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Manufacturing Innovation Instituts sollen den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie in den USA fördern, damit die Produktionstechnik gestärkt wird. - Bild: www.commerce.gov

"Das ist wahrscheinlich die wichtigste Investition, die die USA seit 1989 im Bereich der Produktion getätigt haben“, sagt Elisabeth B. Reynolds zu den 14 gegründeten Manufacturing Innovation Institutes (NMI).

„Dahinter stand eine eindeutige Strategie: Die Vorgängerregierung der jetzigen Administration unter Trump schuf diese Institute, um die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft auszuweiten. An neun von diesen Zentren zur Förderung von Innovation und Technologie ist das Massachusetts Institute of Technology (MIT) beteiligt“, erläutert Reynolds, die Executive Director am MIT Industrial Performance Center ist.

5,8 Millionen Arbeitsplätze gingen verloren

Das Produktions-Ökosystem der USA hatte sich in den letzten drei Jahrzehnten ausgedünnt und die Produktivität in der Industrie ging zurück. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts schlossen in den USA 60.000 Fabriken und 5,8 Millionen Arbeitsplätze in der amerikanischen Produktion gingen verloren.

„Aus unserer Erfahrung in Deutschland wissen wir, dass von jeder Stelle in der Produktion ein bis 2,5 Stellen im Service und in der Logistik mit versorgt werden“, erklärt Günter Hörcher, der den Bereich Strategie in der Forschung des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA leitet.

Die Manufacturing Innovation Institutes der USA

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Übersicht über die Manufacturing Innovation Institutes in den USA, die auf Vorschläge des MIT zurückgehen. Nach dem Vorbild der Fraunhofer Institute in Deutschland errichtet sollen sie dazu beitragen, dass Innovationen auch in eine US-Serienproduktion überführt werden können.Bild: kartoxjm, Fotolia

Das MIT untersuchte die Ursachen der Abwanderung der Industrie und belegte wissenschaftlich in den Werken ‚Production in the Innovation Economy‘ und ‚Making in America‘ 2013, wie stark der Zusammenhang zwischen Produktion und Innovationen ist. „Und dass wir, wenn wir die Produktion ignorieren, möglicherweise unsere Fähigkeit zu Innovationen verlieren“, wie Forscherin Reynolds sagt.

Um sich darüber zu infomieren, wie in Deutschland Wissenschaft und Industrie in der Forschung im Bereich Produktion zusammenarbeiten, studierten die amerikanischen Forscher die Fraunhofer Institute hierzulande. „Wir durften einige Delegationen begrüßen“ berichtet der Fraunhofer-Manager Hörcher.

Manufacturing Innovation Instituts sollen auch mit kleinen Firmen zusammenarbeiten

Die Manufacturing Innovation Institutes tragen nun dazu dabei, dass Partnerschaften und Zusammenarbeit zwischen amerikanischer Industrie und Wissenschaft im Bereich technischer Entwicklung ausgebaut werden. „Wichtig für die USA ist, dass diese Kooperation nicht nur mit großen Unternehmen, sondern auch mit kleinen in die Wege geleitet wird“, betont Reynolds. Das sei das deutsche Modell, das so gut funktioniere.

Ein Unternehmen, das bereits von der Zusammenarbeit mit einem Manufacturing Innovation Institute in Amerika profitierte, ist die Firma X-FAB, die sich mit der Herstellung von Halbleitern in Texas beschäftigt. Die amerikanische Niederlassung der Firma arbeitete mit Power America in Raleigh zusammen und beschleunigte die Markteinführung seiner Halbleiter-Leistungsbauelemente.

Das Institut finanzierte Projekte, bei denen die Leistungsfähigkeit einer Linie für die Produktion demonstriert werden konnte, und half bei der Erweiterung der Kundenbasis. Nach Angaben des Unternehmens führte die Kooperation zu dem Ergebnis, dass 400 Jobs bei X-FAB gesichert wurden und eine Innovation in einer Industrie möglich wurde, die zuletzt vor allem Rückgänge verzeichnete.

Große Unternehmen sichern sich den Zugriff auf das geistige Eigentum

In der Regel sind große amerikanische Unternehmen mit viel Geld bei den Manufacturing Innovation Instituts engagiert, berichtet MIT-Forscherin Reynolds. „Sie wollen sich den Zugriff auf das geistige Eigentum sichern und die Entwicklung im eigenen Unternehmen vorantreiben.“

Auf der anderen Seite sollen auch Start-ups und junge innovative Unternehmen im Bereich Technologie in diese Zusammenarbeit eingebunden werden. „Dieser Aspekt wird in dem jüngsten Institut, dem Advanced Functional Fabrics of America (AFFOA), umgesetzt“, meint Reynolds. Im AFFOA wird von den Teilnehmern verlangt, dass eine Kommerzia­lisierung der dort entwickelten Ideen sowie eine Ausweitung der Produktion in den USA stattfinden muss.

"Das Modell des AFFOA verlangt von den Teilnehmern, dass eine Kommerzialisierung der dort entwickelten Ideen in den USA stattfinden muss."

Elisabeth B. Reynolds, Executive Director des MIT Industrial Performance Center

Der Leiter Forschungs-Strategie beim Fraunhofer IPA hält die Manufacturing Innovation Instituts für eine „hochsinnvolle Maßnahme, um die Industrie in den USA wieder erfolgreich und das Re-Shoring der Produktion überhaupt möglich zu machen“.

Es ist nicht klar, ob US-Präsident Trump weitere Institute finanziert

Die Industrie in den USA habe traditionell ihre Innovationen entweder selbst finanziert oder sie sei über Rüstungsentwicklungen und -käufe finanziert worden. „Das kann die Industrie inzwischen nicht mehr“, so der Manager bei Fraunhofer. Zumindest solange die USA keine extraterritorialen Kriege führten.

Die „viel gerühmten“ amerikanischen Venture Capitalists und auch Banken würden sich schwer tun mit der Innovationsfinanzierung von traditionellen Unternehmen, zumal das bisher nicht nötig gewesen sei. Die Unternehmen seien weitgehend auf sich selbst gestellt, was eine „bewährte“ US-Tradition sei.

Ursprünglich war geplant, dass 45 Manufacturing Innovation Instituts innerhalb von zehn Jahren enstehen. Die Regierung unter Donald Trump hat jedoch noch nicht bestätigt, dass sie neue Institute zur Stärkung der US-Produktion finanzieren will. Fraunhofer-Manager Hörcher: "Die Wissenschaft der USA und die Industrie bangen unter dem neuen Präsidenten Trump, ob die weiteren Institute überhaupt eine Finanzierung bekommen."