| von Dietmar Poll
Aktualisiert am: 19. Sep. 2019
Rotapick, ein Hochleistungs-Kommissioniersystem bei PSB-Intralogistics
Für besondere Leistungsanforderungen bis deutlich über 1 000 Picks/h setzt PSB beispielsweise das Hochleistungs-Kommissioniersystem rotapick ein, dass ohne einen menschlichen Bediener undenkbar wäre. - Bild: PSB Intralogistics

 

Welsch denkt, dass aktuelle Steuerungsthemen wie Schwarmintelligenz Einzug in die Lager halten. „Kommunizierende fahrerlose Fahrzeuge teilen die Transportlast selbstständig auf. Immer öfter kann auf überlagerte Informationsebenen verzichtet werden“, prognostiziert Welsch.

Supply Chain für das Lager intelligent vernetzen

Der größte Entwicklungsbedarf aus Sicht von Wiesmann sei die Entwicklung leistungsfähiger vernetzter Sensoren und Aktoren auch im Lager, um die Supply Chain intelligent zu vernetzen. Denn die Vernetzung führe zu gigantischen Mengen von Daten und Metadaten entlang der Wertschöpfungskette. „Prozessoren, Bedienelemente, Software oder Steuerungen müssen in ein harmonisches, ergonomisches, leistungsfähiges und bedienbares System integriert werden, mit dem sich dieses riesige Datenaufkommen effizient steuern lässt“, bekräftigt Wiesmann. Nur mit IT könne die Komplexität in der Logistik beherrscht werden und nur damit ließen sich künftig sämtliche Warenflüsse intelligent steuern.“

Erfolgreiches SCM für bessere Steuerung im Lager

Obwohl es derzeit einen sehr großen Hype gebe, sieht Winkler die direkte Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern zukünftig eher selten: „Auch wenn das ja eine phantastische technologische Entwicklung ist, weil es vor fünf Jahren noch undenkbar war, so etwas bezahlbar zu bauen. Damit die MRK aber möglich ist, muss der Roboter über zusätzliche Sensorik und Sicherheitstechnik verfügen, die sonst nicht nötig wäre und die teuer ist.“ Außerdem müsse sich der Roboter auch noch zurücknehmen und langsamer arbeiten. „Denn er darf natürlich nicht mit zehn G beschleunigen, wenn daneben ein Mensch steht, der vielleicht eine unkontrollierte Bewegung macht“, warnt Winkler.

Brauneis wiederum sieht die immer kürzer werdenden Planungszeiträume als größte Herausforderung. „Manuelle Prozesse werden vermehrt auf automatische umgestellt und somit eine kollaborative Arbeit zwischen Mensch und Maschine notwendig. Basis für eine solche Mensch-Maschine-Interaktion sind natürlich Kerntechnologien wie Robotik beziehungsweise industrielle Bildverarbeitung.“

SCM und Automatisierung dienen dem Materialfluss im Lager

Apropos Mensch. Wo bleibt der Mensch eigentlich? Brauneis sieht das wie folgt:„Die Tätigkeiten der Menschen werden sich vermehrt auf die wertschöpfenden Prozesse verlagern, wohingegen autonome Lösungen nicht wertschöpfende beziehungsweise repetitive Tätigkeiten übernehmen werden.“ Dazu ergänzt Wiesmann: „Automatische Fördertechnik, Sortier- und Verteilanlagen, Kommissioniersysteme, Palettierer und Depalettierer oder einfache Hebehilfen sorgen dafür, dass Mitarbeiter zum Beispiel in einem Paketzentrum nicht 20, 30 oder mehr Tonnen Gewicht auf den Tag verteilt heben und mit Mitte 50 in den Krankenstand gehen müssen.“ Das werde gerade in Hinblick auf die demografische Entwicklung immer wichtiger.

Ziel für das Management im Unternehmen

Ähnlich sieht das Welsch: „Die fortschreitende Automatisierung wird mehr Fachleute für Wartung, Service und Instandhaltung benötigen. Die qualifizierte Ausbildung junger Menschen zeigt heute bereits deutliche Mangelerscheinungen. Hier muss jetzt und schnell gehandelt werden, damit die benötigten Fachkräfte in zehn Jahren auch zur Verfügung stehen.“

Kirchmayr sagt dazu abschließend: „Ja, es werden Arbeitsplätze durch das Automatisieren von Logistikzentren wegrationalisiert. Und ja, es werden im Gegenzug dazu neue Arbeitsplätze in der Automatisierung geschaffen. Diese Entwicklung in der Intralogistik ist eine riesengroße Chance, nicht nur für den einzelnen Entwickler, sondern generell für den Arbeitsmarkt und die Ausbildungen in unserer Gesellschaft.“

Fünf Statements zum Thema Intralogistik