E-Antrieb, Werkzeugmaschinen

Der Mindelheimer Werkzeugmaschinenbauer Grob hat sich auf spanende Bearbeitungsanlagen für die Bearbeitung von Komponenten für den Antriebsstrang spezialisiert. Was passiert, wenn diese Bauteile beim E-Antrieb wegfallen? Das Unternehmen hat darauf bereits mit dem Erwerb eines Unternehmens zur Herstellung von Bauteilen für Elektromotoren reagiert. - Bild: Grob-Werke

Schon wieder ein Beitrag zur Elektromobilität? Dazu ist doch längst alles gesagt und geschrieben worden! Stimmt, aber in diesem Fall wollen wir einer speziellen Frage nachgehen: Etwa jede zweite in Deutschland gebaute Werkzeugmaschine geht in die Automobilindustrie. Welche Auswirkungen hat ein wahrscheinlicher Siegeszug also für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie?

Besonders betroffen wären davon die Hersteller von Werkzeugmaschinen, die sich auf die Bearbeitungsanlagen für den Antriebsstrang von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor spezialisiert haben. Der Grund: Ein Elektromotor in der Automobilindustrie besteht aus deutlich weniger Bauteilen und kommt zumindest beim Direktantrieb ohne Schaltung und Getriebe aus. Wir haben die davon besonders betroffenen Werkzeugmaschinenhersteller dazu befragt.

Grob-Werke besonders betroffen

An erster Stelle sind dabei die Mindelheimer Grob-Werke zu nennen. Grob ist weltweit einer der größten Anbieter von Maschinen und Anlagen zur spanenden Bearbeitung von Bauteilen für den Antriebsstrang. Das Unternehmen arbeitet derzeit intensiv an einer Strategie, um auf sich auf den Elektroantrieb vorzubereiten.

Immerhin hat das Unternehmen seine Abhängigkeit von der Automobilindustrie durch den erfolgreichen Einstieg in das Universalmaschinengeschäft bereits etwas reduziert. Trotzdem war man immer ein zuverlässiger Partner der Automobilindustrie und wird das auch in Zeiten der Elektromobilität bleiben.

Erst jüngst hat Grob dazu mit dem italienischen Unternehmen DMG meccanica einen führenden Maschinen- und Anlagenbauer für Elektromotoren übernommen. Damit trägt man der Tatsache Rechnung, dass die Anfragen für Projekte mit Elektromotoren bereits jetzt enorm gestiegen sind.

Neue Möglichkeiten

Frühzeitig hat man eine eigenständige Entwicklungsabteilung für Komponenten und Maschinen zur Herstellung von Elektroantrieben aufgebaut. Heute arbeiten bereits über 25 Spezialisten und Entwicklungsingenieure in diesem Bereich der Metallbearbeitung. Sie haben in enger Zusammenarbeit mit namhaften Automobilherstellern die wesentlichen Komponenten ‚Elektromotor‘ und ‚Batteriemodul‘ in die Vorausentwicklung aufgenommen und die Vielzahl von Technologieprozessen für die Herstellung und Auslegung der Statoren analysiert und zur Weiterentwicklung gebracht.

Jetzt ist Grob sehr gezielt in der Lage, weitere größere Projekte als Generalunternehmer für die Fertigung des kompletten Antriebsstrangs für Hybrid- oder reine Elektroantriebe in Auftrag zu nehmen und Maschinen und Anlagen für Elektromotoren, Batteriemodul und Batteriepack wie auch Brennstoffzellen anzubieten und diese zukünftig prozesssicher für die Serienfertigung zu produzieren.

Video: Grob Fertigungslinie

German Wankmiller
Grob-Geschäftsführer German Wankmiller bereitet sein Unternehmen auf einen eventuellen Siegeszug der Elektromobilität vor. Bild: Grob

Grob setzt auf Kompetenz in der Montagetechnik

Da Grob einer der wenigen Hersteller von Werkzeugmaschinen ist, der nicht nur im Bereich ‚Zerspanung‘, sondern auch in der ‚Montagetechnik‘ hohe Kompetenz besitzt, hat das Unternehmen außerdem seine Möglichkeiten im Bereich Elektrotechnik evaluiert und festgestellt, dass im Segment der Wickeltechnik eine sinnvolle Wertschöpfung für das Unternehmen liegt.

