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US-Präsident Donald Trump geht es vor allem um die Vereinigten Staaten und deren Wirtschaft. Mit ausländischen Unternehmen steht er eher auf Kriegsfuß. - Bild: Gage Skidmore/Wikipedia/CC BY-SA 2.0

Der Politikstil des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist es, das Terrain abzustecken und Wirtschaftsunternehmen und ausländischen Staaten seine sehr weit gehenden Forderungen zu unterbreiten. Damit schreckt Trump viele Wirtschaftsführer und Politiker auf, weil er tradierte Beziehungen infrage stellt.

Wie können Manager auf die angedrohten Sanktionen des US-Präsidenten reagieren? „Die Androhung von Sanktionen erfordert geschicktes Verhandeln und ein Umdenken vor dem Hintergrund der neuen Weltanschauung und Vorgehensweise der US-Regierung“, sagt der Rechtsanwalt und Partner der US-Wirtschaftskanzlei Pepper Hamilton, Sven Riethmüller, im Exklusiv-Interview mit Produktion. Ein Pochen auf die Vorteile der Nachkriegsordnung werde nicht ausreichen, öffentliche Bekenntnisse zu historischen Beziehungen seien kein Garant für eine Neuordnung der Verhältnisse hinter den Kulissen.

Lineare Verhandlungen erwarten

Die neue US-Regierung ist mit Vertretern aus der Geschäftswelt und aus dem US-Militär besetzt. „Entsprechend sollte sich Ausländer auf Verhandlungen einstellen, die eher linear ablaufen, einen Quid-pro-quo-Austausch reflektieren (eine Person, die etwas gibt, soll eine angemessene Gegenleistung erhalten) und einen Verhandlungsstil beinhalten, der sich eher an dem der Geschäftswelt orientiert“, erläutert Riethmüller, der deutsche und US-amerikanische Unternehmen berät.

So hatte zum Beispiel Ronald Reagan in den 80er Jahren einen Wirtschaftsanwalt eingesetzt, als eigene US-Diplomaten des U.S. State Department die festgefahrenen Verhandlungen mit der Sowjetunion über die nukleare Abrüstung nicht überwinden konnten.

Das erste deutsche Unternehmen, das vom neuen US-Präsidenten ins Visier genommen wurde, war BMW. „Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35 Prozent-Steuer, können sie das vergessen“, sagte Trump im Interview mit der ‚Bild-Zeitung‘.

US-Arbeitsplätze vermarkten

BMW hatte im Juni vergangenen Jahres den Spatenstich für sein neues Werk im mexikanischen San Luis Potosí getätigt. Etwa 1 Milliarde US-Dollar will BMW in das Werk investieren und mindestens 1.500 neue Arbeitsplätze schaffen. Mexiko sei dabei für die BMW Group ein weiterer Baustein in der Wachtumsstrategie, teilte der Konzern damals mit. Das Land ist Mitglied in der NAFTA-Freihandelszone mit den USA und Kanada und hat Freihandelsabkommen mit der EU und den MERCOSUR-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) abgeschlossen. Diese erleichtern den Export von Automobilen und den Import von Zulieferteilen, so BMW.

Riethmüller, der in Deutschland aufgewachsen ist, rät Unternehmen wie BMW: „Da ein wesentliches Interesse der Trump-Administration die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA ist, kann dies als Grundlage für die Verhandlungen genutzt werden. Dies können deutsche Unternehmen wie BMW, Volkswagen und andere sehr gut vermarkten.“ BMW kann zum Beispiel auf die im US-amerikanischen Spartanburg geschaffenen Jobs hinweisen.

Medienstrategie für die USA entwickeln

Die BMW Group bildet Arbeiter für das neue Produktionswerk im mexikanischen San Luis Potosi aus. - Bild: BMW Group
Die BMW Group bildet Arbeiter für das neue Produktionswerk im mexikanischen San Luis Potosi aus. - Bild: BMW Group

Generell müsse man vor dem Hintergrund der neuen Weltanschauung der Trump-Regierung seine eigenen Interessen standhaft vertreten, so Riethmüller. Auch müsse man erkennen, wer der eigentliche Verhandlunsgpartner ist.

