Programmierer

Progammierer feilen an ihren Rechnern an neuen Algorithmen. Zahlreiche osteuropäische Städte entwickeln sich immer mehr zu Zentren der Software-Entwicklung. - Bild: Fotolia/.shock

„Angesichts von aktuell 51 000 offenen Stellen für IT-Experten in der deutschen Wirtschaft haben es  gerade mittelständische Unternehmen zunehmend schwer, geeignetes Personal zu finden“, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Dirk Röhrborn. Um den Fachkräftemangel zu beheben, fordert der Branchenverband der Digitalwirtschaft, dass das Digitale in die Schule gebracht wird.

Jungen und vor allem Mädchen sollen ermutigt werden, sich für Informatik zu interessieren. Doch auch wenn das gelingt, wird das den Fachkräftemangel kurzfristig nicht beseitigen. Deshalb geht Röhrborn davon aus, dass der Trend, Software-Entwicklungsdienstleistungen ins Ausland zu verlagern, wieder zunehmen wird.

Porsche Engineering geht nach Rumänien

Wie im Grunde alle Unternehmen, will auch die Porsche Engineering Group ihre Digital-Kompetenz stetig weiter ausbauen. Der Ingenieursdienstleister hat zu diesem Zweck eine Tochtergesellschaft, Porsche Engineering Romania SRL, in Rumänien gegründet. Als Standort wählten die Schwaben die Universitätsstadt Cluj-Napoca. Malte Radmann, Geschäftsführer der Porsche Engineering Group, erklärte gegenüber unserer Zeitung, Rumänien allgemein und Cluj-Napoca im besonderen gehören  zu den aktivsten Regionen für die Software-Entwicklung in Europa.

„Die dortige Start-up-Szene und das dynamische Wirtschaftsumfeld steigern die Attraktivität der Stadt und bieten alle nötigen Voraussetzungen, um innovative Software für den Automobilsektor zu entwickeln“, erklärt Radmann. Zusätzlich waren die zahlreichen Bildungseinrichtungen und Universitäten, wie beispielsweise die Technische Universität von Cluj und die Babes-Bolyai-Universität, ausschlaggebend für die Standortwahl. „In Cluj-Napoca finden wir eine Vielzahl an hoch qualifizierten Fachkräften, insbesondere in der Software-Entwicklung“, berichtet der Manager.

Neben dem hohen Ausbildungsniveau punkten Rumänien und andere osteuropäische Länder mit ihrem Lohnniveau. Das liegt schließlich immer noch deutlich unter dem Niveau der mitteleuropäischen Staaten. „Das Brutto-pro-Kopf-Einkommen in Deutschland ist doppelt so hoch wie in Estland und sogar dreimal so hoch wie in Rumänien“, erläutert Henrik Groß, Senior Analyst bei Techconsult. Okay, allerdings ist in Indien das Ausbildungsniveau auch recht hoch, die Lohnkosten aber noch niedriger.

Gegenüber dem Subkontinent und anderen fernöstlichen Ländern punkten die Osteuropäer vor allem damit, dass die Geschäftszeiten nicht so stark differieren. „Somit ist die Zusammenarbeit von Projektteams aus Auftraggeber und Entwicklungsdienstleister einfacher zu koordinieren“, so Groß.

Nur logisch, schließlich beträgt zwischen Deutschland und manchem osteuropäischen Land die Zeitverschiebung maximal ein paar Stunden. Darüber hinaus sind im Gegensatz zu Indien die Sprachbarrieren deutlich niedriger. Neben Englisch finden sich in Osteuropa häufig auch Deutsch sprechende Ansprechpartner. Bei Bedarf ist es zudem einfacher möglich, ein Vor-Ort-Meeting zu organisieren. Nicht zuletzt gehören seit 2007 fast alle osteuropäischen Staaten zur Europäischen Union.

Training in Deutschland

Auch Porsche-Engineering-Chef Radmann betont: „Eine enge Zusammenarbeit und regelmäßige Abstimmung zwischen den Ingenieuren in Rumänien und den Ingenieuren in Deutschland  sowie an unseren anderen Standorten ist für die erfolgreiche Projektabwicklung unabdingbar.“ Rund 25 Software-Entwickler beschäftigt das Unternehmen in Rumänien.

Trotz der räumlichen Distanz funktioniere die Zusammenarbeit mithilfe interner Kommunikationskanäle sowie persönlichem Austausch sehr gut. „Hier setzen wir von Beginn an auf eine enge Integration: Beispielsweise bekommen die Ingenieure in Cluj gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit ein Training in Deutschland“, sagt Radmann.

Dort lernen sie nicht nur die Porsche-Unternehmenskultur und ihre Kollegen kennen, sondern erhalten zusätzliche Qualifikationen im Projektmanagement sowie in fachspezifischen Themen. Gleichzeitig steht Porsche Engineering in einem regen Austausch mit der Technischen Universität und der Babes-Bolyai-Uni­versität von Cluj-Napoca. „Da­bei gestalten wir die Hochschullandschaft aktiv mit“, erklärt Radmann.

So hat der Engineering-Dienstleister eine langfristige Partnerschaft mit der Technischen Uni geschlossen, aus der unter anderem ein Masterstudiengang entstanden ist. „Wir möchten die Studenten auf die Anforderungen der Automobilindustrie vorbereiten und auf der anderen Seite Zugang zu erstklassig ausgebildeten Ingenieuren haben“, sagt der Manager.

Darüber hinaus hält die florierende Start-up-Szene der Stadt ausreichend versierte Programmierer vor. Auf die Frage, ob die für Porsche Engineering interessant seien, antwortete Radmann nur: „Wir konzentrieren uns darauf, durch spannende Projekte und eine gute Arbeitsatmosphäre die am besten qualifizierten Ingenieure für uns zu gewinnen.“

Nicht nur Rumänien eignet sich hervorragend als Standort für die Software-Entwicklung. Laut Analyst Groß ist es stark vom Auftrag und entsprechend vom Auftraggeber abhängig, welches Land sich am besten eignet. Auch Estland hat zum Beispiel eine herausragende Start-up-Szene und kann sich je nach Auftrag ebenfalls gut dazu eignen, um dort Software entwickeln zu lassen.

Des Weiteren gilt Polen als ein etablierter Outsourcing-Partner für deutsche Unternehmen. Ohnehin gilt die gesamte polnische Informationstechnologie-Branche – bis hin zu Technologie-basierten IT-Unternehmen – als extrem gut entwickelt.