USA, Produktion, Jobs, Donald Trump, Zurückverlagerung, US-Präsident

Der deutsche Automobilkonzern Daimler investiert in den USA und schafft dort Arbeitsplätze für Amerikaner. - Bild: Daimler

| von Gunnar Knüpffer

US-Präsident Donald Trump ist angetreten, die Industrie zu stärken und wieder Jobs für die amerikanischen Arbeiter zu schaffen. Diese Industriearbeitsplätze waren in den vergangenen Jahrzehnten massenhaft ins Ausland verlagert wurden. Ist der neue Präsident diesem Wahlversprechen näher gekommen?

Zunächst einmal gab es nach der Präsidentenwahl einen Stimmungsaufschwung in den USA. Das zeigte sich in den Ergebnissen von Unternehmensumfragen wie dem nationalen ISM PMI (Januar: 56 Punkte) sowie bei regionalen Indikatoren, die zeitweise noch deutlicher stiegen.

„Der gewerbliche Sektor frohlockte über Trumps Wahlsieg ganz besonders“, teilte die Nord LB mit. Laut der Analyse beruht der Optimismus der Marktteilnehmer vor allem auf der Hoffnung, dass es massive Steuersenkungen für Unternehmen und private Haushalte geben soll. Zudem seien die im Wahlkampf versprochenen Ausgabensteigerungen für die Infrastrukur, die angestrebte Förderung der inländischen Produktion und die Schaffung neuer Jobs zu nennen.

In der Anfangsphase der Präsidentschaft schaffte es Trump dann auch, einige US-Unternehmen dazu zu bewegen, dass sie die Schaffung neuer Jobs in der USA ankündigten und geplante Verlagerungen zum Beispiel nach Mexiko zurücknahmen. So kündigte beispielsweise General Motors im Januar an, dass das Unternehmen mindestens 1 Mrd US-Dollar in seinen Werken in den USA investieren und mehr als 1 000 neue Arbeitsplätze schaffen wolle.

Ford teilte nach Kritik von Donald Trump mit, der US-Autobauer wolle kein neues Werk in Mexiko errichten und stattdessen ein bestehendes nutzen. Außerdem sollten 700 Mio Dollar in die industrielle Produktion von Elektrofahrzeugen in Michigan fließen. Und die Arbeitgeber-Seite des Klimaanlagenherstellers Carrier versprach, 1 000 von 1 400 Arbeitsplätzen, die nach Mexiko verlagert werden sollten, blieben weiterhin in Indianapolis.

Viele Wirtschaftsvertreter hoffen auf Steuersenkungen

Viele amerikanische Wirtschaftsvertreter vertrauen darauf, dass Trump die Industrie stärkt, indem er die Steuern senkt, sich für den Schutz der Arbeiter in Amerika einsetzt, die anwendungsorientierte Forschung unterstützt und die Wirtschaft vor Dumping-Produkten schützt.

So lobte zum Beispiel Jomichael Porter, Principal Engineer bei Harman in Richardson, das Vorhaben von Trump, die Steuern für Unternehmen auf bis zu 15 % zu senken: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass niedrigere Steuern den Handel mit den Endkunden stärken. Ich denke, das hilft.“ Seiner Einschätzung nach ist „Präsident Trump sehr leidenschaftlich, wenn es darum geht, Jobs in die Vereinigten Staaten zurückzubringen.“ Er sei zuversichtlich, dass Jobs in der Fertigung entstehen. Porter ist sich jedoch nicht sicher, ob dies bisher geschehen ist.

In den vergangenen Jahren wandelte sich die Wertschätzung, die der Fertigung in den USA entgegengebracht wurde. „Sowohl für die Regierung unter Barack Obama als auch die unter Donald Trump steht die Fertigung ganz klar im Vordergrund“, erläuterte Elisabeth B. Reynolds vom Massachusetts Institute of Technology, die an dem Zusammenhang zwischen Innovation und Produktion forscht.

Firmen haben Furcht um ihr geistiges Eigentum in China

So hatte die Obama-Administration 14 Manufacturing Innovations Institutes in Amerika gegründet, die die anwendungsorientierte Produktionsforschung von Unternehmen unterstützen sollen. Dies sei nicht vergleichbar mit dem, was Europa oder China tue, sagte die Wissenschaftlerin, aber es sei die wichtigste Investition der USA im Bereich Produktion seit 1989.

