Jungheinrich, Intralogistik, Flurförderzeuge

Darf’s auch ein bisschen weniger sein? So ist die Marke 'Ameise' für das Einstiegssegment gedacht, kommt aber von Jungheinrich. - Bild: Jungheinrich

Um es gleich vorwegzunehmen: Mit dem Thema ‚Low Cost‘ bei Flurförderzeugen rennt man hierzulande keine offenen Türen ein. Gesprochen wird in den Unternehmen darüber schon, aber am Ende gibt es meist Lösungen, die offiziell eben nicht ‚Low Cost‘ heißen dürfen oder sollen. Irgendwie ist das ja auch verständlich, reden wir doch von deutschen (oder japanischen) Premiumherstellern.

In der Regel wird dann gerne auf günstige Einstiegsgeräte sowie Serien verwiesen oder eben auf Gebrauchtgeräte. So wie bei Linde Material Handling, wie Andreas Krinninger, Vorsitzender der Geschäftsführung, darstellt: „Bei Linde gibt es keine Notwendigkeit für Low-Cost-Serien, da wir sowohl günstige Einstiegsgeräte als auch gute Gebrauchtgeräte im Portfolio haben. Bei beiden kann der Kunde höchste Zuverlässigkeit erwarten.“

"Gerade für kleinere Unternehmen sind Low Cost-FTF ein interessanter, risikoarmer Einstieg in die Automatisierung des Materialflusses.“ - Jan Behling, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

Keine Billig-Stapler bei Toyota MH

Bei Toyota Material Handling klingt das laut Mortimer von Tschirschky, Leiter Vertrieb, ganz ähnlich: „Wir setzen auf höchste Qualität bei den Produkten und beim Service. Unser Angebotsportfolio umfasst Geräte für verschiedenste Leistungsanforderungen mit entsprechenden Ausstattungsvarianten und -optionen. Eine Linie ausschließlich für das untere Preissegment sehen wir nicht vor. Außerdem ist es Toyotas Anspruch, Produkte dort zu fertigen, wo sie letztendlich auch verkauft werden. Deshalb ist unsere Produktion für den europäischen Markt auch in Europa angesiedelt.“

Die Ameise als Einsteigerbereich für die Industrie

Einen etwas anderen Weg hat Jungheinrich eingeschlagen. Hier gibt es eine Serie, die nicht unter dem Namen Jungheinrich, sondern unter dem Namen ‚Ameise‘ firmiert: „Der Produktname Ameise wurde gewählt, weil dieser erstens historisch zu Jungheinrich gehört und zweitens heute und in Zukunft ein spezielles Kundensegment bedient. Die Fahrzeuge der Ameisen-Serie werden nicht von uns produziert, sondern sind OEM-Produkte, entsprechen aber vollständig den Jungheinrich-Qualitätsansprüchen für den Einsteigerbereich“, heißt es aus der Unternehmensleitung.

„Bei Linde gibt es keine Notwendigkeit für Low-Cost-Serien, da wir sowohl günstige Einstiegsgeräte als auch gute Gebrauchtgeräte im Portfolio haben. Bei beiden kann der Kunde höchste Zuverlässigkeit erwarten.“ - Andreas Krinninger, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Linde MH

Flurförderfahrzeuge für den sicheren Umgang

Bei der Ameisen-Serie handele es sich um eine Produktmarke im preiswerten Einstiegssegment, die aber über einen – im Vergleich zu anderen Produkten dieser Preisklasse – deutlichen Mehrwert verfüge: „Die Ameise ist von uns auf Herz und Nieren getestet, an unsere Qualitätsanforderungen angepasst, zertifiziert und in unser Service- und Ersatzteil-Netzwerk eingebunden. Das betrifft auch die Ersatzteilverfügbarkeit und den kompletten Abwicklungsprozess und die Kundenbetreuung“, erklärt Pressesprecher Benedikt Nufer.

