Trumpf, Logistikzentrum, Ditzingen

Der Trumpf Standort Ditzingen in Abendstimmung. Auch optisch sticht das neue Logistikzentrum hervor – zumindest bei perfektem Lichteinfall. - Bild: David Franck

Ja, die Verwaltung altmodischer Versandlager ist für viele Unternehmen, besonders aus dem Bereich Maschinenbau, schon etwas mühsam und die Effizienz lässt zu wünschen übrig. Teils handschriftlich erstellte Listen müssen die Logistiker überprüfen, Gabelstaplerfahrer warten auf Arbeit und wo ist eigentlich Kiste mit Maschine XY abgeblieben? Klar, das ist übertrieben und so schlimm ist es bei Weitem nicht überall. Doch gibt es in der Logistik noch einige Potenziale zu heben – die digitale Transformation soll’s möglich machen. „Besonders in der Logistik steht die große Revolution in Sachen Digitalisierung und IoT erst noch bevor“, sagt Mathias Mittmann, Business Consultant bei der Software AG. Im Transportation und Warehouse Management können IoT-Technologien für viele Unternehmen aus dem Maschinenbau Mehrwerte schaffen.

Auch Trumpf hat das erkannt. Das Unternehmen hat vor Kurzem ein volldigitalisiertes Logistikzentrum eröffnet. Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsleitung des Ditzinger Maschinenbauers, erklärt: „Für Trumpf ist dieses Logistikzentrum, in das wir in den vergangenen zwei Jahren Bauzeit rund 40 Millionen Euro investiert haben, nicht nur ein x-beliebiges neues Gebäude, sondern die konsequente Fortsetzung unserer Digital- und Wachstumsstrategie.“ Mithilfe des neuen Logistik-Centers wollen die Schwaben mit einer hohen Lieferzuverlässigkeit und -geschwindigkeit bei ihren Kunden punkten – vor allem auch bei kleinen Losgrößen. Abends bestellt und am nächsten Tag geliefert. Das funktioniert einwandfrei, wenn man via Amazon Prime Hundefutter, neue Schuhe oder Bücher bestellt.

Nun können auch Trumpf-Kunden von dem schnellen Transport profitieren. Wer bis abends bei dem Maschinenbau-Unternehmen aus Ditzingen Teile bestellt, erhält die Sendung bereits am nächsten Tag. Das gilt für den Großteil der Sendungen in ganz Europa. Genauer: Für die europäischen Kunden kommen rund 90 Prozent davon bereits einen Tag nach der Bestellung an. Nicht nur der Versand funktioniert so ähnlich wie bei Amazon, auch das Verpackungskonzept ähnelt dem des Internet-Giganten. 

Maschinenbau und Logistik wachsen zusammen

Der Betrieb lief auch vor der offiziellen Eröffnung schon seit Wochen hinter den Kulissen. „Mit mehr als 30 000 Lagerteilen und über 1 000 täglichen Versänden ist das Zentrallager in Ditzingen der Dreh- und Angelpunkt des weltweiten Logistik-Netzwerks von Trumpf. Jeden Monat versenden wir rund 60 000 Artikel von hier aus. Das entspricht 270 000 Paketen pro Jahr“, so Leibinger-Kammüller, Chefin des Maschinenbau-Unternehmens.

Doch erst neueste Technik macht den schnellen Versand verschiedenster Produkte möglich. Der Schlüssel zum Erfolg in der Logistik sind laut Mittmann von der Software AG Sensoren. Er sagt: „Manch­mal sind notwendige Sensoren schon eingebaut, wie etwa im Kühlschrank – geht die Tür auf, geht das Licht an. Sensorik in seiner einfachsten Form. Andere Dinge kann man mit einem Sensor ausstatten, um auch weniger offensichtliche Messwerte zu erhalten.“

Aufgrund der steigende Nachfrage- und Produktionszahlen werden Sensoren jeglicher Art immer günstiger. Auch die Vielfalt der Sensoren für verschiedene Anwendungen steigt entsprechend. Mittmann: „In Sachen Diebstahlprävention können Sensoren etwa überprüfen, ob Container oder einzelne Pakte auf ihrer Reise oder während der Lieferung geöffnet wurden, Gewicht verloren haben oder Licht zu ungewöhnlichen Zeiten eingefallen ist – und wenn ja, wann.“

Durch Asset- und Item-Tracking können wiederum einzelne Gegenstände, die mit Sensoren bestückt sind, geortet werden, selbst innerhalb eines Lagers. So kann die Position einer Lieferung exakt bestimmt werden. „In Zukunft kann diese Exaktheit von Daten dabei helfen, dass sogar Drohnen die Ware vollautomatisch und zielsicher ausliefern“, kommentiert Mittmann.