Dass die Bedeutung der Fertigung in den USA gestiegen ist, liegt daran, dass sich die Kostenstruktur verändert hat: In Asien sind die Herstellungskosten gestiegen und die Energiekosten in den USA sind gesunken. Gleichzeitig sind neue Technologien entstanden. Außerdem wollen Unternehmen ihr geistiges Eigentum schützen, was nach Einschätzung von Fachleuten zum Beispiel auf dem chinesischen Markt nicht gegeben ist.

„Wir wissen, dass eine Anzahl von Firmen, die mit ihrer Produktion in die USA zurückkommen, die Arbeit mit weniger Mitarbeitern verrichten“, berichtete Reynolds. Diese Firmen nutzten verstärkt Artificial Intelligence sowie Automatisierungslösungen.

Aber diese produzierten in den USA und sie beobachteten sogar in der Region Massachusetts, die eine der kostenintensivsten im Land mit einer Arbeitslosigkeit unter vier Prozent ist, dass es neue Investitionen gebe. „Wir beobachten Bio-Pharma-Unternehmen, die ihre kommerzielle Produktion hier ausrollen und nicht nur die ersten Entwicklungsschritte tun“, erläuterte die Expertin. Diese Firmen waren in der Vergangenheit zum Beispiel nach Irland oder in die Schweiz gegangen.

Rückverlagerungen bisher nur im Einzelfall

Und auch bei regenerativen Energien, für die China ein wichtiger Markt ist, würden sich innovative Firmen für die USA entscheiden, weil sie in China um ihr geistiges Eigentum fürchteten. „Ich denke, dass es einige Firmen gibt, die zurückkommen oder mit einem neuen Ansatz zurückkommen, weil sie die Kosten der Produktion neu beurteilen“, sagte Reynolds. Es sei niemals eine groß angelegte Massen-Fertigung, sondern eher eine elaborierte Produktion, wie sie bei deutschen Unternehmen oder US-Unternehmen stattfindet. Nach Einschätzung von Reynolds wird das Gleichgewicht wieder etwas hergestellt.

„Dass Unternehmen zurück in die USA kommen und Produktionsjobs zurückbringen, sind jedoch Einzelfälle“, erläuterte Reynolds. Es gebe einzelne Rückverlagerungen und einzelne Verlagerungen ins Ausland. Laut der MIT-Forscherin liegen jedoch keine konsolidierten Daten zu dem Thema vor, die man analysieren kann.

Auch der Vorstand des deutschen Unternehmens Staufen, Wilhelm Goschy, glaubt nicht, dass Arbeitsplätze aus Mexiko in die USA zurückverlagert werden. „Die Wertschöpfungsketten sind dafür viel zu stark miteinander verknüpft“, sagte er gegenüber ‚Produktion‘.

Behörden haben nicht dieselben Prioritäten wie der Präsident

Abbildung Sven Riethmüller, schwarze Brille, schwarzer Anzug, Bart
"Ich glaube, viele Unternehmen warten ab, ob die Steuerreform und die angekündigte einmalige Steuer für im Ausland ruhendes Geld kommen", sagte Sven Riethmüller, Partner bei der US-Anwaltskanzlei Pepper Hamilton LLP. - Bild: Sven Riethmüller

Nach Ansicht von US-Fachleuten wird es für Trump schwierig, all seine angekündigten Maßnahmen durchzusetzen. Denn die Entscheidungsträger in den einzelnen Abteilungen der Behörden in Amerika haben nicht unbedingt dieselben Prioritäten wie der US-Präsident. So entschied der Regierungschef, die umstrittene Keystone-Pipeline von Kanada in die USA doch zu bauen und dafür US-amerikanischen Stahl zu nutzen. Der Betreiber Trans Canada hatte jedoch zuvor bereits die Stahlversorgung vertraglich geregelt, sodass kein US-Stahl verwendet wird. „Die Rhetorik ist eine Geschichte, das dann umzusetzen eine andere“, sagte Sven Riethmüller, Partner bei der US-Kanzlei Pepper Hamilton LLP gegenüber ‚Produktion‘.

„Ich glaube, viele Unternehmen warten ab, ob die Steuerreform und die angekündigte einmalige Steuer für im Ausland ruhendes Geld, das zum Beispiel in Irland geparkt ist, kommen“, sagte Riethmüller. Die Idee dahinter ist, dass dann die US-Unternehmen diese Gelder aus dem Ausland in die USA überführen. Es gibt Spekulationen, dass diese Firmen mit den Mitteln mehr Aufkäufe in den USA tätigen, um ihre Steuern zu reduzieren.

