Procter & Gamble, Die Fabrik des Jahres/GEO, Sieger, Produktion, A.T. Kearney

Die Fabrik des Jahres Procter & Gamble in Crailsheim setzt auch auf Mensch-Roboter-Kollaboration, um die Produktivität zu steigern.- Bild: P&G

Die diesjährigen Sieger bei der Fabrik des Jahres/GEO setzen konsequent auf Digitalisierung und Industrie 4.0, um die Effektivität und Effizienz ihrer Produktion weiter zu steigern.

„Es ist festzustellen, dass dies nun zunehmend zielgerichtet, strukturiert und im Einklang mit der Strategie der Unternehmen stattfindet“, sagte Marc Lakner, der beim Partner der Fachzeitung Produktion, A.T. Kearney, den Wettbewerb Die Fabrik des Jahres/GEO verantwortet. „Die Zeiten des unkoordinierten Wildwuchses von teilweise konträren Digitalisierungsinitiativen innerhalb des Unternehmens scheinen zumindest bei den Siegern passé zu sein.“

Procter & Gamble Crailsheim ist bei Lean spitze

So hat Die Fabrik des Jahres 2017, Procter & Gamble in Crailsheim, die Digitalisierung konsequent in ihrer strategischen Planungskaskade verankert, wie der Beirat des führenden Wettbewerbs für die europäische Industrie feststellte: Das Portfolio digitaler Initiativen ist strukturiert und trägt spezifisch zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bei. Automation und Synchronisation sind die operativen Werttreiber des Werks. Diese sind integraler Bestandteil der strategischen Planung und werden konsequent umgesetzt.

Des Weiteren sind Methoden des Lean Management und kontinuierliche Verbesserung laut Beirat auf einem Spitzenniveau: Die Fabrik hat im Netzwerk den Lead zur Ausarbeitung der neu zu definierenden ‚Maturity Phase 5‘ in einem der führenden Produktionssysteme in der Industrie.

Jeden Tag bewusste Auseinandersetzung

„Zum einen muss man eine Organisation aufbauen sowie Capabilitys und man muss die Projekte, die man in dem Thema Digitalisierung weiterbringen will, bestimmen“, erläuterte der Werkleiter von Procter & Gamble Crailsheim, Christoph Hausser, sein Vorgehen im Bereich Digitalisierung. „Wir haben eine eigene Organisation aufgebaut, die sich jeden Tag zu 100 Prozent damit auseinandersetzt, diese Themen bewusst voranzubringen.“ Dann wurden die Fähigkeiten in diesen Teams aufgebaut und auch am gesamten Standort.

„Wir haben in den letzten zwölf Monaten auch zwei Hackathons veranstaltet, wo wir diese IT- und Digitalisierungs-Kultur den Leuten praktisch näher bringen“, berichtete Hausser. „Zudem haben wir eine Loss-Analyse gemacht und uns überlegt, in welchen Bereichen unseres End-to-End-Netzwerkes Digitalisierung uns tatsächlich einen Benefit liefert, sprich Einsparungen bringt.“

General Electric, Jenbach, Global Excellence in Operation, Die Fabrik des Jahres/GEO, Produktion, A.T. Kearney
Der Sieger des GEO Awards, General Electric in Jenbach, nutzt gezielt innovative Fertigungsverfahren wie Additive Manufacturing für erste Serienteile. - Bild: GE

Den Award Global Excellence in Operations erhält in diesem Jahr die Fabrik des Industrie-Konzerns General Electric im österreichischen Jenbach, die für ihre effiziente Fertigung und Montage von Großteilen in Fluss und Takt ausgezeichnet wird.

Im Bereich Digitalisierung realisiert GE ein digitales Shopfloor Management unter Verwendung von Echtzeitdaten, um eine hohe Transparenz und kurze Reaktionszeiten zu erzielen. „Auch unterstützen digitale Werkzeuge die Qualitätsmanagementprozesse, die durchgängig über alle Bereiche und Ebenen  vernetzt sind“, erklärte A.T. Kearney-Manager Daniel Stengel das Vorgehen des Industrie-Unternehmens.

General Electric Jenbach visualisiert die Wertschöpfungskette

GE Jenbach hatte sich seine Wertschöpfungskette im Detail angeschaut. „Dabei sind wir in abteilungsübergreifenden Workshops jeden Prozessschritt vom ersten Kundenkontakt bis zur Auslieferung des Auftrags durchgegangen“, berichtete der Werkleiter von GE in Jenbach, Martin Mühlbacher.

