VDW, Standard, Schnittstelle, Roboter

Noch kocht bei der Schnittstellenbeschreibung jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Das soll sich mit einer neuen ISO-Norm in einigen Jahren ändern. - Bild: Pixabay

Treffen ein Chinese und ein Inder zusammen, so ist die gemeinsame Sprache Englisch. Treffen ein japanischer Roboter und ein deutsches Bearbeitungszentrum aufeinander, so gibt es leider keine gemeinsame Sprache. Und das ist ein Problem, gerade angesichts der mit dem Schlagwort Industrie 4.0 verbundenen Visionen einer grenzenlosen Vernetzung von Produktionsanlagen. Eine Grundvoraussetzung ist dabei unter anderem die reibungslose Kommunikation von Maschinen und Automatisierungskomponenten.

Dabei hat bisher eigentlich jeder Hersteller sein eigenes Süppchen gekocht. Das soll sich bald ändern: Die Arbeitsgruppe ‚Werkzeugmaschine – Automation‘ unter Leitung des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) hat einen ersten internationalen Schnittstellenstandard für die automatisierte Fertigung von Werkstücken auf den Weg gebracht. An der Arbeitsgruppe beteiligt waren die meisten namhaften Maschinenhersteller aus Deutschland und 13 Automatisierer aus Europa.

 

 

Ziel: Internationaler ISO-Standard in drei Jahren

Hartmuth Müller, VDW
»Wir haben uns über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig getroffen und die Schnittstelle gemeinsam erarbeitet«, berichtet Dr. Hartmuth Müller, Vorsitzender der VDW-Arbeitsgruppe ‚Werkzeugmaschine – Automation‘. - Bild: VDW.

„Wir haben uns über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig getroffen und die Schnittstelle gemeinsam erarbeitet. Ich war von Anfang an von der positiven Resonanz und dem Engagement aller Beteiligten überrascht“, berichtet Dr. Hartmuth Müller, Vorsitzender der Arbeitsgruppe. Die Ergebnisse wurden jüngst im Einheitsblatt 34180 des VDW veröffentlicht und Endziel ist ein internationaler ISO-Standard, der allerdings noch drei Jahre dauern dürfte.

Im Rahmen der Normungsprozedur können Hersteller aus aller Welt Einsprüche erheben und Änderungen verlangen. Dennoch hält Müller die Wahrscheinlichkeit einer auf den von seiner Arbeitsgruppe erarbeiteten Definitionen basierenden weltweiten Norm für sehr hoch. „Ich setze auf die Bereitschaft aller Hersteller, Kompromisse zugunsten eines Standards einzugehen“, ist seine Überzeugung. Es hänge jetzt davon ab, welche internationalen Parteien Änderungen und Einsprüche erheben und wie hoch die Bereitschaft sei, Kompromisse zugunsten eines Standards eingehen zu wollen.

 

Gemeinsamer Nutzen für Maschinenhersteller und Automatisierer

Ralf Reines, VDW
»Die Betriebe tragen oft lange Kämpfe aus, bis ihre Maschinen in einer automatisierten Produktionskette miteinander kommunizieren können«, findet Ralf Reines, Technischer Referent bei VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken). - Bild: VDW

Für einen Erfolg spricht auch der Leidensdruck vieler Maschinenhersteller und Automationsanbieter: „Die Betriebe tragen oft lange Kämpfe aus, bis ihre Maschinen in einer automatisierten Produktionskette miteinander kommunizieren können“, weiß Ralf Reines, technischer Referent beim VDW. So muss bei jedem neuen Projekt die Abstimmung zwischen dem Hersteller der Maschine und dem Automatisierungslieferanten neu vorgenommen werden. Das war insbesondere bei Projekten im fernen Ausland sehr zeit-, arbeits- und kostenintensiv. „Unser gemeinsam erarbeiteter Standard soll helfen, diesen Aufwand drastisch zu reduzieren. Damit hat die Zeitverschwendung für die Modifikation und Pflege unterschiedlichster Schnittstellen ein Ende“, so Müller.

Das sieht auch Frank Weidinger, Leiter Elektrokonstruktion bei der Bleichert Automation GmbH so: „Als großen gemeinsamen Nutzen für Anlagenbetreiber, Werkzeugmaschinenhersteller und Automatisierer erwarten wir eine deutliche Verringerung der Inbetriebnahmedauer für verkettete Anlagen.“ Seinem Unternehmen hilft der Schnittstellenstandard bereits jetzt bei der Konzeption von automatisierten Bearbeitungslinien zusammen mit den Kunden. Weidinger geht von einer schrittweisen Umsetzung des neuen Standards aus.

Die Fakten im Überblick

  • 13 Automatisierer aus ganz Europa waren in der Arbeitsgruppe vertreten.
  • 100 Seiten umfasst das VDW Einheitsblatt 34180.