„Ob das wirklich passiert, ist eine andere Frage“, meinte der Anwalt. Viele Unternehmen könnten mit den Mitteln auch einfach nur Aktienrückkaufprogramme starten, um den Kurs ihrer Wertpapiere zu steigern. Dann gehe das Geld an die Investoren, werde aber nicht in neue Arbeitsplätze investiert. „Es ist sehr fraglich, ob diese Steuer jetzt zu einer Renaissance der inländischen Produktion führen wird“, so Riethmüller.

GM und Ford bauen Stellen ab

Derweil kündigte General Motors im Juni an, 1 000 Stellen in seinem Werk in Kansas City zu streichen, weil der Absatz des dort produzierten Mittelklassewagens Chevrolet einbrach.

Der Klimaanlagenhersteller Carrier, der noch im Januar versicherte, 1 000 Jobs in Indianapolis zu halten, teilte nun mit, dass er neben den 300 angekündigten Stellenstreichungen vor Weihnachten nochmals 300 Arbeitsplätze in den USA abbauen wird. Zudem seien die versprochenen Investitionen in Höhe von 16 Mio US-Dollar laut Gewerkschaftsangaben vor allem in Automatisierung geflossen, die weitere Arbeitskräfte überflüssig mache. Und Ford ließ durchblicken, dass er 15 000 Angestellten einen Abfindungsvertrag anbietet. Damit wollen die Amerikaner global 1 400 Arbeitsplätze abbauen. Bis Ende September müssen diese Mitarbeiter Ford verlassen, nehmen sie das Angebot an.

MIT-Forscherin Reynolds: ‚Rückverlagerungen sind Einzelfälle‘

Abbildung Elisabeth Reynolds, weiße Bluse, helles Jacket, blonde kinnlange Haare
Elisabeth Reynolds, MIT, stellt „dramatischen Wandel“ in der amerikanischen Industrie fest. Bild: MIT

Produktion: Frau Reynolds, wie hat sich der Stellenwert der Produktion in den USA in den vergangenen Jahren verändert?

Elisabeth Reynolds: "Vor vier Jahren publizierte das Massachusetts Institute of Technology ‚Making in America: Production in the Innovation Economy‘.

Die Prämisse dieser Arbeit war es, grundlegend nachzuweisen, dass es eine Beziehung zwischen Produktion und Innovationen gibt. Und dass, wenn wir die Produktion ignorieren, wir möglicherweise unsere Fähigkeit zu Innovationen verlieren werden.

Und in diesen vier Jahren haben wir entscheidende Fortschritte gemacht: Heute gibt es eine Wende und eine Konzentration auf Produktion: National, in den einzelnen US-Bundesstaaten und weltweit wird darüber diskutiert, wie eine fortschrittliche Produktion aussehen kann und mit welchen Möglichkeiten.

Es ist verblüffend, wie alle diese Vorschläge aufgenommen wurden und jetzt über weitere Schritte diskutiert wird: neue Technologien, Trainings und die Arbeit der Zukunft. Ich fand es erstaunlich, welchen dramatischen Wandel wir in der amerikanischen Industrie hatten, bezüglich der Rolle der Produktion in unserer Wirtschaft, und die Prominenz, die sie erhalten hat."

Holen US-Firmen ihre Fertigung wieder zurück ins Land?

Reynolds: "Dass Unternehmen zurückkommen und Produktionsjobs zurückbringen, sind Einzelfälle. Es gibt einzelne Rückverlagerungen und einzelne Verlagerungen ins Ausland. Es liegen jedoch keine  konsolidierten Daten zu dem  Thema vor, die man analysieren kann. Es gibt Firmen, deren Entscheidungen darauf beruhen, dass der Produktion eine neue Wertschätzung entgegengebracht wird."

Wie unterstützt das MIT junge Technologie-Unternehmen beim Wachstum?

Reynolds: "Es gibt zum Beispiel eine neue Gründung des MIT, The Engine. Das ist wirklich ein bahnbrechendes Konzept für die Rolle einer Universität. Das MIT hat eine kommerzielle Einheit geschaffen und 25 Mio US-Dollar eigenes Kapital investiert in einem Fonds, der ein Volumen 150 Mio US-Dollar hat, um harter Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. MIT-Firmen sowie andere Unternehmen, die an der Engine teilnehmen dürfen, werden unterstützt mit Ausrüstung, ausgeklügelten Produktionsanlagen, durch Partner und Software, um ihre Marktreife zu beschleunigen. Das ist ein aufregendes Modell."

10 Trends beim Internet of Things der USA

Der Eintrag "freemium_overlay_form_pro" existiert leider nicht.