ADC Barcode RFID Tag
VW automatisiert die Ein- und Umbaudokumentation mithilfe von RFID. -Bild ADC Barcode

In wenigen Sekunden werden 150 RFID-Tags gescannt

Heute fährt das Versuchsfahrzeug in das ‚Gate‘ – eine Schleuse, in der mehrere RFID-Antennen innerhalb weniger Sekunden die etwa 150 RFID-Tags scannen und damit automatisch dokumentieren. Die Tags kleben auf nahezu allen für die Entwickler relevanten Bauteile, die im Fahrzeug verbaut wurden. Jede Veränderung am Prototyp wird somit automatisch erfasst und gespeichert. So entfallen viele der bisherigen manuellen Vorgänge.

Das Ziel, den Prozess der Bauzustandsdokumentation zu automatisieren, setzten sich die Wolfsburger bereits vor drei Jahren. Um dieses Ziel in die Realität umzusetzen, waren umfassende vorbereitende Aktivitäten notwendig, wie zum Beispiel die Abstimmung von Datenstandards über den Verband der Automobilindustrie. Das heißt, alle Volkswagen-Lieferanten mussten ihre Bauteile mit RFID-Tags, die dieser standardisierten Kennzeichnung entsprechen, ausstatten.

RFID hilft beim unternehmensübergreifenden Datenaustausch

Sind erst einmal alle prozessbeteiligten Wertschöpfungspartner und Komponenten elektronisch miteinander vernetzt, sind damit die Voraussetzungen für Industrie 4.0 geschaffen und die Weichen für weitere Anwendungsmöglichkeiten in der Fertigung gestellt. "RFID und der unternehmensübergreifende Datenaustausch sind ein wichtiger Baustein für Industrie 4.0. Mit dem ‚Gläsernen Prototypen‘ haben wir gezeigt, dass das Prinzip funktioniert. Gleichzeitig sammeln wir wichtige Ergebnisse, um das Szenario  von der technischen Entwicklung auf die Serienproduktion zu übertragen“, sagt Schmidt.

Besonders hohes Potenzial sieht er unter anderem in der Verbauprüfung von Bauteilen und Komponenten sowie in der gesetzlich vorgeschriebenen Bauzustandsdokumentation von Serienfahrzeugen.

Malte Schmidt, VW
"RFID und der unternehmensübergreifende Datenaustausch sind ein wichtiger Baustein für Industrie 4.0", sagt Malte Schmidt, Mit-Koordinator des ‚gläsernen Prototyp‘. -Bild: Volkswagen

Lieferanten einigen sich auf die Industrieempfehlung VDA 5509

"Unsere Kernleistung war es, einen gemeinsamen Standard zu entwickeln und zu kommunizieren,“ berichtet Schmidt. Etliche Lieferanten mussten im Vorfeld mit dem Thema vertraut gemacht und"ongeboarded werden“, wie Schmidt sagt. Der VDA hat mit den beiden defacto-Standards, der ‚Industrieempfehlung‘ VDA 5509 (Prototypenteile) und VDA 5510 (Serienteile) die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen.

"Die VDA 5509 existiert bereits mehrere Jahre und hat sich etabliert bei derzeit schätzungsweise 250 Unternehmen. Die VDA 5510 wurde erst vor wenigen Monaten verabschiedet. Damit fällt die Anzahl der Anwender deutlich geringer aus“, erläutert Schmidt.

Die virtuelle Welt, in der Lieferant mit Wareneingang und Fahrzeug mit Fahrzeugakte kommuniziert, heißt bei Volkswagen eLISA. Auf der B2B-Plattform laufen alle Daten zusammen und können in den nachgelagerten IT-Systemen per Knopfdruck abgerufen werden. Die entwicklungsrelevanten Daten unterstützen die elektronische Bauzustandsdokumentation. Die zusätzlichen Logistikinformationen unterstützen parallel die logistische Prozessabwicklung.