Produktion-Redakteurin Susanne Nördinger diskutierte mit (v.l.) Michael Frieß, Erhardt + Abt,

Produktion-Redakteurin Susanne Nördinger diskutierte mit (v.l.) Michael Frieß, Erhardt + Abt, Rüdiger Timmermann, SIM Automation, Ralf Steinmann, Schunk, und Christoph Kullmann, Orbis, über Chancen und Risiken von Industrie 4.0. - Bild: Schunk

Produktion: Was verstehen Sie unter Industrie 4.0, kurz I4.0?
Michael Frieß: Die Durchgängigkeit vom Bit bis zum ERP-System. In einer digitalen Fabrik sind alle Produktionsprozesse vernetzt. I4.0 ist für mich aber auch der Weg von mechatronischen Systemen hin zu cyber-physischen Systemen.

Produktion: Fragen Ihre Kunden derzeit nach I4.0?
Michael Frieß: I4.0 wird zum Thema, wenn ein übergeordnetes System an die Infrastruktur angebunden werden soll.

Produktion: Braucht es im Zusammenhang mit einer totalen Vernetzung neue Gesetze, um Firmendaten zu schützen?
Michael Frieß: Jede Firma stellt heute ihre kompletten kaufmännischen Daten übers Internet zur Verfügung, beispielsweise über Onlinebanking. Produktionsdaten sind zwar etwas anderes, aber grundsätzlich sind alle Daten schützenswert. Ein weiteres Gesetz hilft meiner Meinung nach nicht weiter. Denn wer zwingend an Daten kommen möchte, findet Wege und Möglichkeiten.

Produktion: Was ist die größte Herausforderung im Rahmen von I4.0?
Michael Frieß: Alle sprechen momentan von I4.0, aber mit unterschiedlichem Verständnis für den Begriff.

Produktion: Was verstehen Sie unter Industrie 4.0, kurz I4.0?
Christoph Kullmann: Die Möglichkeit, alle am Prozess beteiligten Objekte miteinander sprechen zu lassen. Am Prozess beteiligt können beispielsweise Menschen, Maschinen oder auch Sensoren sein. Dazu müssen wir eine durchgängige Kommunikation schaffen.

Produktion: Fragen Ihre Kunden derzeit nach I4.0?
Christoph Kullmann: Manche Kunden wollen bis hin zu ihren Kunden und Lieferanten vernetzt sein. Technologisch lässt sich das umsetzen.

Produktion: Braucht es im Zusammenhang mit einer totalen Vernetzung neue Gesetze, um Firmendaten zu schützen?
Christoph Kullmann: Man kann schwer prüfen, ob solche Gesetze eingehalten werden, da das Internet nicht an Ländergrenzen endet. Solange Hersteller von Komponenten jedoch Schnittstellen in ihrer Hardware einbauen, mit denen man auf Daten im Gerät zugreifen kann, ist es völlig egal, ob die Daten auf einem Server, in der Cloud oder einem Rechenzentrum liegen.

Produktion: Was ist die größte Herausforderung im Rahmen von I4.0?
Christoph Kullmann: Die Denke muss aufhören, dass es in produzierenden Unternehmen einen betriebswirtschaftlichen und einen technischen Prozess gibt.

Rüdiger Timmermann

Rüdiger Timmermann, Geschäftsführer der SIM Automation GmbH. – Bild: Schunk

Produktion: Was verstehen Sie unter Industrie 4.0, kurz I4.0?
Rüdiger Timmermann: Die besondere Herausforderung, eine hohe Variantenvielfalt auf einer Sondermaschine abbilden zu können, wird durch I4.0 in der Form positiv beeinflusst, dass etwa die Verarbeitung von bauteilspezifischen Informationen und die Bedienerführung eine neue Qualität erreichen.

Produktion: Fragen Ihre Kunden derzeit nach I4.0?
Rüdiger Timmermann: In den Lastenheften schreiben viele Firmen Schnittstellen in übergeordnete Systeme zur umfassenden Vernetzung der von uns realisierten Anlage in das Produktionssystem vor.

Produktion: Braucht es im Zusammenhang mit einer totalen Vernetzung neue Gesetze, um Firmendaten zu schützen?
Rüdiger Timmermann: Wir als Anlagenlieferanten halten uns heute schon an strenge Restriktionen. Bei Fernwartungsprozessen zum Beispiel vereinbaren wir, auf welche Server und Daten wir Zugriff haben. Aber für Anlagenbetreiber ist das Thema höchst kritisch. Ob man das gesetzlich individuell lösen kann, ist fraglich.

Produktion: Was ist die größte Herausforderung im Rahmen von I4.0?
Rüdiger Timmermann: Für uns Anlagenbauer ist die fehlende Standardisierung im Bereich der zu integrierenden Systeme und Komponenten die größte Herausforderung.

Ralf Steinmann

Ralf Steinmann, Geschäftsbereichsleitung Greifsysteme Schunk GmbH & Co. KG. – Bild: Schunk

Produktion: Was verstehen Sie unter Industrie 4.0, kurz I4.0?
Ralf Steinmann: Die Vision I4.0 besagt, dass ein intelligentes Werkstück dem entsprechenden Produktionsmittel sagt, wie es bearbeitet werden soll. An unserer I4.0-Zelle, die wir exemplarisch gemeinsam mit Partnern entwickelt haben, kann man sehen, dass Etappenziele der Vision wie eine durchgängigere Kommunikation von der Komponente bis zum ERP bereits erreicht sind.

Produktion: Fragen Ihre Kunden derzeit nach I4.0?
Ralf Steinmann: Anwender nutzen bereits heute die Möglichkeiten unserer intelligenten Module, um Prozessparameter zu überwachen und zu dokumentieren.

Produktion: Braucht es im Zusammenhang mit einer totalen Vernetzung neue Gesetze, um Firmendaten zu schützen?
Ralf Steinmann: Wir gehen davon aus, dass es in Zukunft ein ‚Industrial Internet‘ für Unternehmen und ein reguläres Internet zur allgemeinen Nutzung geben wird.

Produktion: Was ist die größte Herausforderung im Rahmen von I4.0?
Ralf Steinmann: Die nötigen Standards werden entstehen, wenn unsere stark mittelständisch geprägten Industrieunternehmen eng miteinander kommunizieren.

Susanne Nördinger