Angesichts der wachsenden Nachfrage für Produkte auch unterhalb des Premiumanspruchs sei es für Jungheinrich wichtig, auch solche Fahrzeuge anzubieten. Zudem hat Jungheinrich noch eine günstige Serie unter dem eigenen Namen im Portfolio: „Die Jungheinrich M-Serie haben wir ins Leben gerufen, da es ein nicht zu unterschätzendes Kundensegment gibt, das zuverlässige und langlebige Produkte benötigt – allerdings nicht im High-End-Bereich, sondern in einer Standardausführung. Die Fahrzeuge wurden von Jung­heinrich komplett in China entwickelt und werden dort produziert“, so die Unternehmensleitung.

Kostensensibilität bei Flurförderfahrzeugen

Jan Behling vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML wiederum beschreibt, dass „wir für unsere Kunden in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten automatischen Flurförderzeuge, insbesondere Fahrerlose Transportfahrzeuge, entwickelt haben. Dabei standen und stehen in der Regel verschiedene hervorgehobene Anforderungen im Vordergrund, beispielsweise besondere Lastdimensionen, ein integrierter Hub bei geringer Bauhöhe oder auch eine besondere Kostensensibilität wie ‚Low Cost‘.“

Nicht nur aufgrund der erhaltenen Marktresonanz durch Messeauftritte und Anwenderanfragen sieht Behling in Teilbereichen der Intralogistik durchaus Relevanz für Low-Cost-FTF. Dies betreffe insbesondere kleinere Systeme mit wenigen Fahrzeugen, kaum bis gar nicht verzweigten Netzwerken oder Prozessen, bei denen eine Anbindung an die Unternehmens-IT nicht erforderlich ist. „Gerade für kleinere Unternehmen ist dies ein interessanter, risikoarmer Einstieg in die Automatisierung des Materialflusses“, berichtet Behling.

Jungheinrich, Intralogistik
Mit der M-Serie verspricht Jungheinrich zuverlässige und langlebige Produkte in einer Standardausführung. - Bild: Jungheinrich
  • Jungheinrich 1953

    Am 7. August 1953 wird die H. Jungheinrich & Co. Maschinenfabrik von Friedrich Jungheinrich gegründet. Schon der Großvater des in Südafrika geborenen Gründers hatte eine Maschinenfabrik in Thüringen. Als erstes Produkt stellt der Vorläufer der Jungheinrich AG den Elektro-Vierrad-Stapler „Ameise 55“ her. In Mülheim an der Ruhr nimmt die erste Inlands-Niederlassung ihren Betrieb auf. Durch den wiederaufkommenden Welthandel wurden Versand und Lagerung wichtiger, besonders in Häfen wurden Waren auf Paletten verschickt, den Transport übernahmen Gabelstapler, wie sie auch von Jungheinrich ab den 50er Jahren entwickelt werden. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 1954

    Ein Jahr später beginnt der Aufbau eines deutschen Niederlassungs- und Servicenetzes. Das Bild zeigt Monteure in Mülheim an der Ruhr mit fahrenden Werkstätten. Die neuen elektrobetriebenen Modellreihen der Marke „Ameise“ sowie die ersten Hubwagen und Schlepper mit Fahrerstand kommen auf den Markt. Durch vermehrten Einsatz der modernen Lagerung mussten die Service-Techniker viel Instandhaltung betreiben. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 1956

    Die erste Auslandsvertriebsgesellschaft entsteht 1956 in Österreich. Für das junge Unternehmen wird das Exportgeschäft wichtiger, nach und nach folgen die ersten Auslandsgesellschaften in Italien und Schweden. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 1974

    Friedrich Jungheinrich starb bereits 1968 noch vor der Markteinführung eines Hochregalstaplers, dessen Entwicklung er selbst noch geleitet hatte. Für den 1958 eröffneten Hauptsitz mit Werk in Hamburg Wandsbek hatte er bis Ende der Sechziger einen Betrag von 10 Millionen Mark aufgebracht. Ein Jahr nach seinem Tod beschäftigte das Unternehmen über 1.200 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 75 Millionen Mark. 1974 steigt Jungheinrich zusätzlich in das Miet- und Gebrauchtfahrzeuggeschäft ein. Hierbei stechen die besonderen Preise eines gebrauchten Staplers hervor. Auch für kurzfristige Anwendungen interessant. - Bild: Kira Nerys, Wikipedia

