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In Summe hat Infineon Dresden 180 Robotersysteme im Einsatz: fest montierte Roboter, verfahrbare Roboter sowie drei frei fahrende Roboter an der Linie. - Bild: Infineon

Technologische Lösungen für Industrie 4.0 gibt es schon viele, doch wie wirkt sich dieser Ansatz auf die Arbeit der Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie aus? Wie die Aufgaben der Fachkräfte in der Produktion künftig aussehen könnten, lässt sich beispielsweise bei Infineon in Dresden beobachten, der Fabrik des Jahres in der Kategorie ‚Hervorragende Standortsicherung durch Digitalisierung‘. Dort wurde eine Linie einer 200 mm-Wafer-Fertigung digitalisiert, die noch mit Equipment aus dem Jahr 1995 betrieben wurde.

„70 Prozent der Mitarbeiter mussten umqualifiziert werden“, sagte Jörg Recklies, Produktionsleiter bei der Infineon Technology Dresden GmbH. Früher brachten die Facharbeiter das Material an die Anlage, meldeten es dort an und starteten die Anlage. „Das entfällt jetzt“, erläuterte Recklies. Nur noch 15 % der Linie seien nicht vollautomatisiert, dort würden entweder frei fahrende Roboter eingesetzt oder die Vollautomatisierung würde sich nicht lohnen.

„Einen Großteil der Mitarbeiter haben wir auf Fachkräfte umgeschult“, berichtete der Produktionsleiter, „diese Fachkräfte bewegen kein Material, sondern treffen Entscheidungen, identifizieren Abweichungen, führen das Beschlossene aus und steuern Anlagen auch von der Ferne aus.“

Die Mitarbeiterschulung sei dabei das größte Thema gewesen, betonte der Produktionsleiter. Es sei nicht einfach gewesen, den Mitarbeitern beizubringen, dass die Veränderungen zu ihren Gunsten stattfinden. „Das war ein langwieriger Prozess, den wir immer noch durchlaufen“, sagte Recklies.

Mitarbeiter wurden in One-Hour-Lessons geschult

Da die Schulungen im laufenden Betrieb stattfanden, konnten nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig qualifiziert werden. Infineon führte deshalb One-Hour-Lessons ein, bei denen die Mitarbeiter die neuen Systeme in kleinen Schritten kennenlernten. Zur Routine wurden ihnen diese Systeme jedoch erst bei der täglichen Arbeit.

Die Digitalisierung der 200 mm-Linie führte dazu, dass auf dem Shopfloor Personalanpassungen nötig wurden. „Das passierte zum Glück sehr verträglich, weil zur gleichen Zeit das Volumen der Fertigung von 300-mm-Wafern ausgeweitet wurde und die Mitarbeiter einen Arbeitsplatz in diesem Bereich erhalten konnten“, berichtete der Produktionsleiter.

Da aktuell weniger Mitarbeiter in der Linie tätig sind, macht man sich bei Infineon Gedanken darüber, wie einer Vereinzelung entgegengewirkt werden kann: zum Beispiel mit Pausenräumen für Mitarbeiter aus verschiedenen Produktionslinien.

Flächendeckendes Remote

Zum Steuern der Produktionsanlagen führte Infineon ein sogenanntes Work Area Control System ein. Die Mitarbeiter können damit erkennen, wo Anlagen ohne Probleme laufen und wo die Instandhaltung tätig werden muss – der Auftrag wird vollautomatisch an die Instandhaltung übergeben. Auch haben die Fachkräfte die Möglichkeit, alle für die Prozesse relevante Software einzublenden.

Zudem wurde eine Lösung für das Remote-Control selbst entwickelt und flächendeckend eingesetzt, sodass die Operator per Fernzugriff die Anlagen steuern können.