„Um professionell vorgehen zu können, wurde schnell klar, dass wir die Wickeltechnik entweder selber entwickeln oder entsprechende Technologien auf dem Markt zukaufen müssen“, erklärt German Wankmiller, Vorsitzender der Grob-Geschäftsführung, die Vorgehensweise. „Nach intensiven Gesprächen mit DMG meccanica hat sich schnell gezeigt, dass wir mit dem Turiner Maschinen- und Anlagenbauer den richtigen Partner gefunden hatten.“ Grob scheint mit diesen Maßnahmen also gut auf einen Siegeszug der Elektromobilität vorbereitet zu sein.

Manfred Maier
Sieht noch keinen großen Handlungsbedarf: Manfred Maier, Geschäftsführer bei Heller. Bild: Heller

Heller verhält sich eher abwartend

Wettbewerber Heller ist etwas zurückhaltender: Geschäftsführer Manfred Maier weist darauf hin, dass die verschiedenen Antriebsarten der Zukunft in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden.

Auch aktuelle Studien und Untersuchungen würden unterschiedlichste Szenarien aufzeigen. Folglich sei es also noch nicht automatisch absehbar, ob und wann der Elektroantrieb den Durchbruch schaffen wird.

Maier verweist dazu auch auf Studien, die belegen, dass der Anteil von PKW und leichten Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2030 immer noch über 70 Prozent liegen wird. Hinzu komme noch die Sparte der schweren Pick-ups, Transporter und Lkw.

Video: Rennsportfelgen von einer Heller C

Breite Aufstellung bringt Sicherheit

Heller lässt sich also von den munteren und teilweise in der Öffentlichkeit überstürzt geführten Diskussionen nicht irritieren: „Solange die Unsicherheit der Szenarien hinsichtlich Eintritts- und Größenwahrscheinlichkeit überwiegt, ist eine nachhaltige Anpassung bestehender Geschäftsmodelle unserer Ansicht nach nur wenig zielführend“, so Manfred Maier.

Er betont, dass die Fahrzeugindustrie und deren Zulieferer eine bedeutende Kundengruppe ist und bleibe. Und selbstverständlich könnten auf einer Werkzeugmaschine von Heller auch Bauteile für Elektromotoren bearbeitet werden.

Was aber auch wichtig ist: Heller ist hinsichtlich der Kundenbranchen relativ breit aufgestellt. „Mit unserem umfassenden Produktspektrum sind wir auch kompetente Ansprechpartner für Unternehmen aus dem allgemeinen Maschinenbau, der Aerospace-Industrie sowie aus vielen weiteren Branchen“, so Manfred Maier.

Bernd Rothenberger
Rechnet mit weniger, aber dafür anspruchsvolleren Bauteilen für den Elektroantrieb: Bernd Rothenberger, Vorstand und CSO bei der DVS Technology Group. Bild: DVS

DVS Technology: Weniger, aber anspruchsvollere Bauteile

Von einem eventuellen Siegeszug des Elektromotors besonders stark betroffen wäre die DVS Technology Group, die sich in den letzten Jahren auf Zerspanungstechnologien, also Bohren, Drehen oder Fräsen, für den Antriebsstrang spezialisiert hat. Dazu Vorstand und CSO Bernd Rothenberger: „Auf lange Sicht werden sicherlich viele Bauteile vor allem im Bereich des Verbrennungsmotors wegfallen.“

Bei Fahrzeuggetrieben sieht er dagegen eher eine Reduktion der Gesamtzahl an Teilen pro Fahrzeug. Diese Teile würden also für die Werkzeugmaschine nicht wegfallen, sondern künftig von der Industrie in geringeren Stückzahlen produziert. Gleichzeitig werde aber auch der Anspruch der Kunden in Sachen Präzision weiter steigen.

