Papiergebundene Prozesse werden mehr und mehr abgelöst. Das Tablet hält Einzug in die

Papiergebundene Prozesse werden mehr und mehr abgelöst. Das Tablet hält Einzug in die Instandhaltung und intelligente Systeme dahinter wissen, welcher Prozess welche Informationen benötigt. - Bild: Bilfinger

Dass Tablets in der Instandhaltung Einzug gehalten haben, ist nicht neu. Allerdings sind sie mehr als nur der Ersatz von Listen aus Papier. Dazu Oliver Wichmann, Geschäftsbereichsleiter Mobile Solutions bei der Bilfinger Maintenance GmbH: "Wir sind als Bilfinger darauf spezialisiert, mobile Lösungen zu designen. Da ist der Trend eine weitere Mobilisierung – also dass zukünftig papiergebundene Prozesse sehr konsequent abgelöst werden.“

Dabei sei für Wichmann eine klare Tendenz dahingehend zu beobachten, dass nicht nur singuläre Prozesse abgelöst würden. "Zudem müssen verschiedene Prozesse – wie zum Beispiel die SAP-Dokumentation als ein Prozess und ein Arbeitssicherheitsprozess als ein zweiter Prozess – künftig parallel vom Instandhalter im Zusammenhang mit einem Auftrag erledigt werden“, so Wichmann. In der Vergangenheit seien solche Prozesse immer sehr singulär angegangen worden. So wurde beispielsweise die SAP-Dokumentation mobil gemacht, aber dann musste nach wie vor auf Papier der Arbeitssicherheitsprozess dokumentiert werden oder gar ein dritter Prozess zum Beispiel für den Kunden. "Das ist und war vergleichsweise aufwändig und umständlich“, verdeutlicht Wichmann.

Direkte Übertragung möglich

Die Veränderungen sehen bei WISAG ähnlich aus, wie Peter Bommert, Geschäftsfeldmanagement Instandhaltung bei der WISAG Produktionsservice GmbH erklärt: "Der Trend im Bereich Instandhaltung geht derzeit eindeutig hin zu mehr Effizienzsteigerung mittels Online-System.“ Vor einigen Jahren habe man damit begonnen, Daten in einem IPS-System (Instandhaltungssoftware zur Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit) zentral zu erfassen. Hierzu mussten die Daten zunächst manuell aufgeschrieben und danach an einem Arbeitsplatz manuell in ein IPS-System eingegeben werden. Im Anschluss daran konnten die Daten ausgewertet werden. Bommert weiter: "Nun wird durch die Datenanbindung an autonome Systeme wie beispielsweise Tablets oder Smartphones eine direkte Datenübertragung in das IPS-System ermöglicht.“

Nun ist die Idee, dass der Instandhalter mit einem absoluten Minimum an Eingaben die größtmögliche Anzahl von Prozessen parallel bediene und ein intelligentes System dahinter weiß, welcher Prozess welche Informationen benötige, so Wichmann: "Man muss das aus Sicht des Instandhalters sehen, der drei bis fünf Prozesse mit teilweise identischen Daten zu bedienen hat – die bisher einfach nicht zusammengeführt worden sind. Da hat er dann doch vier Apps oder vier Lösungen, die er bedienen muss – digital oder in Papier.“

Der ganze Ansatz müsse laut Wichmann einen integrativeren Charakter bekommen, weil der Facharbeiter sonst nur ein Medium ersetzt bekomme – vom Papier zur App. "Und das sehen wir jetzt konsequent aus Sicht des Handwerkers und versuchen nun alles so zusammenzufassen, dass er nur noch ein Minimum an Eingaben hat. Da gibt es jetzt erste Pilotanwendungen, wo wir genau das umgesetzt haben“, so Wichmann.

