GSN,China,Arbeitskräfte,Angestellte,Arbeitsrecht
Bei dem Steckverbinderhersteller GSN gilt seit 2012 ein neues soziales Geschäftsmodell. Ein Teil der Dividende fließt daher in soziale Zwecke. - Bild: GSN

Aber nicht nur deutsche Unternehmen buhlen um die besten Kräfte in China. Auch heimische Firmen wollen kluge Köpfe für sich gewinnen und halten. Der asiatische Hersteller von Steckverbindungen GSN Electronics geht in diesem Zusammenhang seit 2012 neue Wege. Das neue soziale Geschäftsmodell sieht zum einen vor, dass ein Teil der Unternehmens-Dividende in soziale Zwecke inner- und außerhalb des Unternehmens fließt.

Weiterhin gelten bei GSN in den chinesischen Fertigungsbetrieben Arbeitsbedingungen, die zum Teil weit über die internationalen und lokalen sozialen Mindeststandards hinausgehen. „Dieses soziale Engagement von GSN beruht auf dem Respekt der Menschenwürde und dem unternehmerischen Wunsch, den ausbeuterischen Beschäftigungspraktiken, die in China oft üblich sind, positiv entgegenzuwirken“, sagt General Manager Grace Jia. Hierbei kommt dem Thema Robotik ein wachsender Stellenwert zu.

„Wenn ein Unternehmen automatisiert und dadurch Mitarbeiter entlässt, ist diesen wenig geholfen“, erläutert Jia. Sozial sinnvoller wäre es, Mehrwerte aus der Automation zumindest teilweise in Mitarbeiterqualifizierung zu investieren. So könne Automation helfen, Menschen in höherqualifizierte Berufe zu befördern, was mit einem Mehrverdienst einhergeht. „Eine durch Robotik gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit unterstützt zudem, in Ergänzung zum teilweisen Verzichts der Eigentümer auf monetäre Dividende, langfristig die Umsetzung eines Living Wage“, sagt Jia.

Fokussiere ein Unternehmen hingegen einzig auf die Maximierung eines monetären shareholder values, werde auch die effizienteste Robotik keinen sozialen Mehrwert für die dann zu rationalisierenden Arbeiter im Betrieb bringen. „Erst die Kombination aus Automation und gelebter ethischer Grundhaltung kann einen sozialen Nutzen bewirken“, so Jias Fazit.

GSN,Grace Jia,General Manager
GSN-General Manager Grace Jia. - Bild: GSN

GSN ergreift eine Vielzahl von sozialen Maßnahmen, die das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Fokus haben, und deren Erfolg sich in einer niedrigen Mitarbeiterfluktuation und einer Rückkehrquote nach Chinese New Year von über 90 % widerspiegelt. Zu den erweiterten Sozialleistungen bei GSN gehören beispielsweise 15 Tage bezahlter Jahresurlaub (anstatt der in China gesetzlich definierten 5–10 Tage/Jahr). Die daraus resultierenden Kapazitätsschwankungen in der Fertigung lassen sich durch Automatisierungstechnik auffangen, sodass exzessive Überstunden und Wochenendarbeit vermieden werden.

„Letztlich ist es schwierig, chinesische Arbeitnehmer langfristig zu binden“, sagt Glück von CMS. Erfolgsfaktoren sind aus Sicht der Anwältin in der Regel angenehme Arbeitsbedingungen, eine attraktive Unternehmenskultur und ein kompetenzfähiges Gehalt mit langfristigen Boni.