Intralogistik, Logistik, Materialfluss, Gabelstapler, Stapler, Hochregallager, Schmalgangstapler

18 Meter über Grund schwankt die Welt, wenn der Boden nicht eben wie ein Cerankochfeld ist. Kollisionen mit Regalen können die Folge sein. - Bild: Linde MH

Selbst minimale Bodenunebenheiten bringen Schmalgangstapler ins Wanken, so dass sie im oberen Bereich mit den Hochregalen kollidieren können. Dank neuer Technologie ist mit dieser Gefahr jetzt Schluss.

Hochregallager sind groß in Mode. Zumal eine Halle mit Regalen prinzipiell leicht zu bauen ist. Doch Vorsicht! Der Boden spielt eine ganz entscheidende Rolle beim Einsatz von Schmalgangstaplern. Hat dieser auch nur minimale Unebenheiten, kann sich dies im wahrsten Sinne des Wortes zu einem größeren Problem aufschaukeln. Gerät der Mast nämlich dadurch ins Schwanken, kann es in großer Höhe zu Kollisionen mit Lagern und im harmlosesten Fall zu Beschädigungen von Ware und Lagergut kommen.

Ohne Schwanken arbeitet der Bediener effizienter

Sollte gar der gesamte Hochregalstapler kippen, könnte der Staplerfahrer verletzt werden oder gar sein Leben bedroht sein. Eine Möglichkeit, diese Thematik zu entschärfen, ist der Wankausgleich, wie Guido Follert, Fraunhofer IML, Abteilungsleiter Maschinen und Anlagen, beschreibt: „Die Problematik des Wankausgleichs ist grundsätzlich relevant im Anwendungsfeld der Hochregalstapler mit hohen Regalen und hohen Traglasten. Gerade beim Auftreten von Bodenabnutzung und der Bildung von ungleichmäßigen Spurrillen in der Fahrgasse ist das Thema interessant.“

So bieten Hersteller von Flurförderzeugen ihre neuen Entwicklungen an, wie Linde Material Handling: Das Assistenzsystem Active Stability Control (ASC) mache Schmalganggeräte künftig unempfindlich gegen Bodenunebenheiten.

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Active Floor Compensation (AFC) ist ein weiteres innovatives Sicherheits- und Assistenzsystem, das dafür sorgt, dass Bodenunebenheiten beim Einsatz von Schmalgangstaplern kein Problem mehr sind. - Bild: Still GmbH

Optimierte Fahrt im Gang

„Diese Technologie erlaubt schnelles und sicheres Fahren im Hochregal. Kostenintensive Bodensanierungen gehören damit der Vergangenheit an“, erklärt Anna Keilbach, Produktmanagerin Schmalgang (VNA) bei Linde MH. Denn genau das sei für Anwender ein Ärgernis gewesen: Hatte der Boden nicht die geforderte VDMA-Qualität, musste er aus Sicherheitsgründen entweder für viele Tausend Euro auf absolute Ebenheit geschliffen werden.

Oder die Geschwindigkeit der Fahrzeuge musste sicherheitsbedingt reduziert werden, was sich für den Kunden in einer geringeren Umschlagsleistung des Gerätes niederschlug und am Ende dem ursprünglichen Ziel entgegenwirkte: einer Produktivitätssteigerung.

"Diese Technologie erlaubt schnelles und sicheres Fahren im Hochregal. Kostenintensive Bodensanierungen gehören damit der Vergangenheit an", sagt Anna Keilbach, Produktmanagerin Schmalgang (VNA) bei Linde MH

Keilbach weiter: „Die neue Technologie ASC erlaubt durch ein intelligentes Zusammenspiel von mechanischen und elektronischen Sensoren das permanente Abtasten der Bodenstruktur. Erkennt das System Bodenunebenheiten quer zur Fahrspur, sorgen die Lasträder umgehend für einen Ausgleich und verhindern ein seitliches Schwanken des Staplers. Dadurch bleibt es permanent im sicheren, stabilen Bereich.“

Die Vorteile im Detail

Die Vorteile des Assistenzsystems im Detail: Laut Keilbach sind mit ASC Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 14 km/h und Hubhöhen von bis zu 18 Metern nicht mehr nur auf absolut glatten Böden möglich, wie sie laut den entsprechenden VDMA-Richtlinien vorgeschrieben sind. Mit ASC können bei ausreichenden Sicherheitsabständen Bodenunebenheiten zwischen der linken und rechten Fahrspur von bis zu zehn Millimetern ausgeglichen werden.