Die Wertschöpfungskette wird auf einer Value-Stream-Map aufgezeigt. „Auf diese Weise machen wir die wertschöpfende Zeit sichtbar und versuchen, die nicht-wertschöpfende Zeit zu reduzieren“, so Mühlbacher. Durch das Zusammenführen verschiedenster Sichtweisen aus den einzelnen Bereichen hat GE einen Wing-to-Wing-Prozess erarbeitet und diesen optimiert. Damit kann die Fabrik nicht-wertschöpfende Tätigkeiten eliminieren und flexibler auf die Anforderungen der Kunden reagieren.

Sieger in der Kategorie Hervorragende Großserienfertigung ist in diesem Jahr Hilti mit seiner Fabrik im österreichischen Thüringen. „Das Werk realisiert sehr kurze Lieferzeiten im Bereich weniger Tage, ohne dass fertige Produkte ab Lager geliefert werden – und das bei deutlich steigender Varianz in den vergangenen drei Jahren“, teilte der Beirat des Benchmark-Wettbewerbs mit.

Es könne vorbildlich auf Stückzahlschwankungen reagieren, weil Mitarbeitenkonten angeboten werden, Leiharbeit genutzt wird und auch Lieferanten für eine flexible Zusammenarbeit bereit sind. Auch zeichnet sich die Fabrik dadurch aus, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen umgesetzt wird.

Carl-Zeiss Meditec siegt in der Kategorie Hervorragende Kleinserienfertigung

Für seine Hervorragende Kleinserienfertigung wird bei dem führenden Benchmark-Wettbewerb Carl-Zeiss Meditec in Oberkochen geehrt. „Das Werk zeichnet sich durch eine starke bereichsübergreifende Zusammenarbeit aus, die das Ziel hat, für die gesamte Fabrik ein Optimum an Performance zu erreichen“, sagte A.T. Kearney-Partner Lakner. Wesentlicher Erfolgsfaktor sei die gut aufgestellte Entwicklungsabteilung, die im globalen Verbund innovative Produkte entwickelt. Ein systematisches Life Cycle Management plant dabei Produktänderungen und benötigte Kapazitäten.

Den Award für sein Hervorragendes Produktions-Netzwerk erhält Voith mit den Standorten in München, Crailsheim und Salzgitter. Laut Beirat wird die „Vision des zukünftigen integrierten Produktionsverbundes stetig, konsequent und sozial verträglich umgesetzt“.

Voith hatte sein Produktionsnetzwerk neu strukturiert – von separierten Werken hin zu einem integrierten Verbund. „Jedes Werk ist globales Kompetenzzentrum in Fertigung und Montage“, erläuterte Stengel: „München ist zum Beispiel Center of Competence für Verzahnung.“ Wissen und Maschinen sowie Montagekapazitäten würden global verwaltet und verteilt.

Das Thema Digitalisierung stark vorangetrieben hat das Daimler Werk in Berlin, Sieger in der Kategorie Standortsicherung durch Digitalisierung. Dort wird die Digitalisierung konsequent genutzt zur Steigerung von Transparenz, Effektivität und Effizienz. Zum Beispiel gibt es einen digitalisierten Produktlebenszyklus und digitale Werkzeuge werden in allen Prozessen eingesetzt. Auch werden in einem Digital Factory Lab Zukunftsthemen erarbeitet, die über das heutige Portfolio hinausgehen.

Wash Tec steigert mit Hilfe von Lean die Effizienz der Prozesse

Und für seine Hervorragende Transformation wird der Fahrzeugwaschanlagenhersteller Wash Tec in Augsburg ausgezeichnet. Das international tätige Unternehmen hat eine beeindruckende Transformation in den vergangenen drei Jahren mit einer Umsatzsteigerung um 25 % und einer Steigerung des Aktienkurses um 500 % durchlaufen, teilte der Beirat mit. Dabei werden Prinzipien des Lean Management und digitale Werkzeuge eingesetzt, um die Effizienz der Prozesse entlang der Supply-Chain zu steigern.

Der Kongress Die Fabrik des Jahres/GEO

Der führende europäische Benchmark-Wettbewerb Die Fabrik des Jahres/GEO von A.T. Kearney und der Fachzeitung Produktion findet seinen Höhepunkt bei dem gleichnamigen Kongress. Dieser findet von 6. bis 7. März 2018 im Maritim Hotel in Ulm statt. Dort erläutern die Werkleiter der Sieger, allen voran Christoph Hausser, Procter & Gamble Crailsheim, und Martin Mühlbacher, General Electric Jenbach, was sie getan haben, um die Prozesse in ihren Fabriken nachhaltig zu verbessern und Richtung Industrie 4.0 zu marschieren. Ergänzt wird das zweitätige Produktioner-Treffen durch einen halbtägigen Workshop am 5. März zur Fabrik der Zukunft. Die einzelnen Themenblöcke beschäftigen sich damit, wie man ein Partner-Ecosystem aufbauen kann und wie man mit IT-Legacy-Systemen umgehen kann.

https://www.sv-veranstaltungen.de/fachbereiche/fdj-2018/