Scrum, agile Methode, Produktion, Prozesse, Organisation, Entwicklung

Die agile Methode Scrum schematisch erklärt. - Bild: Fotolia, Asha Sreenivas

Software-Entwickler Andreas Schulze: Mit Scrum verkürzen wir die Entwicklungszeit

"Wir entwickeln Software nach der Lean-Development-Methode Scrum für ganze Systemlösungen, die direkt in Endkundenmärkten wie der Verpackungs-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie oder der Automobilzulieferindustrie Anwendung finden.

So können wir der hohen Dynamik in diesen Märkten gerecht werden. Eine klassische Vorgehensweise mit Lasten- oder Pflichtenheft ist hier nicht flexibel genug.

Die Erfahrungen bei Balluff: Die Scrum-Methode bietet zwei wesentliche Vorteile im Entwicklungsprozess: Transparenz und direkte Kundeneinbindung. Wir schaffen Transparenz, indem wir zunächst die Kommunikation zwischen dem Scrum-Team, dem Kunden und weiteren Stakeholdern durch Meetings wie Daily Scrum und Backlog Grooming fördern.

Das Team identifiziert auf diese Weise zügig mögliche Herausforderungen und findet eine Lösung. Das Scrum Board legt dabei für alle offen, was gerade entwickelt wird und ist deshalb ein wichtiges Werkzeug. Zudem sind die Reviews für das Management und für jeden interessierten Kollegen zugänglich.

Auch der Kunde sieht spätestens hier regelmäßig den Fortschritt und kann diesen bewerten sowie gegebenenfalls neue Anforderungen einfließen lassen. Weil wir uns bei der Entwicklung ganzer Systemlösungen stark am Endkunden orientieren, berücksichtigen wir die dynamischen Kundenanforderungen an die Technik und achten gleichzeitig darauf, wirtschaftlich zu arbeiten. Scrum hilft uns dabei, Lösungen zu entwickeln, die einerseits technisch optimale Ergebnisse garantieren und andererseits auch wirtschaftlich tragfähig sind.

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Andreas Schulze, Softwareentwickler Business Unit Systeme bei dem Sensorhersteller für die Automation, Balluff.- Bild: Balluff

Die größte Herausforderung besteht darin, die Schnittstellen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, die nicht mit Scrum arbeiten, passgenau in agile Projekte zu integrieren. Nur so entsteht ein Produkt, das unseren hohen Ansprüchen und den Anforderungen der Kunden gerecht wird – eben ein echtes Balluff-Produkt.

Zudem muss der eigentliche Softwareentwicklungsprozess mit der agilen Vorgehensweise kompatibel sein. Dabei ist es wichtig, dass auch geänderte Anforderungen stabil und wirtschaftlich umgesetzt werden, ohne dass die Qualität bei der Entwicklung und die Stabilität des ausgelieferten Systems beim Kunden beeinträchtigt werden.

Darüber hinaus müssen sich auch die einzelnen Teammitglieder aktiv einbringen, denn Scrum funktioniert nur, wenn jeder bereit ist, offen zu kommunizieren und sich in das Team einzubringen.

Zur Bewältigung der Herausforderung ist es entscheidend, dass man sich bereits zum Projektstart überlegt, welche Schnittstellen im Unternehmen für die Umsetzung erforderlich sind, damit das zu entwickelnde Produkt überhaupt ausgeliefert werden kann. Gleiches gilt für externe Beteiligte wie Lieferanten. Idealerweise bindet man alle Beteiligten in einem Early-Teaming ein und stellt dabei den groben Projekt-Zeitplan vor. Das erlaubt eine ganzheitliche Planung aller Projekt-Meilensteine.

Bestimmte Qualitätssicherungs-Merkmale, wie zu erfüllende Normen, bedürfen besonderer Beachtung, insbesondere wenn das Produkt international vertrieben werden soll.

Im Bereich der Softwareentwicklung haben wir uns dazu entschieden, den Produktiv-Code konsequent mit automatisierten Tests abzusichern, um Änderungen koordiniert einfließen zu lassen, ohne dass die Qualität darunter leidet. Das Team prüft die Änderungen stets auf ihren Mehrwert und diskutiert sie.

Der Nutzen von Scrum: Mithilfe von Scrum können wir veränderte Rahmenbedingungen noch während der Entwicklung berücksichtigen und einfließen lassen. Dadurch erhalten wir ein Produkt, welches den individuellen Anforderungen des Zielmarkts schon bei der Einführung gerecht wird.
Gleichzeitig verkürzen wir die Entwicklungszeit."

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Scrum hilft Balluff bei der Entwicklung wirtschaftlicher Lösungen. - Bild: Balluff

Ingo Hettig, Leiter Corporate Processes and Organisation:

"Nicht nur unser Unternehmensbereich Entwicklung, sondern auch unsere gesamte Organisation soll agil sein. Deshalb prüfen wir stets, welche Projekt- und Organisationsformen wir einsetzen können, um uns für die jeweiligen Aufgaben in der Entwicklung, Marktbearbeitung oder bei der Produktionsplanung passend aufzustellen.

Aktuell nutzen wir Scrum auch bei Prozess-, Informationstechnik- und Organisationsprojekten.

Für Projekte mit hohem Innovationsgrad oder sehr dynamischem Umfeld bietet sich die Methode besonders an. Denn Sprints in Scrum haben den Vorteil, dass man sich in kurzen Zyklen abstimmen und schnell umsetzen kann.

Das Team wird im Sinne von ‚fail fast‘ in einem beherrschbaren Kontext ermutigt, Dinge auszuprobieren, um so der Dynamik oder dem Neuheitsgrad gerecht zu werden. Dabei sind Fehler ausdrücklich erlaubt. Hieraus lernen die Projektteams für die nächsten Arbeitsschritte sehr viel."

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In der Supply Chain arbeitet Balluff verstärkt mit Lean-Methoden. - Bild: Balluff

Andreas Schönle, Lean Manager, Corporate Industrial Engineering:

"Verstärkt arbeiten wir mit Lean-Methoden in unserer Supply Chain im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung und Agilität. Unser Ziel ist es, den Kunden mit seinen individuellen Anforderungen und Wünschen in den Mittelpunkt zu stellen und die Prozesse so auszurichten, dass nur noch die wesentlichen Elemente der Wertschöpfung enthalten bleiben.

Lean-Methoden werden digitalisiert

Derzeit ist die Lean-Transformation bei Balluff in vollem Gange. Sie wird in Zukunft durch die digitale Transformation ergänzt und angereichert. Ziel ist es immer, uns am Kunden zu orientieren und als Unternehmen schneller und flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren. Es gilt, alle Prozesse durch das Vermeiden von Verschwendung zu verbessern und zu höchster Qualität, Effizienz und Schnelligkeit zu führen.

Gleichzeitig wollen wir die zunehmende Komplexität optimal managen. Die Digitalisierung von Lean-Methoden, wie beispielsweise des Shopfloor-Managements sowie die Vernetzung im Sinne von Industrie 4.0, helfen uns dabei, dieses Ziel zu erreichen."

Gleichzeitig wollen wir die zunehmende Komplexität optimal managen. Die Digitalisierung von Lean-Methoden, wie beispielsweise des Shopfloor-Managements sowie die Vernetzung im Sinne von Industrie 4.0, helfen uns dabei, dieses Ziel zu erreichen."

Dr. Roland Schäfer - Bild: Balluff

"Zusätzlich zu Scrum nutzen wir Innovationsmethoden wie Design Thinking, die C-K Theory und die LEAD User Method." - Dr. Roland Schäfer, Leiter Corporate Innovation Management