Produktion, USA, Harting, Wachstum, Mexiko

Der Steckverbinderhersteller Harting setzt große Hoffnungen auf das Geschäft mit den USA und Kanada. - Bild: Harting

„Wir sind überzeugt, dass der Markt in den USA im Moment das größte Potenzial aufweist“, sagt der CEO der Kistler Gruppe, Rolf Sonderegger. Der Chef des Messtechnikanbieters befindet sich dabei in guter Gesellschaft mit den meisten Unternehmen und Verbänden, die an der exklusiven Industrietrend-Umfrage von Produktion teilgenommen haben.

Laut des Chefvolkswirts des Bitkom, Dr. Axel Pols, „bietet der US-amerikanische Markt in den kommenden ein bis zwei Jahren sicherlich die größten Chancen.“

Auch der CEO des Steckverbinder-Herstellers Harting, Philip Harting, stellt fest, dass der nordamerikanische Markt mit den USA und Kanada gut läuft. Die Re-Industrialisierung in den Vereinigten Staaten und das Internet of Things seien dabei die wesentlichen Wachstumstreiber.

Deshalb hat Harting im mexikanischen Silao eine Produktionsstätte und in Mexiko City ein Vertriebsbüro eröffnet. Von Mexiko will das Unternehmen die dortige Region, aber auch den nordamerikanischen Markt beliefern. „In Amerika ist Mexiko unangefochten Treiber der Entwicklung“, ergänzte der Vorsitzende des Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), Dr. Heinz-Jürgen Prokop.

Dagegen falle China wegen seiner wirtschaftlichen Umstrukturierung als Impulsgeber aus, meint der Hauptgeschäftsführer des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann. Nach Beobachtungen des VDW-Vorsitzenden Prokop „schwächelt der Export von Werkzeugmaschinen im ersten Quartal, weil der Investitionsboom im größten Markt China nachgelassen hat.“

Im Reich der Mitte scheine jedoch der Tiefpunkt bei den Bestellungen überschritten zu sein. „Die Nachfrage bewegt sich wieder nach oben“, sagt Prokop. Der Markt sei und bleibe allein aufgrund seiner Größe für die WZM-Branche sehr wichtig, obwohl die kontinuierlich hohen Zuwachsraten der Vergangenheit angehörten. Vielmehr stellten sich Zyklen ein, wie sie aus anderen Märkten ebenfalls bekannt seien.

Der Umfrage zufolge geben gerade zwei der ehemaligen BRIC-Staaten wie Brasilien und Russland aus verschiedenen Gründen Anlass zur Sorge. „Brasilien kann sich aus der tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise nicht befreien“, meint Prokop.

Russland habe sich jedoch laut VDW auf niedrigem Niveau gefangen: Die Bestellungen von Werkzeugmaschinen und Zubehör sind um 10 % gewachsen. Auch im Markt für Flurförderzeuge macht sich eine positive Entwicklung in Russland bemerkbar: So stellt Frank Brandmaier von der Kion Group eine Erholung in Russland fest. Osteuropa profitiere davon und lege ebenfalls deutlich zu.

Nach der Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, rechnet der Bundesverband der Deutschen In­dustrie (BDI) mit einem deutlichen Rückgang in den wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands mit dem Vereinigten Königreich. „Für neue deutsche Direktinvestitionen sieht es schlecht aus“, sagt der BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Die deutsche Industrie beziehe aus Großbritannien Vorleistungen im Wert von etwa 23 Mrd Euro, also mehr als ein Prozent der gesamten britischen Wertschöpfung. Der künftige Zugang von UK zum Binnenmarkt sei die Schlüsselgröße für das Geschäft der deutschen Firmen.

Die Führungskräfte in der deutschen Industrie erwarten Geschäftschancen vor allem bei der Additiven Fertigung sowie im Bereich der Elektromobilität, ergibt die Produktion-Umfrage. „Die Additiven Bearbeitungsverfahren entwickeln sich vor allem in Kombination mit bestehenden Bearbeitungstechnologien sehr vielversprechend“, erläutert der VDW-Vorsitzende Prokop. Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Hurco GmbH, Michael Auer, wird der 3D-Druck beim Rapid Prototyping, aber auch zunehmend bei der Serienfertigung, eine „zunehmend wichtige Rolle spielen, da mittels des 3D-Drucks auch komplexe Bauteile ohne aufwendige Zerspanung hergestellt werden können.“ Die Konstruktion bestimme die Fertigung – selbst bei komplexen Strukturen – und nicht wie bisher die Fertigung die Konstruktion.

Große Chancen erwartet Rolf Diehl aus der Infrarot Prozesstechnologie von Heraeus durch die Elektromobilität. Auch der Geschäftsführer von SCA Schucker, Olaf Leonhardt, sagt, dass der Trend zu Elektroautos der Klebetechnik und ihnen in die Karten spiele. Denn der Löwenanteil der F&E-Investitionen der deutschen Autoindustrie in Höhe von 30 Mrd Euro geht laut VDA-Präsident Matthias Wissmann in die Elektromobilität und die Digitalisierung: „Bereits heute haben unsere Hersteller rund 30 Serienmodelle mit E-Antrieb im Angebot, zahlreiche weitere sind für die nächsten Jahre angekündigt.“