Smartphone als Hilfsmittel

Als Hilfsmittel neben dem Tablet diene auch das Smartphone, das viele Instandhalter ohnehin bei sich tragen und es somit als Mini-Computer nutzen. Wichmann: "Unsere Anwendungen werden immer so aufgebaut, dass sie auf beiden Plattformen laufen. Beim Tablet oder Smartphone handelt es sich aber nur um ein neues Medium, die eigentliche Intelligenz dahinter ist dann das Verzahnen der Information.“

Auch Bommert sieht Vorteile durch die App-Technologien: "Die App-Technologie hat überdies den Vorteil, dass die Programme einfach zu starten sind und die Mitarbeiter gut strukturierte Eingabefelder vorfinden. Dies wiederum ermöglicht eine schnelle und intuitive Eingabe der Daten.“

Zudem gewährleiste die Technologie einen besseren Informationsfluss. "Hierzu zählen beispielsweise das direkte Übertragen von Schadensbildern zum Auftrag und der Anlage, der autonome Zugriff auf Teile beziehungsweise Material sowie deren Bestände und Lagerorte und das direkte Buchen von Kosten“, ergänzt Bommert. Die automatische Übertragung der Daten und Dokumente in das Hauptsystem steigere somit die Effizienz, da die spätere, oftmals mühselige Eingabe der Daten entfalle.

Cloud reduziert Aufwand

Bommert verweist auch noch auf einen weiteren Vorteil: "Unsere Mitarbeiter der WISAG Produktionsservice GmbH können zudem die Daten unserer Kunden in einer Cloud zur Verfügung stellen. Dies bedeutet einen Mehrwert für die Unternehmen, da dadurch nicht nur der manuelle Aufwand reduziert wird, sondern ebenso die Daten und Dokumente transparent vorliegen.“

Da kommt gleich die Frage von Industrie 4.0 in der Instandhaltung auf, gebe es doch mittlerweile genügend Mechanismen, mit denen eine Anlage mit einem anderen System vernetzt werden könne, so Wichmann und nennt ein Beispiel: "Hat eine Anlage ein Störevent in seiner Anlagensteuerung, wird die Störung interpretiert, übertragen und daraus wird eine SAP-Störmeldung generiert, so dass der Instandhalter umgehend ausrücken kann, weil er die Meldung gleich mobil auf seinem Gerät empfängt. Solche Dinge praktizieren wir auch schon, da es technisch machbar ist.“

Video: Industrie 4.0 mit SAP: Intelligente Instandhaltung

 

Vielmehr gehe es bei Industrie 4.0 um die Frage der Kundenzustimmung – ob also der Instandhalter ohne Weiteres Zugriff auf die Anlagensteuerung haben dürfe. "Das ist ein reines Sicherheitsthema an dieser Stelle. Die Software an sich ist absolut fit für Industrie 4.0“, zeigt sich Wichmann überzeugt.

Wenn Industrie 4.0 läuft, was bringt dann noch die weitere Zukunft in der Instandhaltung? Dazu Wichmann: "Zukünftig werden wir Varianten haben, wo wir beispielweise Spezialisten für bestimmte Anlagen einsetzen, die im Back-Office arbeiten. Der Instandhalter vor Ort wiederum verfügt über ein Video-Conferencing-System, das auch über sein mobiles Gerät läuft.“ Somit sei er in der Lage, dass der Spezialist vom Back-Office die Anlagenkomponente betrachten könne und dem Instandhalter entsprechende Hinweise gebe. "Das schafft natürlich einen enormen Nutzen. Denkt man da an Off-Shore-Anwendungen, kann man sogar auf das teure Einfliegen des Spezialisten verzichten. Das wird die Effizienz noch einmal deutlich steigern“, beschreibt Wichmann.

Auch um den Begriff 'smart glasses‘ komme man derzeit nicht herum. "Dabei handelt es sich vom Potenzial her um ein System, das irgendwann als Hilfsmittel kommen wird. Aber wenn man den Stand der Technik betrachtet, dann sind wir noch ziemlich weit davon entfernt, dass es in der Praxis einsetzbar ist“, gibt Wichmann zu bedenken. Denn um das Display sauber zu erkennen, fokussiere der Nutzer das Auge zu sehr auf dieses, was zur Folge hat, dass er die Umgebung nicht mehr richtig wahrnehme. "Das kann in Werkshallen natürlich fatale Folgen für die Sicherheit haben“, warnt Wichmann.