Der Grund: Höhere Drehzahlen und steigende Übersetzungskräfte im Elektroantrieb erfordern den Einsatz noch präziser bearbeiteter Bauteile. Dazu komme, dass DVS auch für Fahrzeuge mit Elektroantrieb effiziente Lösungen in der Zerspanung anbiete.

Nils Baumgartner
Nils Baumgartner, Vertriebsleiter bei Licon, sieht sein Unternehmen durch eine breitere Aufstellung und flexible Maschinen für die Elektromobilität gut gerüstet. - Bild: Licon

Licon setzt auf flexible Werkzeugmaschinen

Ebenfalls eine hohe Kompetenz bei Werkzeugmaschinen zum Zerspanen von Bauteilen für den klassischen Antriebsstrang hat Licon. So werden Motorenteile wie Motorblöcke, Lagerrahmen und Zylinderhauben auf Maschinen des Laupheimer Unternehmers bearbeitet.

Mit Blick auf das typische Spektrum der Bauteile einer Werkzeugmaschine von Licon ist das Unternehmen aber nur zum Teil von Komponenten für Verbrennungsmotoren abhängig. Typisch sind nämlich auch Fahrwerksteile, Strukturbauteile und Lenkungsteile, und die werden in Elektroautos ebenso benötigt. Dazu kommt, dass Licon seinen Umsatzanteil in der Automobilindustrie 2017 auf unter 70 Prozent gesenkt hat.

„Dank der modularen Bauweise unserer LiFLEX-Bearbeitungszentren können wir sehr flexibel auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren. Dazu gehört auch die Elektromobilität“, berichtet Vertriebsleiter Nils Baumgartner.

Maschinenbau: Das ist der Umsatz der einzelnen Branchen

  • Mit der Herstellung von Maschinen für die Papiererzeugung und -verarbeitung machte der Maschinenbau im Jahr 2016 einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro (2015: 1,5 Milliarden Euro). Das ist Platz 14 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Mit der Herstellung von Maschinen für die Papiererzeugung und -verarbeitung machte der Maschinenbau im Jahr 2016 einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro (2015: 1,5 Milliarden Euro). Das ist Platz 14 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • 2016 setzte die Herstellung von Maschinen für Metallerzeugung, Walzwerkseinrichtungen usw. 2,3 Milliarden Euro um (2015: 1,9 Milliarden Euro). Das macht Platz 13 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    2016 setzte die Herstellung von Maschinen für Metallerzeugung, Walzwerkseinrichtungen usw. 2,3 Milliarden Euro um (2015: 1,9 Milliarden Euro). Das macht Platz 13 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Mit der Herstellung von Öfen und Brennern machte der Maschinenbau im Jahr 2016 2,2 Milliarden Euro Umsatz (2015: 2 Milliarden Euro). Das ergibt Platz 12 für die Branche. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Mit der Herstellung von Öfen und Brennern machte der Maschinenbau im Jahr 2016 2,2 Milliarden Euro Umsatz (2015: 2 Milliarden Euro). Das ergibt Platz 12 für die Branche. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2016 landet die Herstellung von Maschinen für die Textil- und Bekleidungsherstellung und Lederverarbeitung auf Platz 11 (2015: 4,6 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2016 landet die Herstellung von Maschinen für die Textil- und Bekleidungsherstellung und Lederverarbeitung auf Platz 11 (2015: 4,6 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Auf Platz 10 landen die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Die Branche erzielte im Jahr 2016 einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro (2015: 5,1 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Michael KR/Wikimedia/CC-BY-SA 4.0

    Auf Platz 10 landen die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Die Branche erzielte im Jahr 2016 einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro (2015: 5,1 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Michael KR/Wikimedia/CC-BY-SA 4.0

