology, Engineering und Mathematics. Interessierte Produktionsbetriebe können dieses Fortbildungsprogramm ebenso nutzen wie Ausbildungseinrichtungen.

Scott Flood, Head of Robotics America and NAFTA bei Comau in Southfield, MI

"Um das weitere wirtschaftliche Wachstum von Comau im US-Markt abzusichern, wird das Unternehmen ein weites Spektrum an neuen Technologien, Initiativen und Lösungen einführen. Comau betreibt kontinuierliche Forschung und Entwicklung. So kann das Unternehmen mit innovativen Lösungen die Druckmaschinenautomation auf einen bislang unberührten Markt bringen. Wachstumssektoren wie Verpackung sowie Pick-and-Place sind ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt für Comau. Kooperationen mit Organisationen wie FIRST – For Inspiration and Recognition of Science and Technology – betonen den Wert der STEM-Ausbildung, also den Bereich Science, Technology, Engineering und Mathematics. Dies ermöglicht Comau, sein Wissen an zukünftige Generationen von Konstrukteuren weiterzugeben und erhöht die Sichtbarkeit in den USA.

Zudem hat Comau ein schnell wachsendes Integratoren-Netzwerk. Durch enge Zusammenarbeit mit den Integratoren, OEMs und Vertreibern zielt die Firma hauptsächlich auf Wachstum im Segment allgemeine Industrie. Diese Strategien ermöglichen Comau insgesamt, kontinuierlich die Reichweite in den USA zu steigern.“