Warum Logistik High-tech ist

Drohnen kommen im neuen Logistikzentrum von Trumpf noch nicht zum Einsatz. Das Lager sei jedoch dafür ausgelegt, dass in Zukunft fahrerlose Transportsysteme (FTS) die Waren von A nach B bringen, wie ‚Produktion‘ während einer Führung durch das Logistikzentrum erfuhr. Die FTS orientieren sich an Induktionsschleifen, die in den Boden eingelassen wurden. Derzeit werden die Gabelstapler noch von Menschen gefahren.

Ohnehin kommt in Trumpfs neuem Logistikzentrum bei Lagerung und Versand State-of-the-Art-Technologie zum Einsatz. „Mithilfe der modernen Logistik können wir komplexe Lager- und Auslieferprozesse somit nicht nur schneller, kostengünstiger und fehlerärmer gestalten, sondern Industrie 4.0 auch abseits der Produktion erfahrbar machen, dem digitalen Gesamtbild einen weiteren Mosaikstein hinzufügen“, erklärt Leibinger-Kammüller. Sie ergänzt: „Denn neben den Materialflüssen steuern wir auch die Lagerhaltung digital und treiben so die unternehmensinterne digitale Transformation für jedermann greifbar voran. Nicht nur für die 100 Mitarbeiter, die hier beschäftigt sind.“ Beispielsweise bietet ein automatisches Kleinteilelager derzeit 23 000 Behälterstellplätze für schnelldrehende Teile. Daneben gibt es ein manuelles Fachbodenregal auf vier Ebenen für Langsamdreher sowie Palettenregale für Groß- und Sperrigteile. Ein neues Lagerverwaltungssystem auf Basis von SAP EWM mit direkter Kopplung des Automatiklagers sorgt für maximale Transparenz und Reaktionsfähigkeit.

„Wir glauben, dass Logistik bislang ein unterschätzter Bestandteil des Themas ‚vier null‘ war. Wir wissen dabei, dass die Logistik nicht die einzige Baustelle  der digitalen Transformation ist“, so Leibinger-Kammüller. Die Trumpf-Chefin konkretisiert: „Wir wollen alle unsere Standorte binnen der nächsten fünf Jahre digital vernetzt haben, um effizienter zu produzieren und für unsere Kunden einen noch besseren Service bieten zu können.“

  • 13.000 Quadratmeter beträgt die Fläche des Gebäudes, bestehend aus einer zweigeteilten Struktur aus Büroräumlichkeiten und Lagerbereich. - Bild: David Franck

    13.000 Quadratmeter beträgt die Fläche des Gebäudes, bestehend aus einer zweigeteilten Struktur aus Büroräumlichkeiten und Lagerbereich. - Bild: David Franck

  • Mit mehr als 30.000 lagerhaltigen Materialien, ist das neue Zentrum Dreh- und Angelpunkt des weltweiten Logistik-Netzwerks von Trumpf. - Bild: David Franck

    Mit mehr als 30.000 lagerhaltigen Materialien, ist das neue Zentrum Dreh- und Angelpunkt des weltweiten Logistik-Netzwerks von Trumpf. - Bild: David Franck

  • Der Versand von rund 60.000 Artikel pro Monat ist möglich. - Bild: David Franck

    Der Versand von rund 60.000 Artikel pro Monat ist möglich. - Bild: David Franck

  • Trumpf verspricht eine Liefertreue von einem Tag für europäische Kunden in rund 90 Prozent der Fälle. - Bild: David Franck

    Trumpf verspricht eine Liefertreue von einem Tag für europäische Kunden in rund 90 Prozent der Fälle. - Bild: David Franck

  • Der Neubau beinhaltet modernste Lager- und Kommissioniertechnik. - Bild: David Franck

    Der Neubau beinhaltet modernste Lager- und Kommissioniertechnik. - Bild: David Franck

  • Neben Lagerhaltung in den Regalen steuert Trumpf alle ein- und ausgehenden Materialflüsse mit digitalen Prozessen. - Bild: David Franck

    Neben Lagerhaltung in den Regalen steuert Trumpf alle ein- und ausgehenden Materialflüsse mit digitalen Prozessen. - Bild: David Franck

  • Das Investitionsvolumen für das neue Zenrum beträgt rund 40 Millionen Euro. - Bild: David Franck

    Das Investitionsvolumen für das neue Zenrum beträgt rund 40 Millionen Euro. - Bild: David Franck

  • Ein automatisches Kleinteilelager bietet aktuell 23.000 Behälterstellplätze für schnelldrehende Teile. - Bild: David Franck

    Ein automatisches Kleinteilelager bietet aktuell 23.000 Behälterstellplätze für schnelldrehende Teile. - Bild: David Franck

  • Das Lagerverwaltungssystem basiert auf SAP EWM mit direkter Kopplung des Automatiklagers für maximale Transparenz und Reaktionsfähigkeit. - Bild: David Franck

    Das Lagerverwaltungssystem basiert auf SAP EWM mit direkter Kopplung des Automatiklagers für maximale Transparenz und Reaktionsfähigkeit. - Bild: David Franck