  • Auf Platz 9 im Umsatzranking landet die Herstellung von hydraulischen und pneumatischen Komponenten. 2016 erzielte die Branche einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro (2015: 7,7 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Auf Platz 9 im Umsatzranking landet die Herstellung von hydraulischen und pneumatischen Komponenten. 2016 erzielte die Branche einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro (2015: 7,7 Milliarden Euro). - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Im Jahr 2016 wurden mit der Herstellung von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen 9,6 Milliarden Euro umgesetzt (2015: 9,5 Milliarden Euro). Das bedeutet Platz 8 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Im Jahr 2016 wurden mit der Herstellung von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen 9,6 Milliarden Euro umgesetzt (2015: 9,5 Milliarden Euro). Das bedeutet Platz 8 im Umsatzranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Mit einem Umsatz von 10,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 (2015: 9,8 Milliarden Euro) landet die Armaturenbranche auf Platz 7. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Mit einem Umsatz von 10,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 (2015: 9,8 Milliarden Euro) landet die Armaturenbranche auf Platz 7. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • 11,5 Milliarden Euro Umsatz wurde 2016 in Deutschland mit der Herstellung von Pumpen und Kompressoren erzielt (2015: 11,9 Milliarden Euro). Das macht Platz 6 im Ranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    11,5 Milliarden Euro Umsatz wurde 2016 in Deutschland mit der Herstellung von Pumpen und Kompressoren erzielt (2015: 11,9 Milliarden Euro). Das macht Platz 6 im Ranking. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Die Herstellung von Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen machte im Jahr 2016 einen Umsatz von 11,9 Milliarden Euro (2015: 12,3 Milliarden Euro). Das bedeutet Platz 5. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Die Herstellung von Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen machte im Jahr 2016 einen Umsatz von 11,9 Milliarden Euro (2015: 12,3 Milliarden Euro). Das bedeutet Platz 5. - Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Mit einem Umsatz von 14 Milliarden Euro im Jahr 2016 landet die Herstellung von kälte- und lufttechnischen Erzeugnissen für Gewerbe auf Platz 4. 2015 hatte sie Branche 13,3 Milliarden Euro umgesetzt. - Quelle: Statista, Bild: Pixabay

    Mit einem Umsatz von 14 Milliarden Euro im Jahr 2016 landet die Herstellung von kälte- und lufttechnischen Erzeugnissen für Gewerbe auf Platz 4. 2015 hatte sie Branche 13,3 Milliarden Euro umgesetzt. - Quelle: Statista, Bild: Pixabay

  • Platz 3 mit einem Umsatz von 15,8 Milliarden Euro im Jahr 2016 belegt die Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln. 2015 machte die Branche einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro. - Quelle: Statista; Bild: Toyota Material Handling

    Platz 3 mit einem Umsatz von 15,8 Milliarden Euro im Jahr 2016 belegt die Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln. 2015 machte die Branche einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro. - Quelle: Statista; Bild: Toyota Material Handling

  • Auf Platz 2 mit einem Umsatz von 18,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 (2015: 18,2 Milliarden Euro) landet die Antriebstechnik - genau gesagt die Herstellung von Lagern, Getrieben, Zahnrädern, Antriebselementen. Quelle: Statista; Bild: Pixabay

    Auf Platz 2 mit einem Umsatz von 18,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 (2015: 18,2 Milliarden Euro) landet die Antriebstechnik - genau gesagt die Herstellung von Lagern, Getrieben, Zahnrädern, Antriebselementen. Quelle: Statista; Bild: Pixabay

  • Auf Platz 1 und damit die Umsatzkönigsdisziplin des deutschen Maschinenbaus ist die Herstellung von Werkzeugmaschinen. Damit wurden im Jahr 2016 20,5 Milliarden Euro umgesetzt (2015: 19.6 Milliarden Euro. - Quelle: Statista; Bild: Grob

    Auf Platz 1 und damit die Umsatzkönigsdisziplin des deutschen Maschinenbaus ist die Herstellung von Werkzeugmaschinen. Damit wurden im Jahr 2016 20,5 Milliarden Euro umgesetzt (2015: 19.6 Milliarden Euro. - Quelle: Statista; Bild: Grob