Damit genügt eine Bodenqualität entsprechend den geringeren Anforderungen der DIN-Norm 18202 (Tab. 3, Zeile 3), denn seitliche Schwankungen werden direkt dort ausgeglichen, wo sie entstehen. Und das ermöglicht dem Fahrer, schnell und sicher unterwegs zu sein.

Logistik, Intralogistik, Schmalgangstapler, Hochregallager
Das Assistenzsystem Active Stability Control (ASC) von Linde Material Handling erkennt Bodenunebenheiten quer zur Fahrspur und sorgt für einen umgehenden Ausgleich durch die Lasträder. Seitliches Schwanken wird verhindert, das Fahrzeug bleibt im sicheren, stabilen Bereich. - Bild: Linde MH

Hochregallager auch bei unebenem Boden

„Interessant ist die neue Technologie auch für Kunden, die in einer angemieteten Halle arbeiten und an der Bodenbeschaffenheit wenig ändern können“, sagt Keilbach. Aber auch bei Lagerneubauten sei die Ausstattung der Fahrzeugflotte mit Active Stability Control lohnenswert: „Selbst neu angelegte Böden entsprechen oft nicht den erforderlichen Qualitätsansprüchen. Dank ASC gehört dieses Ärgernis künftig der Vergangenheit an.“

"Gerade beim Auftreten von Bodenabnutzung und der Bildung von ungleichmäßigen Spurrillen in der Fahrgasse ist das Thema Wankausgleich interessant", sagt Guido Follert, Fraunhofer IML

Optimale Lösung im Hochregallager

Auch die Still GmbH hat sich des Themas angenommen, wie Geschäftsführer Thomas A. Fischer erklärt: „Mithilfe von innovativen Sicherheits- und Assistenzsystemen lassen sich die Wirtschaftlichkeit und Produktivität von Flurförderzeugen erheblich steigern. Aus unserer Sicht ein Grund mehr, weshalb diese Systeme mehr und mehr nachgefragt werden.“

Active Floor Compensation

So spricht man bei dem Hamburger Unternehmen von Active Floor Compensation (AFC). AFC sorge dafür, dass Bodenunebenheiten beim Einsatz von Schmalgangstaplern kein Problem mehr sind. Fischer: „Dieses Assistenzsystem steht für Sicherheit, eine höhere Effizienz sowie ein Mehr an Ergonomie und bietet Kunden eine echte Alternative zur kostspieligen Herstellung eines für den Schmalgang geeigneten Bodens.“

Dabei messen kleine Laufrollen Bodenunebenheiten und geben diese Information an den Fahrzeugrechner weiter. Die Räder sind exzentrische gelagert und werden dem Boden angepasst. Das Chassis bleibt somit in einer Ebene und es gibt keine Erschütterungen oder Schwingungen.

"Mithilfe von innovativen Sicherheits- und Assistenzsystemen lassen sich die Wirtschaftlichkeit und Produktivität von Flurförderzeugen erheblich steigern", sagt Thomas A. Fischer, Geschäftsführer Still GmbH

Assistenzsystem speziell für den Schmalgang

Das Assistenzsystem greift nur ein, wenn der Hochregalstapler im Schmalgang fährt. Hier registriert AFC Höhenunterschiede auf den jeweiligen Fahrspuren der Lasträder. Abhängig von der Differenz der beiden gemessenen Höhen werden die Lasträder der Bodenunebenheiten in Echtzeit angepasst, sodass der Fahrzeugrahmen stets in der Waagerechten und das Hubgerüst stets in der Senkrechten gehalten werden.

Aufgrund der im AFC-System eingesetzten besonders schnellen Prozessoren reagiert dieses selbst bei maximaler Fahrgeschwindigkeit verzögerungsfrei. „Während andere Systeme das seitliche Aufschwingen von Hubgerüst und Kabine nur dämpfen, wird bei unserem Ac­tive Floor Compensation das Aufschwingen verhindert“, erläutert Fischer.

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