Dies ähnele in vielen Aspekten eher der Regierung von Richard Nixon als zum Beispiel der von George W. Bush. Während seiner Amtszeit als Nationaler Sicherheitsberater hatte Henry Kissinger bei Weitem mehr Einfluss auf Nixon und die Außenpolitik der USA als der damalige Außenminister William P. Rogers, der von 1969 bis 1973 Secretary of State der USA war.

Video: Trump droht BMW

Daher werde es laut des Anwalts wichtig werden, den richtigen Ansprechpartner bei der US-Regierung zu finden, der das Ohr von Trump bezüglich der Außenpolitik und der internationalen Wirtschaftspolitik hat. Darüber hinaus werde künftig eine Medienstrategie von großer Bedeutung sein. Dies sei natürlich für ausländische Unternehmen bisher kein entscheidender Faktor gewesen. Trump betrachtet die US-Medien, insbesondere die Kabel-TV-Anbieter wie Fox News und CNN, als wesentliche Informationsquellen. Das zeigt sein Verweis auf die angeblichen Vorfälle in Schweden. So bezog er sich in seiner Rede auf einen Beitrag über Schweden, der bei Fox News am Vorabend gezeigt wurde.

„Ausländische Unternehmen und Staaten sollten erwägen, eine aktivere Medienpolitik in den USA zu planen, um sich entsprechend zu positionieren und die Vorteile der eigenen Politik und der Unternehmen für die USA zu präsentieren, um die Positionierung nicht passiv Trump zu überlassen“, empfiehlt Riethmüller. Dazu zähle zum Beispiel eine medienwirksame Darstellung der Arbeitsplätze, die die deutsche Automobilindustrie in den USA geschaffen hat. Denn die deutsche Automobilindustrie beschäftigt in den USA im direkten Bereich 110 000 Mitarbeiter, davon 77 000 bei Zulieferern.

Politische Unterstützung

VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte, dass er die Äußerungen von Trump sehr ernst nimmt. „Zugleich werden wir noch ausstehende Fakten zeitgerecht analysieren“, kündigte Wissmann an. Er forderte Unterstützung durch die Politik ein, damit die deutsche Automobilindustrie „auch künftig ihre internationale Wettbewerbsposition halten“ könne.

Die ausländischen Unternehmen und der ausländische Staat müssten zudem viel bessere Beziehungen zum US-Kongress aufbauen, rät Riethmüller, da wesentliche wirtschaftspolitische Entscheidungen einer Gesetzesänderung bedürfen. Denn die Weltanschauung der Trump-Administration treffe im Bereich Handel und Wirtschaftsbeziehungen nicht auf eine begeisterte Zustimmung. Diese Situation könnten Verhandlungspartner zu ihrem Vorteil nutzen.

Keine offenen Flanken bieten

Trump will einen ökonomischen Nationalismus verfolgen. Er will künftig nur noch bilaterale Abkommen mit anderen Staaten abschließen. Und wenn die Umsetzung des Vertrages nicht zu einem ‚fairen‘ Ergebnis für die USA führt, will die Regierung den Vertrag innerhalb einer 30-tägigen Frist kündigen und einen neuen Vetrag schaffen, der mehr Vorteile für die USA bietet.

Riethmüller: „Ausländische Staaten dürfen keine offenen Flanken bei bestehenden Verträgen bieten, sie müssen eigene vertragliche Verpflichtungen einhalten. Die Staaten sollten auf ihren eigenen Rechten aus bestehenden Abkommen bestehen und diese kommunizieren.“

So sollte man auf Donald Trumps Politikstil reagieren

"USA wollen künftig Verträge kündigen, die nicht zu ihrem Vorteil sind", sagt Sven Riethmüller, Rechtsanwalt und Partner bei der US-Wirtschaftskanzlei Pepper Hamilton.

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