Industrie-Unternehmen haben zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft die Initiative Industrial Data

Industrie-Unternehmen haben zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft die Initiative Industrial Data Space gegründet. -Bild: Fraunhofer-Gesellschaft

 

Die Enthüllungen von Edward Snowden führen auch dazu, dass sich die deutsche Industrie nach Alternativen zum freien Internet für den Datenaustausch umschaut. So haben sich führende deutsche Unternehmen mit der Fraunhofer-Gesellschaft zusammengeschlossen, um ein Netz für den sicheren Datenaustausch im Sinne von Industrie 4.0 aufzubauen.

Hinter dieser Initiative “Industrial Data Space” stehen Unternehmen wie Daimler, Volkswagen, die Deutsche Bahn, Boehringer Ingelheim, Trumpf, Salzgitter und ThyssenKrupp, die mit neun wissenschaftlichen Instituten zusammenarbeiten. Die Unternehmen wollen erreichen, dass sie auf sichere Weise untereinander Daten austauschen, mit ihren Zulieferern kommunizieren und ihre Daten zur weiteren wirtschaftlichen Auswertung bereitstellen können.

Die Federführung der Initiative liegt beim Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Dr. Reimund Neugebauer. Eine wichtige Rolle spielen ebenso der Leiter der Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software- und Systemtechnik ISST, Professor Dr. Michael ten Hompel, und der Leiter des Fraunhofer-Instituts für intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, Professor Dr. Stefan Wrobel.

Offiziell wurde die Entwicklung der Plattform Industrial Data Space noch nicht begonnen. Technologien sollen zum Einsatz kommen, die bei der Fraunhofer-Gesellschaft über Jahre in einem anderen Kontext entwickelt wurden.

Neu ist, dass die Initiative diese Technologien aus verschiedenen Bereichen auf eine spezielle Art zusammenführt. Auf der einen Seite ist es der Bereich Sensorik, Aktorik des Bereichs Industrie 4.0 und der cyberphysischen Systeme, auf der anderen Seite sind es Entwicklungen bei den Enterprise-Systemen, um Informationen auszutauschen. Außerdem sind Verschlüsselungstechnologien vorhanden. “Wir bringen jetzt diese verschiedenen Aspekte zusammen”, berichtet Dr. Sven Wenzel vom Fraunhofer ISST in Dortmund.

Industrial Data Space soll zu einer Standardisierung des Datenaustauschs führen

Der Industrial Data Space soll den Firmen maximale Sicherheit bieten und Unternehmensdaten sowie Privatsphäre durch eine Ad-hoc-Vernetzung schützen. Firmen werden Daten abgestuft und kontrolliert mit anderen Marktteilnehmern teilen können. Dabei werden die wirtschaftlichen Interessen der Teilnehmer respektiert und Daten nur verwendet, wenn sie für eine Dienstleistung genutzt werden.

Zwar gibt es auch bisher Plattformen für die Zusammenarbeit zwischen Firmen. Dafür wird jedoch Technologie-Know-how in den Firmen wie eine eigene Entwicklungsabteilung benötigt. Der Industrial Data Space will nun zu einer Standardisierung beitragen, so dass nicht jede Firma überlegen muss, wie der Datenaustausch stattfinden kann. Künftig soll es dafür einen Plug-and-Play-Ansatz geben. Dieser wird jedoch streng kontrolliert, so dass der Datenbesitzer festlegen kann, mit wem er die Daten zu welchem Zweck teilt.

In dem neuen Datenraum sollen neue Geschäftsmodelle verwirklicht werden. So könnte zum Beispiel die Deutsche Bahn ihre Fahrgastzahlen der Firma Sixt anbieten. Diese Informationen würden Sixt helfen, ihre Mietwagenflotte besser auf die Bahnhöfe zu verteilen, damit beispielsweise bei einem Streik genügend Fahrzeuge bereitstehen und die Flotte optimal vermietet werden könnte. Auf der anderen Seite könnte das System sicherstellen, dass die Daten der Bahn nicht an die Konkurrenz herausgegeben werden. Der Industrial Data Space soll dafür die horizontale Vernetzung und Virtualisierung sowie den sicheren Zugriff von Apps auf private und globale Daten ermöglichen.

Generell will die Initiative einen virtuellen Raum und zugehörige Dienste schaffen, um einen sicheren Multi-Sourcing-Datenaustausch on Demand und auf Basis bestehender Netze zu ermöglichen.

Projekt in der Vorbereitungsphase

“Das ganze wird offen sein”, verspricht Dr. Wenzel, “jeder kann sich später daran beteiligen.” Um eine Kontrolle und die Qualität zu garantieren, würden die Teilnehmer zertifiziert. So müsse zum Beispiel ein Datenanbieter eine gewisse Qualität gewährleisten. Beim Nutzer soll sichergestellt werden, dass bezogene Daten nicht wieder die Firma verlassen.

Derzeit ist das Projekt in der Vorbereitungsphase. Der Aufbau des Datenraumes wird sich über drei Jahre hinziehen. Zur CeBIT 2016 soll die erste Version der Plattform stehen. “Wir sind derzeit in vielen Gesprächen”, berichtet Wenzel, “es wird noch vieles folgen.”

Forschungsministerin Professor Dr. Johanna Wanka unterstützt das Vorhaben. Und es gab ein längeres Gespräch mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Aktuell kommen immer mehr Firmen hinzu, die Interesse am Industrial Data Space haben. “Es gibt Zulauf”, ergänzt der Fraunhofer-Fachmann. “Auch jetzt, wo man noch nicht viel sagen kann, da das Projekt gerade erst in den Startlöchern steht.” Man merke auch den Druck: Die Firmen wollten zur CeBIT schon etwas vorweisen. Wenzel: “Das Thema brennt den Firmen unter den Nägeln.”

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Gunnar Knüpffer