  • Jungheinrich 1983

    In den 1980ern beschäftigt das Unternehmen mittlerweile über 4.000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 533 Millionen DM, davon 58 Prozent im Ausland, Ende des Jahrzehnts sind es über 5000 Mitarbeiter. 1976 kam es erstmals in der Montage zum Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen. Hierzu wurden ursprünglich für manuelle Bedienung gebaute Gabelhub- und Plattformfahrzeuge mittels „photoelektronischer“ und später dann induktiver Steuerung umgebaut. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 1996

    Nachdem 1990 die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und der Börsengang erfolgten, übernimmt das Logistikunternehmen 1994 den Stapler-Hersteller Steinbock Boss Group, der seinen Schwerpunkt auf Lager- und Systemtechnik gelegt hat. 1996 stellt Jungheinrich den ersten Elektro-Stapler mit Drehstromtechnik EFG-VD 25/30 vor. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 2006

    Die Globalisierung setzt die deutsche Wirtschaft unter Druck, immer mehr Industrieunternehmen eröffnen Standorte in China. In 2006 gründet Jungheinrich ein Werk im chinesischen Qingpu/Shanghai. Hier werden elektrobetriebene Deichselhubwagen montiert. Die gefertigten Niederhub- und Hochhubwagen dienen der Versorgung des Jungheinrich-Vertriebs in China und des asiatischen Marktes. Zudem entsteht ein Gebrauchtgerätezentrum in Dresden. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 2009

    In 2009 erfolgt der Produktionsstart im Werk Landsberg. Hier werden Elektro-Niederhubwagen produziert. Fünf Jahre später, im Oktober 2014, läuft dann das 100.000ste Fahrzeug vom Band. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 2011

    Effiziente und schnelle Lagerverwaltung wird immer wichtiger. Grund dafür ist nicht zuletzt das Internet mit dem zunehmenden Versandhandel in den letzten Jahren. Technologien wie Auto-ID und RFID fassen Fuß. Auch das Thema Energieeffizienz rückt weiter in den Vordergrund. Lithium-Ionen-Akkus spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit Lithium-Ionen-Batterien müssen Flurförderzeuge nicht mehr um den Batterieblock herum konstruiert werden. In 2011 beginnt Jungheinrich die Serienproduktion des EJE 112i mit Lithium-Ionen-Technologie. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 2013

    Das Unternehmen nimmt mehrere Werke in Betrieb, unter anderem in China. Ende 2012 beschäftigt das Unternehmen 11.000 Mitarbeiter und setzt 2,1 Milliarden Euro um, davon rund 40 Prozent mit Dienstleistungen wie Service und Vermietung. Der Blick auf die Logistik hat sich verändert. Mit einem Umsatz von rund 190 Milliarden Euro ist sie der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland hinter dem Handel und der Automobilindustrie. Jungheinrich baut nicht mehr nur ein breites Spektrum an Flurförderzeugen, sondern bietet Gesamtlösungen für die Bewältigung von intralogistischen Problemstellungen der Kunden. In 2013 werden zudem ein Ersatzteilzentrum in Kaltenkirchen und das Werk Degernpoint bei Moosburg in Betrieb genommen. - Bild: Jungheinrich AG

  • Jungheinrich 2016

    Industrie 4.0 hat auch die Logistikbranche erreicht. Auf der CeMAT 2016 stellt Jungheinrich vernetzte Lösungen und smarte Assistenzsysteme vor, das auf Laserscanner und eine Vernetzung mit dem Warehouse Management System setzt und sich mit Pick-by-Voice-Systemen oder mit Datenbrillen kombinieren lässt. Gut 14.000 Mitarbeiter sind für das Logistikunternehmen tätig, die Zahl erhöhte sich seit 2015 um 11 Prozent – eine Folge des besonders erfolgreichen Jahres 2015. Das Unternehmen erreichte ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro und ein Auftragswachstum von 12 Prozent. Zudem wird das 60. Jubiläum des Schubmaststaplers Ameise gefeiert. Auch für 2016 rechnet Jungheinrich mit deutlichen Steigerungen.- Bild: Dietmar Rabich, Wikipedia